Verbraucherzentrale gibt Tipps Besondere Vorsorge für Urlaubsreisen in Corona-Zeiten

Die Corona-Pandemie hat Urlaubssuchende verunsichert und Reisepläne platzen lassen. Viele sind jetzt mit dem eigenen Pkw im Inland unterwegs statt mit dem Flugzeug auf dem Weg ins Ausland. Auf die gesunkene Nachfrage nach Auslandsreisen reagieren Reiseanbieter und Airlines mit Schnäppchenangeboten. Deren Buchung ist jedoch nicht in jedem Fall risikolos. Claudia Neumerkel von der Verbraucherzentrale Sachsen erklärt, worauf Urlaubshungrige jetzt besonders achten sollten.

Zwei Frauen unterhalten sich im Reisebüro.
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Worauf sollten sich Reisehungrige jetzt einstellen?

Neumerkel: Die Erfahrung der vergangenen Wochen hat gezeigt, dass sich die Pandemielage sehr schnell ändern kann. Lockerungsmaßnahmen sind keine Einbahnstraße und können schnell wieder zurückgenommen werden. So wurde beispielsweise in Oberösterreich bei steigenden Zahlen der Neuinfektionen wieder die Pflicht zum Tragen einer Mund-Nase-Bedeckung eingeführt. Im schlimmsten Fall könnte ein Reiseland wieder seine Grenzen schließen. Das heißt, Reisende sollten sich auf kurzfristige Reiseplanänderungen einstellen. Beobachten Sie auf jeden Fall die Lage in den Zielländern und die Reisewarnungen des Auswärtigen Amtes ganz genau und kontinuierlich. Derzeit gelten Reisewarnungen für alle Fernreiseziele. Sollten Sie eine solche Reise gebucht haben, können Sie diese mit Verweis auf die Reisewarnung des Auswärtigen Amtes kostenlos stornieren.

Wie kann man finanzielle Ausfallrisiken bei aktuellen Reisevorhaben minimieren?

Reiseexpertin Claudia Neumerkel von der Verbraucherzentrale Sachsen
Reiseexpertin Claudia Neumerkel von der Verbraucherzentrale Sachsen Bildrechte: privat

Neumerkel: Fans von Individualreisen empfehlen wir in Anbetracht der aktuellen Situation eher eine Pauschalreise zu buchen. Pauschalreisende sind aufgrund des geltenden Rechts der EU deutlich besser abgesichert als Individualreisende. Das heißt, die Reiseveranstalter müssen bei Absagen im Vorfeld oder bei Reiseabbruch haften und die Kunden bekommen ihr Geld zurück. Als Individualreisender tragen Sie das finanzielle Risiko. Wir erleben gerade, dass Airlines ihre Flugzeuge nicht voll bekommen und dann den Flug absagen. Als Individualreisender laufen Sie Gefahr, dass Sie bei ungünstigen Stornobedingungen auch ohne Nutzung für Hotel oder Ferienwohnung ganz oder teilweise zahlen müssen.

Mit welchen Reiseversicherungen können Verbraucher Risiken reduzieren?

Neumerkel: Da Risiken in diesen Zeiten häufiger auftreten und auch größer werden können als sonst, sollten Sie für ausreichenden Versicherungsschutz sorgen. Reiseveranstalter verkaufen Versicherungen im Kombipaket. Da ist allerdings nicht immer nur Nützliches, sondern auch Unnützes dabei. Unnütz ist beispielsweise die Reisegepäckversicherung. Beim Flug haftet die Airline und bei Pauschalreisen der Veranstalter bei Verlust oder Beschädigung. Eine Reiserücktrittsversicherung kann nützlich sein. Oberste Priorität hat die Auslandsreisekrankenversicherung. Es ist anzuraten, dass sich chronisch Kranke oder auch ältere Personen auf jeden Fall von einem Versicherungsexperten beraten lassen und nicht bei der Buchung vorschnell ein Versicherungs-Kombipaket akzeptieren. Es ist nicht ungewöhnlich, dass eine Reiserücktritts- oder Auslandsreisekrankenversicherung die Schadensregulierung bei Pandemie oder chronischen Erkrankungen ausschließt.

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Dieses Thema im Programm: MDR FERNSEHEN | Umschau | 14. Juli 2020 | 20:15 Uhr