Fahrkartenkontrolleur bei der Aufnahme der Personalien
Für Schwarzfahren lässt das Gesetz eine Freiheitsstrafe von bis zu einem Jahr zu. Meist kommt es jedoch nur zu einer Geldstrafe. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Fragen & Antworten Wann ist Schwarzfahren eine Straftat?

Schwarzfahren ist in Deutschland eine Straftat - und kann mit einer Geld- oder sogar Gefängnisstrafe geahndet werden. Das wollen die Linke und die Grünen ändern und aus der Straftat eine Ordnungswidrigkeit machen. Wir werfen einen Blick auf die aktuelle Rechtslage.

Fahrkartenkontrolleur bei der Aufnahme der Personalien
Für Schwarzfahren lässt das Gesetz eine Freiheitsstrafe von bis zu einem Jahr zu. Meist kommt es jedoch nur zu einer Geldstrafe. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Schwarzfahrer kosten viel Geld: Zum einen entgehen den Verkehrsbetrieben Einnahmen, die daraus resultierenden Verluste werden auf die Ticketpreise umgelegt. Zum anderen kosten Schwarzfahrer aber auch den Steuerzahler viel Geld. Kosten von 15 Millionen Euro entstehen der Justiz jährlich, weil Menschen im Gefängnis landen, die eine Geldstrafe wegen Schwarzfahrens nicht bezahlen können.

Wie kann man dieses Problem lösen? Die Linke und Grüne schlagen vor, Schwarzfahren nicht mehr als Straftat, sondern als Ordnungswidrigkeit einzuordnen. Als Strafe für notorisches Schwarzfahren würde dann nicht das Gefängnis drohen, sondern beispielsweise gemeinnützige Arbeit. Doch wie ist die rechtliche Situation derzeit eigentlich?

Ist ein vergessenes Ticket Schwarzfahren?

Wer ohne gültiges Ticket den öffentlichen Nahverkehr benutzt, gilt als Schwarzfahrer. Juristen sprechen von Erschleichen von Leistungen. Das ist, selbst wenn es nur um geringe Euro-Beträge geht, in Deutschland eine Straftat.

Allerdings gibt es Ausnahmen, etwa versehentliches Schwarzfahren. Wer zum Beispiel eine Monats- oder Jahreskarte besitzt, diese aber zu Hause vergessen hat, begeht keine Straftat. Gegen eine Bearbeitungsgebühr kann in so einem Fall die gültige Karte nachgereicht werden.

Hinweisschild: Beförderung nur mit gültigem Fahrausweis
Hinweisschilder an Bus und Bahn weisen Fahrgäste auf die Pflicht hin, ein gültiges Ticket mit sich zu tragen. Bildrechte: IMAGO

Auch wenn beispielsweise der Handy-Akku leer ist und deshalb bei einer Kontrolle das digitale Ticket nicht vorgezeigt werden kann oder wenn das Entwertungsgerät im Bus oder der Bahn nicht funktioniert, gilt das nicht als Schwarzfahren. Denn um den Straftatbestand zu erfüllen muss Absicht vorliegen.

Zudem muss dem Transportunternehmen ein Vermögensschaden entstehen. Das ist nicht der Fall, wenn ein gültiges Ticket vorhanden ist aber vergessen wurde, denn dann wurde die Fahrt bereits bezahlt. Nicht erfüllt wurde hingegen die Pflicht zum Mitführen vom Fahrschein. Daher muss der Fahrgast später nachweisen, dass er zu Fahrtzeit im Besitz eines Tickets war.

Was tun bei versehentlichem Schwarzfahren?

Wenn Sie ein personalisiertes Monats- oder Jahresticket vergessen haben, können Sie es innerhalb von einer Woche bei den örtlichen Verkehrsbetrieben nachreichen. Meist wird in diesem Fall eine Bearbeitungsgebühr fällig, die laut bussgeldkatalog.org bei sieben Euro liegt.

Sollte in der Bahn oder an Ihrer Haltestelle der Ticketautomat oder –entwerter nicht funktionieren, raten Experten dazu, sich Uhrzeit und Gerätenummer zu notieren oder ein Foto mit dem Handy zu machen. In der Bahn sollten Sie den Fahrer ansprechen, ob sie bei ihm ein Ticket nachlösen können. Sollte das nicht möglich sein, müssen sie rein rechtlich an der nächsten Station aussteigen und dort ein Ticket erwerben. Bleiben Sie einfach sitzen, gilt das als Schwarzfahren.

Mit welchen Strafen müssen Schwarzfahrer rechnen?

Gängig ist das sogenannte "Erhöhte Beförderungsentgelt" in Höhe von 60 Euro, das Schwarzfahrer bezahlen müssen, wenn sie erwischt wurden. Diese Regelung basiert auf Kulanz der Verkehrsunternehmen, im Grunde könnten diese auch jede Schwarzfahrt zur Anzeige bringen. Diese passiert in der Regel aber nur bei Wiederholungstätern oder wenn die Identität des Schwarzfahrers nicht festgestellt werden kann. In letzterem Fall ziehen Kontrolleure meist direkt die Polizei hinzu.

