Telefonwerbung Nichts bestellt - aber eine Rechnung auf dem Tisch?

Telefonwerbung darf seit 2009 nur nach eindeutiger Einwilligung des Angerufenen erfolgen. Doch unseriöse Firmen umgehen dies oft - und versuchen auch noch, ihren Opfern Verträge unterzuschieben. Wie kann man sich wehren?

Ein abgelegter Telefonhörer
Sie sollen einen Vertrag abgeschlossen haben und wissen nichts davon? Dann legen Sie unbedingt Widerspruch ein! Bildrechte: dpa

Was als Telefonwerbung gilt

Als Telefonwerbung werden Anrufe verstanden, die das Ziel verfolgen, Verbraucher zum Kauf einer Ware oder Dienstleistung zu bringen. Angepriesen werden häufig Abonnements oder Langzeitverträge von Strom- und Telefonanbietern oder Finanzdienstleistern. Die Angerufenen werden dabei während des Gesprächs zum Abschluss eines Vertrags gedrängt.

Was Werbeanrufer dürfen

Telefonwerbung ist seit 2009 nur bei ausdrücklicher vorheriger Einwilligung des Verbrauchers erlaubt. Fehlt diese Einwilligung, handelt es sich um einen sogenannten Kaltanruf (auch: Cold Call), also um einen unerlaubten Werbeanruf. Seit 2009 dürfen zudem Firmen, die Telefonwerbung betreiben, nicht mehr ihre Rufnummern unterdrücken. Dadurch sollen Werbeanrufe leichter zurückverfolgbar sein.

2013 trat ein Gesetz gegen unseriöse Geschäftspraktiken in Kraft, auch Anti-Abzocke-Gesetz genannt. Seitdem können höhere Bußgelder verhängt werden, und zwar auch für unerlaubte Werbeanrufe von Telefoncomputern. Verstöße werden durch die Bundesnetzagentur geahndet.

Die Ausreden mancher Werbeanrufer

Manche Werbeanrufer rechtfertigen ihre unerlaubten Telefonanrufe mit einer angeblichen Einwilligung der Verbraucher. Sie behaupten unter anderem, der Verbraucher habe an einem Gewinnspiel teilgenommen und dabei sein Einverständnis erklärt.

Verbraucher muss eingewilligt haben

Als Zustimmung zu Werbeanrufen gilt aber nur eine konkrete Erklärung des Verbrauchers, mit Werbeanrufen einverstanden zu sein. Die Zustimmung ist nur dann wirksam, wenn der Verbraucher bei seiner Einwilligung erkennen konnte, wer welche Firma, welches Produkt oder Dienstleistung bei ihm am Telefon bewerben will. Die Einwilligung des Verbrauchers muss vor Beginn des Telefonats vorliegen. Sie erst mit Beginn des Gesprächs einzuholen, ist nicht erlaubt.

Wer häufig Telefonwerbung betreibt

Verbraucherschützern zufolge rufen vor allem Telefon- und Internetdienstleister, Energieversorger, Banken, Versicherungen und Zeitschriftenverlage gezielt Verbraucher an, um ihnen ihre Produkte und Dienstleistungen anzubieten. Außerdem wird versucht, Verbrauchern Glücksspiel-Abos am Telefon aufzuschwatzen.

Die Gefahr bei unerlaubten Werbeanrufen

Mit ihren Werbeanrufen versuchen die Anbieter von Waren und Dienstleistungen, Verbraucher regelrecht zu überrumpeln. Sie lassen ihnen kaum Zeit, darüber nachzudenken, ob sie das Angebot wirklich brauchen oder der Preis gerechtfertigt ist. Die Zustimmung des Verbrauchers am Telefon gilt als vertraglicher Abschluss oder Kauf eines Produktes. Nur bei Gewinnspiel-Verträgen besteht die Pflicht zu einer nachträglichen schriftlichen Bestätigung durch die Verbraucher.

Aus einer Dose werden Nahrungsergänzungsmittel in eine Hand geschüttet. 8 min
Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Umschau Di 11.08.2020 20:15Uhr 08:25 min

Rechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Video

Die Vertragsmasche mit dem herausgelockten "Ja"

Immer wieder berichten Personen Verbraucherschützern davon, dass sie am Telefon Fragen gestellt bekamen, die sie mit einem kurzen "Ja" beantworten konnten. Und ohne einen Vertrag abgeschlossen zu haben, seien ihnen Waren und Rechnungen zugestellt worden. Die Masche: Betrüger verschieben das "Ja" per Tonschnitt so, dass augenscheinlich einem Kaufvertrag zugestimmt wurde. Tipp: Beantworten Sie Fragen in ganzen Sätzen. Auf "Hören Sie mich gut?" können Sie antworten "Ich höre Sie gut." - und umgehen so das kurze Ja.

Bei Telefonverträgen gilt 14-tägige Kündigungsfrist

Einen Telefonvertrag (sogenannter Fernabsatzvertrag) kann man innerhalb von 14 Tagen formlos widerrufen. Etwaige Forderungen sollte man nicht begleichen, wenn sie ungerechtfertigt sind - sondern fristgerecht schriftlich sein Veto dagegen einlegen. Dafür gibt es auch Musterbriefe.

Noch mehr Betrugsmaschen

Dieses Thema im Programm: MDR FERNSEHEN | Umschau | 11. August 2020 | 20:15 Uhr