Arbeitsrecht Dürfen Arbeitnehmer bei Sturm zu Hause bleiben?

Züge fallen aus, Bahnstrecken und Straßen sind gesperrt: Der Sturm "Sabine" macht es Berufstätigen schwer zur Arbeit zu kommen. Dürfen sie deshalb zu Hause bleiben? Wie die Regeln lauten und welche Ausnahmen es gibt.

Bleiben Sie nach Möglichkeit zu Hause! Dazu rieten die Meteorologen noch bevor der Sturm "Sabine" über Deutschland fegte. Doch wegen Unwetters zu Hause zu bleiben, das geht für Berufstätige nicht so einfach. Arbeitnehmer sind dafür verantwortlich, pünktlich bei der Arbeit zu sein. Auch an stürmischen Tagen. Sie tragen das sogenannte Wegerisiko.

Ohne Arbeit keinen Lohn

Wenn der Arbeitnehmer aufgrund der Witterung zu spät zur Arbeit erscheint, hat er für die Zeit, in der er nicht gearbeitet hat, auch keinen Anspruch auf Lohn, erklärt der Deutsche Gewerkschaftsbund. Er müsse die ausgefallenen Stunden grundsätzlich auch nicht nachholen.  

Anders ist es, wenn beim Arbeitgeber ein Überstundenkonto geführt wird, die ausgefallenen Stunden werden dann als Minusstunden verbucht und können entsprechend zu einer späteren Zeit nachgeholt werden.

Keine Nachhol-Pflicht Der Arbeitgeber kann niemanden zwingen, die morgens ausgefallenen Stunden abends dranzuhängen.

Überstunden in Deutschland zu wenig bezahlt
Überstunden können abgeleistet werden, das ist aber keine Pflicht. Bildrechte: colourbox

Der Arbeitgeber muss nur in wenigen Ausnahmefällen trotz fehlender Arbeit den Lohn weiter zahlen. Und zwar dann, wenn der Arbeitnehmer aus einem "subjektiven Grund" nicht pünktlich bei der Arbeit erscheint – also einem Grund, der nur ihn und nicht auch alle anderen betrifft, wie das bei Sturm oder Glatteis der Fall ist.

Ein Beispiel: Kindergarten oder Schule werden wegen der Witterung geschlossen und der Arbeitnehmer findet keine andere Betreuungsmöglichkeit. Dann bestünde zumindest für einige Tage Anspruch auf Weiterzahlung des Lohns (§ 616 BGB). Dieser Anspruch kann im Arbeits- oder Tarifvertrag allerdings beschränkt oder ausgeschlossen werden.

Bei Sturm und Starkregen steigt die Unfallgefahr

Wenn Bus und Bahn ausfallen, weichen viele auf das Auto aus. Doch: Je stärker der Wind, desto schwieriger wird es, das eigene Fahrzeug unter Kontrolle zu halten. Der ADAC rät, ab Windstärke 10 (89 bis 102 km/h) sein Auto oder Motorrad ganz stehen zu lassen.

Wer dennoch fahren muss, hat ein höheres Unfall-Risiko. Rechtlich gilt hier das, was auch sonst bei Wegen von und zur Arbeit gilt: Wenn sich der Unfall auf dem direkten Weg zur Arbeit ereignet hat, ist es ein Arbeitsunfall und die Behandlungskosten werden von der Berufsgenossenschaft übernommen. Diese zahlt gegebenenfalls auch eine Verletztenrente. 

Dabei ist grundsätzlich nur der direkte Weg von und zur Arbeit vom Versicherungsschutz der Unfallversicherung umfasst. Bei Schnee und Glatteis aber sind unter Umständen auch Umwege mitversichert, die erforderlich werden, weil der übliche Weg zur Arbeit unpassierbar oder zu gefährlich ist.

Abmahnung wegen Zuspätkommens?

Eine Abmahnung darf nur wegen eines "vorwerfbaren Verhaltens" ausgesprochen werden. Wenn jemand wegen eines kurzfristigen Wintereinbruchs oder Verkehrschaos zu spät kommt, wäre sicher nicht zu rechtfertigen ihn dafür abzumahnen.

Eine Frau mit Regenschirm kämpft mit dem Gegenwind.
Arbeitnehmer müssen sich auf widrige Bedingungen einstellen. Bildrechte: IMAGO

Allerdings wird vom Arbeitnehmer grundsätzlich erwartet, sich auf die Witterungssituation einzustellen und entsprechend mehr Zeit einzuplanen. Wer also mehrmals nacheinander angibt wegen des Wetters zu spät zu kommen, könnte eine Abmahnung kriegen.

Auch "höhere Gewalt" schließt eine Abmahnung aus. Aber: Nicht jede Wetterkapriole zählt da gleich hinein. Davon kann man erst sprechen, wenn etwa der Deutsche Wetterdienst die Bevölkerung auffordert, wegen Überschwemmungen oder Eisglätte nicht auf die Straße zu gehen. Solche Ereignisse, gegen die sich kein Arbeitnehmer wappnen kann, führen nicht zu einer Abmahnung.

Arbeitsausfall wegen schlechter Witterung

In Ausnahmefällen kann ein Sturm auch dafür sorgen, dass die Arbeit überhaupt nicht stattfinden kann. Dann geht es nicht mehr um das Wegerisiko, sondern das allgemeine Betriebsrisiko – das liegt beim Arbeitgeber. Für den Arbeitnehmer heißt das, dass er seinen Lohn weiter erhält, auch wenn er nicht arbeitet. 

Unter Umständen kann aber die Bundesagentur für Arbeit mit Kurzarbeitergeld einspringen, im traditionell saisonabhängigen Baugewerbe besteht zudem Anspruch auf Saisonkurzarbeitergeld.

Dieses Thema im Programm: MDR FERNSEHEN | MDR um 4 | 10. Februar 2020 | 17:00 Uhr