Foodwatch-Studie Lebensmittel-Ampel überzeugt Verbraucher

Übergewicht und Diabetes sind zunehmend ein Problem. Großen Einfluss auf die Gesundheit hat die Ernährung. Verbraucherschützer fordern immer wieder eine Ampel-Kennzeichnung für Lebensmittel. Nun bestätigt auch eine Studie: Der fünfstufige "Nutri-Score" ist für Verbraucher schnell erfassbar und erleichtert die Auswahl gesunder Lebensmittel. Ein erst kürzlich von Bundesernährungsministerin Klöckner vorgestelltes Label fiel dagegen durch.

Kennzeichnung von Lebensmitteln 2 min
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Der fünfstufige "Nutri-Score" zur Kennzeichnung von Lebensmitteln findet bei Verbrauchern hohe Zustimmung. Zu dem Ergebnis kommt eine repräsentative Umfrage der forsa Politik- und Sozialforschung GmbH. Im Vergleich zur alternativen Kennzeichnung "Wegweiser Ernährung" werteten die Befragten den "Nutri-Score" unter anderem als deutlich verständlicher und als auffallender.

"Nutri-Score" und "Wegweiser Ernährung" Beiden Kennzeichnungssystemen gemeinsam ist, dass sie aus gesünderen und ungesünderen Inhaltsstoffen des jeweiligen Lebensmittels einen Gesamtpunktwert errechnen.

Der "Nutri-Score" unterteilt sich in fünf farblich markierte Stufen mit den Buchstaben A bis E: Ein dunkelgrünes A steht für gesundheitlich sehr günstig, ein gelbes C für mittelmäßig günstig und ein rotes E für sehr ungünstig. In Frankreich und Belgien wird diese Kennzeichnung bereits genutzt.

Der "Wegweiser Ernährung" vergibt einem Produkt bis zu fünf Sterne, je besser die Bewertung ist. Rechts daneben wird zudem angezeigt, wie hoch der Anteil einzelner ungesunder Inhaltsstoffe pro 100 Gramm ist - bei einem geringen Anteil wird das Feld dunkel eingefärbt. Das Modell hatte das Max Rubner-Institut im Auftrag von Bundesernährungsministerin Julia Klöckner im Frühjahr 2019 entwickelt.

Die Kennzeichnungen "Nutri-Score" und "Wegweiser Ernährung" auf einer Müsli-Packung
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Die rund 1.000 repräsentativ ausgewählten Befragten bekamen die beiden Kennzeichnungssysteme jeweils isoliert und dann beispielhaft an drei Produktverpackungen gezeigt. Beiden sollten sie dann verschiedene Eigenschaften zuordnen, etwa wie auffallend die jeweilige Kennzeichnung ist, wie schnell erfassbar, inwiefern sie sich von anderen Siegeln abhebt und ob sie die Auswahl gesunder Lebensmittel erleichtern.

"Wegweiser Ernährung" überzeugt nur in einer Kategorie

Während die meisten Befragten den "Wegweiser Ernährung" als kompliziert und verwirrend einstuften, konnte der "Nutri-Score" in den positiven Kategorien klar punkten.

Umfrage Auffälligkeit Lebensmittel-Kennzeichnung
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90 Prozent werteten ihn als auffallend, 78 Prozent als leicht verständlich. Beim "Wegweiser Ernährung" lagen hier die Werte unter zehn Prozent.

Einzig bei der Frage "liefert genügend Informationen" konnte der "Wegweiser Ernährung" mit 50 Prozent Zustimmung gegenüber dem "Nutri-Score" (32 Prozent) hervorstechen. Allerdings maßen die Befragten dieser Kategorie weniger Relevanz bei als etwa der Verständlichkeit und der Farbgestaltung.

Unterschiede nach Bildungsabschluss und Körpergewicht

In einer genaueren Betrachtung unterteilten die Forscher zudem die Antworten nach Geschlecht, Alter, Bildungsabschluss und Body-Mass-Index der Befragten. So werteten die Befragten nicht nur insgesamt, dass der "Nutri-Score" die Auswahl gesunder Lebensmittel erleichtere. Bei Menschen mit Hauptschulabschluss war hier die Zustimmung mit 66 Prozent deutlich über der von Befragten mit Abitur (53 Prozent).

Grafik zur Umfrage Lebensmittel-Kennzeichnungen
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Auch Befragte mit starkem Übergewicht stimmten in dem Punkt zu 68 Prozent zu. Bei Normalgewichtigen lag der Wert bei 56 Prozent. Ebenso stieg die Zustimmung mit zunehmendem Alter.

Neben der Verbraucherorganisation Foodwatch zählten zu den Auftraggebern der Befragung auch die Deutsche Diabetes Gesellschaft, der Berufsverband der Kinder- und Jugendärzte und die Deutsche Adipositas-Gesellschaft.

Forderung nach schnellstmöglicher Ampel-Einführung

Die Organisationen forderten Bundesernährungsministerin Julia Klöckner angesichts der Umfrageergebnisse auf, den "Nutri-Score" schnellstmöglich einzuführen. Schon zuvor habe die Nährwert-Ampel in über 35 wissenschaftlichen Studien ihre Wirksamkeit bewiesen, sagte Barbara Bitzer, Geschäftsführerin der Deutschen Diabetes Gesellschaft.

Den von Klöckner angestoßenen "Wegweiser Ernährung" kritisierte Bitzer dagegen deutlich. "Ein Label, das die Mehrheit der Menschen als verwirrend empfindet, ist wissenschaftlich nicht akzeptabel", erklärte Bitzer.

Prof. Dr. Hans Hauner, Vorsitzender der Deutschen Diabetes Stiftung und Beiratsmitglied der Deutschen Adipositas-Gesellschaft, betonte: "Die Umfrage zeigt klar, dass der 'Nutri-Score' genau das liefert, was die Menschen erwarten - eine schnelle, verständliche Orientierung beim Einkauf."

Klage gegen Bundesernährungsministerium

Schon zuvor hatte Foodwatch Bundesernährungsministerin Julia Klöckner im Zusammenhang mit der Kennzeichnung von Lebensmitteln scharf kritisiert. Foodwatch forderte die CDU-Politikerin zur Offenlegung einer wissenschaftlichen Studie auf, die dem "Nutri-Score" eine besonders hohe Verständlichkeit attestieren soll. Ende Juli reichte Foodwatch vor dem Kölner Verwaltungsgericht Klage gegen das Ministerium ein.

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL RADIO | 14. August 2019 | 12:00 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 14. August 2019, 19:37 Uhr