Nach Pleite Thomas-Cook-Kunden können jetzt online Erstattung beantragen

Viele Reisende blieben nach der Thomas-Cook-Pleite auf ihren Kosten sitzen. Der Bund hat deshalb zugesagt, Kunden zu entschädigen, für Pauschalreisen, die sie nicht antreten konnten oder abbrechen mussten. Ab sofort können betroffene Urlauber die Rückerstattung online beantragen.

Kunden des insolventen Reiseveranstalters Thomas Cook können seit Mittwoch online eine Erstattung vom Bund beantragen. Bundesjustizministerin Christine Lambrecht (SPD) sagte der Tagesschau: "Wir werden den Kundinnen und Kunden, die Schäden erlitten haben, aus Gründen des Vertrauensschutzes freiwillig die Differenz zwischen ihren Zahlungen und dem, was sie von anderer Seite zurückerhalten haben, ausgleichen." Allerdings könnte die Auszahlung Monate dauern. Man müsse jeden Einzelfall prüfen, um Missbrauch zu verhindern. Für die jetzt anstehende freiwillige Entschädigung stellt der Bund 225 Millionen Euro bereit.

Insolvenzversicherung übernahm nur Bruchteil

Die deutsche Thomas Cook war durch die Pleite des britischen Mutterkonzerns in die Krise gerutscht und hatte Ende September Insolvenz angemeldet. Die Bundesregierung hatte im Dezember angekündigt, die Kunden zu entschädigen, weil die Insolvenzversicherung von Thomas Cook nur eine Summe bis 110 Millionen Euro abdeckte. Der Schaden war aber weitaus höher, auch weil die Rückholaktion aus diesem Topf finanziert worden war. Der zuständige Versicherer Zurich kommt deshalb nicht für alle geltend gemachten Ansprüche auf. Die betroffenen Kunden erhalten nur 17,5 Prozent des Reisepreises zurück. Die Zurich-Versicherung hat nach eigenen Angaben bislang mehr als 80 Prozent der Fälle bearbeitet.

Hintergrund ist, dass Pauschalreisen nach einer EU-Richtlinie gesetzlich verpflichtend mit einem sogenannten Sicherungsschein gegen eine Insolvenz des Reiseanbieters abgesichert sind. Allerdings hat die Bundesregierung diese Absicherung bislang auf 110 Millionen Euro pro Versicherungsunternehmen begrenzt. Deshalb springt nun die Bundesregierung für die Entschädigung der Thomas-Cook-Kunden ein.

Diese Voraussetzungen müssen Kunden erfüllen

Voraussetzung für eine Zahlung vom Staat ist laut Bundesjustizministerium, dass die Betroffenen ihre Ansprüche bereits bei der Zurich-Versicherung und beim Insolvenzverwalter angemeldet haben. Übernommen werden dann nur noch die nicht erstatteten Kosten. Wer insolvenzbedingt zusätzlich zum Reisevertrag Ausgaben für Verpflegung, Unterkunft oder Transport hatte, kann sich diesen Betrag ebenfalls erstatten lassen.

Seit dem 6. Mai 2020 steht ein kostenfreies, online-basiertes Anmeldeverfahren zur Verfügung, um die freiwillige Ausgleichszahlung der Bundesregierung in Anspruch nehmen zu können.

Bundesjustizministerium

Je nachdem, über welche Thomas-Cook-Tochter die Reise gebucht worden war, steht ein eigenes Online-Portal zu Verfügung. Die betroffenen Pauschalreise-Kunden müssen sich dort registrieren, um die Entschädigung zu beantragen. Dazu müssen auch Daten und Belege hochgeladen und bereits erhaltene Leistungen eintragen werden, damit der Antrag geprüft werden kann.

Die Bundesregierung betont, dass es keinen Rechtsanspruch auf die Entschädigung gibt und es sich um eine freiwillige Ausgleichszahlung handelt. Weil ein großer Andrang erwartet wird, könne es vereinzelt zu Verzögerungen bei der Bearbeitung kommen, heißt es von Seite des Ministeriums.

Kritik an Online-Verfahren

Dass der Bund die Erstattungen nun in Angriff nimmt, findet Zustimmung bei den Verbraucherschützern. Der Bundesverband der Verbraucherzentralen kritisiert allerdings, dass das Verfahren nur online möglich ist. Gerade für ältere Menschen könne das eine Hürde darstellen. Vor allem aber müsste die Insolvenzabsicherung für Pauschalreisen nun auf rechtssichere Füße gesetzt werden. "In Zukunft darf es nicht mehr passieren, dass Kunden um ihr Geld bangen und die Steuerzahler einspringen müssen", sagte Felix Methmann vom Bundesverband im Gespräch mit dem ARD-Hauptstadtstudio.

Weitere Informationen gibt es auf der Seite des Bundesjustizministeriums:

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL RADIO | 06. Mai 2020 | 09:30 Uhr