Gesünder einkaufen Wie sollen gute Lebensmittel gekennzeichnet werden?

Eine neue Kennzeichnung für Lebensmittel soll gesunde Ernährung leichter machen. Zur Auswahl stehen vier Modelle, über die Verbraucher abstimmen durften. Am Montag wird in Berlin das Ergebnis der Umfrage vorgestellt. Vier Modelle stehen zur Debatte.

Der sogenannte «Nutri-Score», eine farbliche Nährwertkennzeichnung, auf einem Fertigprodukt.
Deutschland sucht die Lebensmittelampel: Am Montag stellt Bundesernährungsministerin Julia Klöckner das Ergebnis einer Verbraucherbefragung vor. Bildrechte: dpa

Damit gesunde Ernährung leichter wird, soll bald ein neues Logo für Müslis, Joghurts oder Tiefkühlkost kommen. Doch welches? Am Montag legt Bundesernährungsministerin Julia Klöckner (CDU) das Ergebnis einer offiziellen Verbraucherbefragung vor. Untersucht wurden vier Modelle für eine Kennzeichnung von Zucker, Fett und Salz in vielen Lebensmitteln, darunter das aus Frankreich stammende System Nutri-Score.

Foodwatch empfiehlt "Nutri-Score"

Die farbige Nutri-Score-"Ampel" wird von Verbraucherschützern, Ärzten und von der SPD bereits offen favorisiert. Doch was, wenn die Ergebnisse der Befragung nicht eindeutig ausfallen? Befürworter des Nutri-Score legen nach: "Anreize für ausgewogenere Lebensmittel schaffen und ein gesünderes Einkaufsverhalten ermöglichen - wenn das die Ziele sind, ist die Nutri-Score-Ampel die Kennzeichnung der Wahl", sagt Luise Molling von der Verbraucherorganisation Foodwatch.

Diese Effekte hätten zahlreiche wissenschaftliche Studien belegt, was Klöckner nicht einfach beiseite wischen dürfe. Eine Meinungsumfrage dürfe daher nicht die einzige Basis einer politischen Entscheidung sein, sagt Molling.

Symbolbild Nutri-Score 1 min
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Vier Modelle stehen zur Wahl

Seit Mitte Juli hatten Meinungsforscher in Gruppengesprächen und dann in der Umfrage mit 1.600 Teilnehmern getestet, wie die vier Modelle bei Verbrauchern ankommen. Die Befragung wird von dem unabhängigen Markt- und Meinungsforschungsinstitut INFO GmbH durchgeführt.

Klöckner hat klargemacht, dass das Ergebnis für sie "maßgeblich" sei - und die Basis dafür, welches Modell die Bundesregierung zur freiwilligen Nutzung auf der Vorderseite der Packungen empfehle. Das Logo soll die EU-weit verpflichtende Nährwerttabelle, die meist auf der Rückseite und ziemlich kleingedruckt Angaben zu Zucker, Fett und Salz auflistet, ergänzen. Dabei fällt die Entscheidung zwischen diesen vier Modellen:

Nutri-Score

Der in Frankreich entwickelte Nutri-Score besteht aus fünf Buchstaben (alphabetisch von A–E), die zusätzlich nach dem Ampelsystem abstufend farblich markiert sind (grün, hellgrün, gelb, orange, rot). Die Ampel soll, im Gegensatz zu herkömmlichen Nährwert-Angaben, auf der Vorderseite der Packung aufgedruckt sein.

Wie ausgewogen ein Lebensmittel ist, ergibt sich aus einer Rechnung: Ungünstige Nährwertelemente wie etwa Zucker oder gesättigte Fettsäuren bekommen, auf hundert Gramm gerechnet, Pluspunkte. Positive Nährwertelemente bekommen hingegen Minuspunkte und werden von den Pluspunkten abgezogen. Je niedriger der Score also ist (A und B), desto eher eignet sich das Lebensmittel für einen gesunden Lebensstil und zum täglichen Verzehr.

Keyhole-Modell

Das "Keyhole"-Logo zeigt ein grünes Schlüsselloch und ist vor allem in skandinavischen Ländern verbreitet. Die schwedische Lebensmittelbehörde hat das Logo vor etwa 30 Jahren entwickelt. Als reine Positivkennzeichnung kommt es nur auf Produkte, die sich durch eine insgesamt ausgewogene Nährstoffbilanz auszeichnen. Ungesunden Lebensmitteln fehlt der Aufdruck gänzlich.

Wirtschafts-Modell

Das Wirtschafts-Modell, das der Spitzenverband der Lebensmittelwirtschaft vorgelegt hat, existiert bisher nur in der Theorie. Fünf Tortendiagramme zeigen Informationen über Kalorien, gesättigte sowie ungesättigte Fettsäuren, Zucker und Salz pro 100 Gramm. Eine hervorgehobene Fläche in jedem Kreis zeigt an, wie viel Prozent der täglichen Zufuhr der Verzehr von 100 Gramm bedeutet - je mehr, desto größer färbt sich die Fläche in lila oder hellblau.

MRI-Modell "Wegweiser Ernährung"

Das bundeseigene Max-Rubner-Institut (MRI) hat im Auftrag des Ministeriums ein weiteres System entwickelt: Das "MRI-Modell" zeigt Salz, Zucker und Fett je 100 Gramm in separaten Waben an. Bei niedrigem Gehalt sind die Felder jeweils blaugrün gefärbt. Daneben zeigt eine große Wabe eine Gesamtbewertung. Je günstiger sie ausfällt, desto mehr von fünf Flächen haben einen schwarzen Stern und sind blaugrün ausgefüllt.

Die Kennzeichnungen "Nutri-Score" und "Wegweiser Ernährung" auf einer Müsli-Packung
"Nutri-Score" oder "Wegweiser Ernährung"? Die Kennzeichnungen im Vergleich. Bildrechte: Foodwatch

Welche Länder setzen Nährwert-Ampeln bereits ein?

Länder wie Frankreich und Belgien setzen den Nutri-Score bereits auf freiwilliger Basis ein, auch in Großbritannien gibt es seit 2013 eine Nährwert-Ampel. Weitere Länder arbeiten an der Umsetzung, so etwa Spanien und die Schweiz. Schon seit über zehn Jahren wird in der EU über das Thema gestritten. Die Einführung einer europaweit geltenden Kennzeichnung scheiterte 2010 am Widerstand der Lobby der Lebensmittelhersteller.

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL RADIO | 30. September 2019 | 10:55 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 30. September 2019, 05:00 Uhr

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