Finger weist auf ein WhatsApp-Icon auf einem Smartphone-Display
Nachrichten aus einer größeren Whatsapp-Gruppe dürfen ohne Einschränkung weitergeleitet werden. Bildrechte: imago/wolterfoto

Privat oder öffentlich? Dürfen Whatsapp-Inhalte an Dritte weitergeleitet werden?

Ob Chatverläufe und Direktmitteilungen aus einer Whatsapp-Gruppe auch ohne Zustimmung der Betroffenen an andere Nutzer weitergeleitet werden dürfen, möchte ein MDR-Aktuell-Hörer wissen. Zuvor waren aus einer Elterngruppe eines Vereins kritische Meinungen an den Vereinsvorstand weitergeleitet worden.

von Michael Voß, MDR AKTUELL

Finger weist auf ein WhatsApp-Icon auf einem Smartphone-Display
Nachrichten aus einer größeren Whatsapp-Gruppe dürfen ohne Einschränkung weitergeleitet werden. Bildrechte: imago/wolterfoto

Der Kölner Medienrechtsanwalt Christian Solmecke meint, zunächst sei es wichtig, wie viele Personen Mitglieder einer Whatsapp-Gruppe sind. Wenn man sich im kleinen Kreis von zwei bis drei Personen befände, erklärt der Jurist, wäre eine Weiterleitung verboten. "Dann dürften die Nachrichten vom Recht auf Privatsphäre geschützt sein. Jedenfalls dann, wenn auch die beiden anderen Whatsapp-Teilnehmer keine Weiterleitung wünschen."

Der Kölner Jurist und Experte für Internetrecht Christian Solmecke.
Der Kölner Jurist und Experte für Internetrecht Christian Solmecke. Bildrechte: Christian Solmecke

Ganz anders sieht es allerdings aus, wenn es sich um eine größere Gruppe handelt. Die könne nämlich als Öffentlichkeit angesehen werden. In diesem Fall sei es auch möglich, solche bereits öffentlich gemachten Nachrichten auch noch anderen zuzuleiten.

Zusammengefasst: Bei mehr als drei Mitgliedern ist für den Juristen das Weiterleiten einer Nachricht aus einer Whatsapp-Gruppe möglich.

Wie sieht es bei Facebook aus?

Ähnlich ist es übrigens auch bei Facebook, erklärt Christian Solmecke: "Hier haben die Gerichte schon in der Vergangenheit häufiger festgestellt, dass solche Facebookgruppen eine Öffentlichkeit darstellen." Wenn eine Nachricht einmal öffentlich gepostet worden sei, dann dürfe sie auch weiterverbreitet werden.

Diese Funktion sehe Facebook auch explizit vor. Deshalb müsse sich der Nutzer darüber im Klaren sein, dass seine Kommentare oder Anmerkungen mit nur einem Klick auch Menschen außerhalb der Gruppe zugänglich gemacht werden können.

Anders sei es allerdings bei privaten Nachrichten, die via Facebook verschickt werden, erklärt Christian Solmecke. Diese seien privat und dürften deshalb anderen Personen nicht zugänglich gemacht werden.

Doch auch hier gibt es Ausnahmen, nämlich dann, wenn es sein überragendes öffentliches Interesse an dieser Nachricht gäbe. "Das wird aber in den seltensten Fällen der Fall sein und insofern sind persönliche Nachrichten tabu. Selbst wenn man beleidigt wird in diesen persönlichen Nachrichten, geht es nicht."

Digitale Texte lassen sich beliebig oft kopieren

Übrigens: Whatsapp hat kürzlich die Weiterleitungsfunktion außerhalb von Gruppen eingeschränkt. Konnte man eine Mitteilung bislang mit einem Klick an bis zu 20 Personen weiterleiten, ist diese Zahl auf fünf herabgesetzt worden. Damit soll die Verbreitung von Falschmeldungen erschwert werden.

Trotzdem gilt im Internet grundsätzlich: Einmal veröffentlichte Texte können - rein technisch - beliebig oft kopiert werden und lassen sich auch aus eigentlich geschlossenen Bereichen immer wieder herausholen. Obwohl das juristisch verboten sei, empfehlen Experten deshalb, nur Texte oder Fotos zu posten, die man auch öffentlich posten würde.

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL RADIO | 18. Februar 2019 | 05:15 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 18. Februar 2019, 05:00 Uhr

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1 Kommentar

18.02.2019 17:16 Gerd Müller 1

Meine Daten gehören alle der CIA, deine auch.

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