Der Eingang zum Bundessozialgericht in Kassel, 2013
Das Bundessozialgericht hat seinen Sitz in Kassel. Bildrechte: dpa

Bundessozialgericht Urteil: Krankengeld auch bei Urlaub im Ausland

Krankenkassen müssen einem krankgeschriebenem Arbeitnehmer auch bei einem Urlaub im Ausland weiter Krankengeld zahlen. Das hat das Bundessozialgericht klar gestellt.

Der Eingang zum Bundessozialgericht in Kassel, 2013
Das Bundessozialgericht hat seinen Sitz in Kassel. Bildrechte: dpa

Krankgeschriebene Arbeitnehmer können auch bei einem Urlaub im EU-Ausland weiter Krankengeld erhalten. Ist die Arbeitsunfähigkeit unzweifelhaft belegt und gibt es keine medizinischen Einwände, darf die Krankenkasse die Krankengeldzahlung nicht verweigern.

Lange Autofahrt kein Argument

Im konkreten Fall gab das Bundessozialgericht in Kassel einem Gerüstbauer aus Halle Recht. Der Mann war 2014 wegen eines Bandscheibenvorfalls zwei Monate lang krankgeschrieben. Die ersten sechs Wochen erhielt er noch von seinem Arbeitgeber Entgeltfortzahlung, danach Krankengeld von seiner Krankenkasse.

Tiefstehende Abendsonne zur Feierabendzeit blendet eine Autofahrerin auf einer Bundesstraße in Franken in Bayern, Deutschland.
Ärztin hatte beim Bandscheiben-Patienten keinen Einwand gegen eine 500-km-Autofahrt. Bildrechte: imago/Ralph Peters

Als er in dieser Zeit fünf Tage Kurzurlaub in Dänemark machen wollte, verweigerte die Kasse die Zahlung. Begründung: Bei einem Auslandsaufenthalt ruhe der Krankengeldanspruch.

Die behandelnde Ärztin hatte gegen den Urlaub keine Einwände gehabt. Der Medizinische Dienst der Krankenkassen äußerte hingegen Bedenken wegen der langen Fahrtwege und damit verbundenen Wirbelsäulenzwangshaltungen. Der Gerüstbauer argumentierte, würde er innerhalb Deutschlands ebensoweit reisen, hätte die Krankenkasse keine Einwände. 

Kassen können Heilbehandlungen verlangen

Die Richter in Kassel gaben dem Kläger Recht. Der Hausarzt habe keine Bedenken gegen die Reise geäußert. Es gebe keinen Hinweis auf Missbrauch der Krankschreibung. Die Kasse dürfe niemanden daran hindern, eine Dienstleistung innerhalb der EU in Anspruch zu nehmen.  (AZ: B 3 KR 23/18 R)

In dem Urteil wird zugleich darauf verwiesen, dass Krankenkassen von Versicherten während des Urlaubs eine Mitwirkung bei der Genesung verlangen können, etwa Heilbehandlungen.

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL RADIO | 04. Juni 2019 | 15:00 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 04. Juni 2019, 14:14 Uhr

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3 Kommentare

05.06.2019 15:59 Gerd Müller 3

geil dann auf Malle krank feiern - GKV zahlt im Schlaraffenland ^^

04.06.2019 17:44 Ives 2

Warum sollte die Krankenkasse einem arbeitsunfähig geschriebenen vorschreiben dürfen, wo er sich aufzuhalten hat?
Für die medizinische Diagnose und Behandlung gibt es Mediziner, da haben Buchhalter kein Mitspracherecht.
Interessant ist allerdings, mit welchen abstrusen Begründungen sich Versicherungen (auch Krankenversicherungen) vor ihrer Vertragserfüllungspflicht zu drücken versuchen!

04.06.2019 17:09 Ureinwohner 1

Krankenkassen müssen einem krankgeschriebenem Arbeitnehmer auch bei einem Urlaub im Ausland weiter Krankengeld zahlen. Das hat das Bundessozialgericht klar gestellt. Hier fahren die Affen Panzer. Mir fehlt dafür jegliches Verständnis .Ist die Arbeitsunfähigkeit unzweifelhaft belegt ??