Das Gesetz lässt zwar eine Freiheitsstrafe von bis zu einem Jahr zu, doch meist kommt es nach einer Anzeige zu einer Geldstrafe. Trotzdem befinden sich dem nordrhein-westfälischem Justizminister Peter Biesenbach zufolge deutschlandweit etwa 5.000 Menschen wegen Schwarzfahrens im Gefängnis. Sie sitzen eine Ersatzfreiheitsstrafe ab, die dann ausgesprochen wird, wenn Verurteilte ihre Geldstrafe nicht begleichen können. Die Gefängnisstrafe betrifft also häufig arme und hilfsbedürftige Menschen, die sich ein Fahrticket nicht leisten können.

Wie viele Menschen fahren schwarz?

Laut dem Verband deutscher Verkehrsunternehmen (VDV) fahren in Deutschland 3,5 Prozent aller Fahrgäste im öffentlichen Nahverkehr schwarz. Bei einem deutschlandweiten jährlichen Aufkommen von 10,32 Milliarden Fahrgästen, bedeutet das mehr als 300 Millionen Schwarzfahrten pro Jahr. Den Verkehrsunternehmen entgehen dadurch laut VDV jährlich Einnahmen in Höhe von 250 Millionen Euro.

Darüber, wer schwarzfährt, hat der VDV keine Erkenntnisse. Es gibt Menschen, die einmal erwischt werden, das Bußgeld von 60 Euro bezahlen und nie wieder das Risiko eingehen. Eine Anzeige ist in so einem Fall sehr selten. Andere Menschen fahren aus unterschiedlichen Gründen notorisch ohne Ticket, laut der Linken sind bis zu 46 Prozent der erwischten Schwarzfahrer mittellos. Häufig handle es sich um Obdachlose, Suchtkranke und Überschuldete.

Dieses Thema im Programm: MDR FERNSEHEN | MDR AKTUELL | 20. April 2018 | 10:55 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 20. April 2018, 13:55 Uhr

Die Kommentierungsdauer ist abgelaufen. Der Beitrag kann deshalb nicht mehr kommentiert werden.

5 Kommentare

22.04.2018 11:46 winfried 5

@Enrico Pelocke(4) ... >>Dann verpaßt man aber seine Termine. Zeit ist kostbar.<<
Es ist eine Frage der "Güterabwägung".
Und das mit dem freien Zugang zum Bahnsteig, >> Dann wäre es auch nicht mehr möglich, jemanden zum Zug zu begleiten ... <<, dafür gab's früher eine "Bahnsteigkarte".
Übrigens, ich habe Sie im Verdacht, so wie ich zu sein --> 100% Leistung, 0% Kosten.

20.04.2018 22:03 Enrico Pelocke 4

"müssen sie rein rechtlich an der nächsten Station aussteigen und dort ein Ticket erwerben." Dann verpaßt man aber seine Termine. Zeit ist kostbar. Da es nicht die Schuld des Reisenden ist, wenn Automaten nicht funktionieren, halte ich das für nicht zumutbar.
@2: Das ist ein sehr teurer Vorschlag, alles mit Bahnsteigsperren auszustatten. Dann wäre es auch nicht mehr möglich, jemanden zum Zug zu begleiten oder was von einem Reisenden abzuholen. Wir machen das oft, daß mir ein Freund, der mit dem Zug durch meinen Wohnort fährt, während des Haltes was übergibt oder mitnimmt.

20.04.2018 18:31 Markus 3

" In der Bahn sollten Sie den Fahrer ansprechen, ob sie bei ihm ein Ticket nachlösen können. Sollte das nicht möglich sein, müssen sie rein rechtlich an der nächsten Station aussteigen und dort ein Ticket erwerben. Bleiben Sie einfach sitzen, gilt das als Schwarzfahren." - Prima! Aber wie ist es, wenn an der nächsten Station (und auch in der Station, wo man einsteigt) weder Fahrkartenautomat noch Kartenverkauf ist und Zugfahrer lehnt es ab, Fahrkarte zu verkaufen? Nächste Zug ist am nächsten Tag... So war das bei mir vor einem Jahr... Ich habe eigentlich alles mögliche gemacht, um eine Karte zu kaufen. Nur die Bahn wollte mir keine Karte verkaufen!

20.04.2018 17:20 Florian 2

Na oder über einfach Drehkreuze einbauen, so wie fast überall auf der Welt, außer bei uns

20.04.2018 16:10 Peter Finger 1

Ma sollte dieser ganzen Schwarzfahrerei ein Ende bereiten und den ÖVP kostenlos anbieten