Roaming in EU Versteckte Gebühren bei Roaming-Nutzung im Ausland

Seit 2017 regelt die Roaming-Verordnung der Europäischen Union, dass man sein Handy im Ausland genauso nutzen kann wie zu Hause. Aber es gibt auch einige Besonderheiten, auf die man achten sollte.

von Theresa Liebig, MDR AKTUELL

Ein Android-Smarthphone liegt auf Geldscheinen und -münzen.
Roaming ermöglicht, dass man sein Handy ganz normal im EU-Ausland nutzen kann. Doch es gibt Tücken. Bildrechte: MDR/IMAGO

Vor Kurzem habe ich eine Woche in Österreich verbracht und sofort nach meiner Ankunft eine SMS meines Mobilfunkanbieters bekommen, die mich über den Tarif in Österreich informierte: "Sie zahlen für Gespräche innerhalb des Landes und nach Deutschland 75 Cent pro Anruf plus 19 Cent pro Minute, SMS 10 Cent."

Als ich nach meiner Reise auf meine Handyrechnung schaute, sind knapp 30 Cent abgerechnet worden für SMS. 30 Cent sind zwar nicht viel – aber es ist trotzdem verwunderlich, dass ich für SMS innerhalb Deutschlands eine Flatrate nutze, im EU-Ausland aber pro SMS bezahlen muss.

Sonderverträge müssen umgestellt werden

Das überrascht auch Ralf Reichertz von der Verbraucherzentrale Thüringen. Denn normalerweise müsste der Anbieter automatisch auf die Roaming-Regelung umstellen, sodass keine Extrakosten entstehen.

Es gebe allerdings eine Ausnahme, sagt der Verbraucherschützer. Wer schon vorab einen Sondervertrag für Roaming-Gebühren hatte, müsse sich noch einmal bei seinem Netzbetreiber erkundigen und eben diesen Vertrag nochmals besprechen. "Wobei man sowieso jedem raten sollte, bevor es ins Ausland geht, mit dem Netzbetreiber gesprochen zu haben, wie die Einstellungen konkret sind", erklärt Reichertz.

Und tatsächlich: In einigen Verträgen, beispielsweise bei O2, gibt es die Option, auch außerhalb der EU, zum Beispiel in Australien oder in der Schweiz, Roaming zu nutzen. Diese Option haben auch andere Anbieter vor 2017 angeboten, allerdings wurden die Verträge dann automatisch umgestellt, als die EU-Regelung in Kraft trat.

Anbieter O2 bildet Ausnahme

Bei O2 war es anders: Wer Roaming nutzen möchte, muss das O2 mitteilen. Ein Interview wollte bei dem Netzbetreiber niemand führen, in einem Statement heißt es: "Postpaid-Kunden mit individuellen Roaming-Lösungen können entscheiden, ob sie auf Roam-like-at-home umstellen oder lieber ihr bisheriges alternatives Roaming-Tarifmodell beibehalten möchten. Dies haben wir im Jahr 2017 unseren Kunden über verschiedene Wege mitgeteilt."

Man habe mehrere Monate lang darauf hingewiesen, heißt es im Schreiben. Desweiteren würden O2-Kunden bei einer Grenzüberschreitung einen Hinweis per SMS bekommen, der über die Tarifveränderung informiere.

Diese Informations-SMS habe ich auch bekommen. Dass ich seit Jahren eine extra Roaming-Option nutze, wusste ich nicht – und ich bin nicht die Einzige.

Verbraucher-Klage gegen O2

Alexander Kuch ist Redakteur beim Telekommunikationsmagazin "teltarif.de" und sagt, allein in dieser Sache habe es bei ihnen etwa 40 Beschwerden seit 2017 gegeben. Man beobachte, dass die meisten Kunden erwartet hätten, dass der eigene Vertrag auf EU-Roaming umgestellt wird.

Es könne zwar sein, dass einige Kunden lieber die andere Regelung nutzen, aber O2 hätte bei seinen Kunden auch nicht nachgefragt, sagt Alexander Kuch. Deshalb würde O2 jetzt auch vom Bundesverband der Verbraucherzentrale vor dem Landesgericht München verklagt werden. Denn der Netzbetreiber hätte keine Umstellung vorgenommen, obwohl sie es aus Sicht der Verbraucherschützer hätten machen müssen, sagt Kuch.

Das Landgericht München hat die Entscheidung an den Europäischen Gerichtshof weitergegeben. Ein Urteil steht noch aus. Bis dahin sollten O2-Kunden nachsehen, welche Roaming-Regelung sie nutzen. Und ihrem Anbieter mitteilen, wenn sie EU-Roaming künftig nutzen wollen.

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL RADIO | 15. Oktober 2019 | 05:00 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 15. Oktober 2019, 05:00 Uhr

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