Das müssen Sie wissen Sturmschäden: Wer übernimmt die Kosten?

Bäume sind umgestürzt, Dächer wurden abgedeckt – der Sturm "Sabine" hat erhebliche Schäden angerichtet. Wir haben die wichtigsten Tipps, was Sie jetzt tun sollten, um nicht auf den Kosten sitzen zu bleiben.

Ein Feuerwehrmann steht auf einer Leiter und richtet Dachziegel nach Sturmschäden.
Bildrechte: MDR/News5/Ittig

Sturmschäden schnell der Versicherung melden

Wer schnell handelt, kann sich Hoffnungen machen, auch schnell Geld von den Versicherungen zu bekommen. Wie Betroffene vorgehen sollten, erklärt die Verbraucherzentrale in mehreren Schritten.

1. Dokumentieren: Egal, was genau beschädigt worden ist, machen Sie Fotos davon oder besser noch Videos, um den Versicherern alles genau belegen zu können.

2. Schaden mindern: Wurden Ziegel vom Dach geweht, sollten Hausbesitzer dieses übergangsweise abdichten. Ist der Keller mit Wasser vollgelaufen, können Sie mit dem Ausschöpfen beginnen. Aber kaputte Gegenstände sollten Sie erst nach Rücksprache mit dem Versicherer entsorgen.

3. Schadensliste erstellen: Unmittelbar nach dem Schadensfall sollte eine vollständige Liste aller zerstörten oder beschädigten Gegenstände erstellt werden. Falls vorhanden, Einkaufsbelege beifügen. Anderenfalls sollte der Zeitpunkt der Anschaffung und der ungefähre Neupreis aufgeschrieben werden.

4. Beim Versicherer melden: Kontaktieren Sie den Versicherer bestenfalls schriftlich. Wenn Sie telefonieren müssen, dann vor Zeugen. Welche Versicherung für welchen Schaden zuständig ist, erklären wir weiter unten im Text.

Oft wird der Versicherer einen "Regulierer" vorbeischicken, der sich den Schaden anschaut. Versicherungsnehmer sollten wissen, dass dieser kein unabhängiger Gutachter ist, sondern vom Versicherer bezahlt wird und dessen Interessen vertritt.

5. Auf Abschlagszahlung drängen
Betroffene sollten sich mit der Schadensregulierung nicht vertrösten lassen. Wenn alle Unterlagen vorgelegt sind, kann spätestens einen Monat nach Schadensanzeige eine Abschlagszahlung verlangt werden.

Welche Versicherung zahlt wofür?

Ein Windsack steht fast horizontal in der Luft und zeigt somit recht starken Wind an.
Die Windgeschwindigkeit erreichte bis zu 171 km/h in Mitteldeutschland. Bildrechte: dpa

Für Sturmschäden kommen verschiedene Versicherungen auf, allerdings erst, wenn sie den Sturm auch als Sturm anerkennen. Das ist ab Windstärke 8 der Fall, also einer Windgeschwindigkeit ab 62 Stundenkilometern. Da "Sabine" mit bis zu 100 Stundenkilometern durch Mitteldeutschland gefegt ist, dürfte die Anerkennung in diesem Fall kein Problem sein.

Hat der Sturm beispielsweise Ziegel und Dachpappe heruntergeweht, müssen Sie die Windstärke ohnehin oft nicht nachweisen. Häufig genügt, dass es vorher eine offizielle Sturmwarnung gegeben hat und auch Häuser in der Nachbarschaft beschädigt worden sind.

Hausrat muss drinnen gewesen sein

Wurde Hausrat beschädigt, ist die Hausratversicherung zuständig. Allerdings zahlt sie nur, wenn die Gegenstände während der Böen in einem Gebäude untergebracht waren. Eine Ausnahme bilden Antennen und Markisen, die außen an einem Gebäude angebracht sind und einem Mieter gehören.

Schäden am Auto: Kein Geld bei höherer Gewalt

Stürzt ein Baum durch den Sturm auf ein Auto, tritt die Teilkaskoversicherung für den Schaden ein. Wenn allerdings ein Baum auf die Fahrbahn stürzt und ein Auto auffährt, da es nicht mehr rechtzeitig bremsen kann, haftet die Vollkaskoversicherung.

Ein Baum liegt auf der Straße.
Das Sturmtief hat zahlreiche Bäume umstürzen lassen. Bildrechte: TNN

Ist ein nachweislich morscher Baum umgestürzt, muss der Baumbesitzer für den Schaden aufkommen. Das ist im Einzelfall allerdings oft schlecht nachzuweisen. Ist ein gesunder Baum umgefallen, gilt dies als "höhere Gewalt" ‒ und der Eigentümer haftet nicht.

Hat der Sturm Gegenstände auf ein parkendes Auto geschleudert, ist die Teilkasko des Autohalters in der Zahlungspflicht. Allerdings gibt es dabei oft eine Selbstbeteiligung, die von der Entschädigungssumme noch abgezogen wird.

Überschwemmungen sind mitversichert

Bei der Kfz-Teilkaskoversicherung sind auch Schäden durch Überschwemmungen mitversichert. Inwieweit Fahrzeugteile oder sonstiges Zubehör mitversichert sind, variiert je nach Gesellschaft.

Achtung Wer trotz polizeilicher Warnung sein Auto in einem durch Hochwasser gefährdeten Gebiet abstellt oder auch nur dort hinfährt, der riskiert, dass der Versicherer nur einen Teil des Schadens trägt oder sich ganz verweigert.

Schäden durch Regen

"Sabine" hat nicht nur Sturmböen, sondern auch Starkregen nach Deutschland gebracht. Wenn dadurch nun der Keller unter Wasser steht, hilft die Gebäudeversicherung nicht weiter - sie haftet nicht für Schäden durch eindringendes Wasser. Betroffene brauchen eine Police gegen Elementarschäden.
Die deckt auch ab:

  • Schäden durch Erdbeben
  • Schäden durch Erdsenkung
  • Schäden durch Erdrutsch
  • Schäden durch Schneedruck und Lawinen

Bei diesem Zusatzschutz wird zumeist eine Selbstbeteiligung vereinbart – häufig in Höhe von zehn Prozent der Schadenssumme.

Hausratversicherungen aus DDR-Zeiten Bestehen diese noch unverändert, gewähren sie den Schutz gegen Elementarschäden nach wie vor. Diese alten DDR-Policen wurden von der Allianz Versicherung übernommen und häufig auf neue Bedingungen ohne eingeschlossenen Elementarschutz umgestellt.

Schäden durch Blitzschlag

Schlägt der Blitz direkt in ein Haus ein, kommt der Gebäudeversicherer dafür auf. Schäden durch Überspannung, Überstrom oder Kurzschluss sind nur dann abgedeckt, wenn eine sogenannte Überspannungsklausel vereinbart wurde. Das gilt ebenso für die Hausratversicherung.

Schäden durch Hagel

In der Nacht zum Montag gab es auch starke Hagelfälle - beispielsweise in Chemnitz. Für Schäden am Haus tritt der Gebäudeversicherer ein. Trifft es Autos, haftet die Teilkaskoversicherung.

Dieses Thema im Programm: MDR FERNSEHEN | MDR um 4 | 10. Februar 2020 | 17:00 Uhr