Eine Reisende wartet im Flughafen zwischen Koffern sitzend
Wer als Ryanair-Kunde von einer Flugverspätung betroffen ist, kann die Teilerstattung des Tickets von darauf spezialisierten Internetportalen "eintreiben" lassen. Bildrechte: Thomas Lohnes/dapd

Bei Verspätung Fluggäste dürfen Ansprüche an Portale abtreten

Hebt das gebuchte Flugzeug mit Verspätung ab, haben Kunden in der Regel ein Recht auf Entschädigung. Doch diese durchzusetzen ist aufwendig. Nach einem rechtskräftigem Urteil des Amtsgerichts Nürnberg dürfen Ryanair-Passagiere ihre Ansprüche an Flugrechtsportale abtreten.

Eine Reisende wartet im Flughafen zwischen Koffern sitzend
Wer als Ryanair-Kunde von einer Flugverspätung betroffen ist, kann die Teilerstattung des Tickets von darauf spezialisierten Internetportalen "eintreiben" lassen. Bildrechte: Thomas Lohnes/dapd

Das Amtsgericht Nürnberg hat die Rechte von Passagieren des Billigfliegers Ryanair gestärkt. Sie dürfen bei Verspätungen ihre Erstattungsansprüche an Flugrechtsportale abtreten. Die Richter erklärten gegenteilige Bestimmungen in den Geschäftsbedingungen von Ryanair für rechtswidrig.

Das Unternehmen hat einer Mitteilung der bayerischen Justiz zufolge seine Berufung zurückgenommen, nachdem das Landgericht Nürnberg seine Zustimmung zum Urteil der ersten Instanz hatte erkennen lassen.

Durchsetzung von Entschädigungen als Geschäftsmodell

Geklagt hatte der Fluggast-Sofortentschädiger "EUflight.de" aus Hamburg. Er kauft regelmäßig mögliche Entschädigungsansprüche von Passagieren an und setzt sie dann auf eigene Rechnung durch. Andere Portale vertreten gegen eine pauschale Provision die Passagiere gegenüber den Fluggesellschaften.

Der irische Billigflieger versucht diese Unternehmen möglichst von Entschädigungen auszuschließen und hält ihnen vor, von Kunden überhöhte Preise für ihre Dienstleistungen zu verlangen. Zunächst hatte Ryanair in seinen Allgemeinen Geschäftsbedingungen (AGB) eine Abtretung von Ansprüchen etwa nach Verspätungen komplett untersagt. Diese Klausel hatte vor deutschen Gerichten jedoch nicht standgehalten und Ryanair änderte seine AGB. Nun sollten Übertragungen nur an andere natürliche Personen möglich sein, die ebenfalls den verspäteten Flug genutzt hatten.

"Dreistes und kundenunfreundliches Verhalten"

Nach Auffassung der Nürnberger Richter benachteiligt auch diese Regelung die Fluggäste einseitig. Sie müssten in ihrer Entscheidung frei bleiben, ein in solchen Angelegenheiten erfahrenes Unternehmen kostenpflichtig zu beauftragen. Ryanair entstehe dadurch kein zusätzlicher Aufwand.

Thorsten Schäfer-Gümbel, Parteivorsitzender der SPD Hessen (2.v.r.), steht bei den Mitarbeitern der Fluglinie Ryanair, die sich zu einem 24 Stunden dauernden Warnstreiks vor dem Check-in Schalter der irischen Fluggesellschaft versammelt haben.
Bei Ryanair kommt es durch Streiks immer wieder zu Flugausfällen und -verspätungen. Bildrechte: dpa

Der Geschäftsführer von "EUflight.de" warf Ryanair "dreistes und kundenunfreundliches Verhalten" vor. EUflight habe aber von bislang mehr als 800 Verfahren gegen die Airline erst vier verloren. Ryanair äußerte sich zunächst nicht zu dem rechtskräftigen Urteil.

Die Billigfluggesellschaft hat zurzeit mit Streiks zu kämpfen und kündigte für diesen Freitag die Streichung von 190 Flügen an.

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL RADIO | 25. September 2018 | 16:00 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 26. September 2018, 07:33 Uhr

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