Hintergrund Wie zuverlässig ist der Test auf das neuartige Coronavirus eigentlich?

Täglich verkündet das Robert Koch-Institut neue Zahlen Coronavirus-Infizierter in Deutschland. Eingang in die Statistik finden nur getestete Infizierte. Doch wie sicher sind die Tests überhaupt? Ziemlich, erklären zwei Testzentren im mitteldeutschen Raum.

Reagenzgläser mit der Beschriftung COVID-19
Die Tests sind sehr zuverlässig - nur zu früh dürfen sie nicht erfolgen. Bildrechte: imago images/photothek

Die gute Nachricht zuerst: Der Test auf das neuartige Coronavirus ist recht sicher. Nach Einschätzung des Direktors vom Institut für Virologie vom Universitätsklinikum Leipzig, Uwe Liebert, zu 99,9 Prozent und nach der des Direktors vom Institut für Virologie der Technischen Universität Dresden, Alexander Dalpke, zu 98 bis 99 Prozent. Das Testverfahren, das "Real Time PCR",  werde auch zum Nachweis anderer Viren verwendet. Laut Dalpke hat sich die Sensitivität des PCR-Testverfahrens seit Mitte März sogar noch leicht erhöht, damals ging der Mediziner von 97 Prozent aus.

Sensitivität vs. Spezifität

Die Sensitivität ist der Prozentsatz, mit dem eine erkrankte Person als positiv getestet wird. Es Test mit einer Sensitivität von 98 Prozent identifiziert 98 von 100 Infektionen – und 2 nicht.

Die Spezifität ist der Prozentsatz, zu dem nicht infizierte Personen als gesund erkannt werden. Ein Test mit einer Spezifität von 95 Prozent liefert bei 5 von 100 Gesunden ein falsch-positives Ergebnis.

Quelle: Ralf L. Schlenger: PCR-Tests auf Sars-CoV-2 – Ergebnisse richtig interpretieren. In: Deutsches Ärzteblatt. Jg. 117, Heft 24.

Falsch-positive Tests: möglich aber selten

Je höher die Sensitivität ist, also je mehr Infizierte tatsächlich als auf das Virus positiv getestet werden, desto mehr falsch-positive Tests kann es aber geben – wenn der Test nicht gleichzeitig spezifisch genug ist. Laut dem Dresdner Virologen Dalpke – ähnlich sagen es auch die Leipziger Kollegen – sind solche falsch-positiven Tests aber extrem selten. Dies hänge auch damit zusammen, dass es in Sachsen relativ wenige Infektionen gebe.

Fehler bei zu frühen und zu späten Tests möglich

In seinem NDR-Podcast "Corona-Update" erklärt Virologe Christian Drosten das Vorkommen von falsch-negativen Ergebnissen so: "Die PCR im Rachenabstrich ist nur in der ersten Woche zuverlässig positiv, dann verschwindet bei einigen Patienten im Hals das Virus." Bei Patienten, bei denen die Lungenentzündung schon einsetze und das Virus im Rachen nicht mehr zu finden sei, könne die Krankheit jedoch auch mit einem CT-Bild der Lunge entdeckt werden. Nehme ein Arzt außerdem eine Probe aus der Lunge oder der Luftröhre, sei das Virus dort zu finden.

Eine Entwarnung trotz Infektion, also ein falsch negatives Ergebnis, kann es auch geben, wenn zu früh getestet wird. "Während der Inkubationszeit vermehrt sich das Virus unter der Nachweiszeit. Deshalb arbeitet man mit Quarantäne", erläutert Dalpke. Im Umkehrschluss bedeutet das aber auch, sagt Liebert : "Wenn der Test negativ ausfällt und der Verdacht weiter besteht, dann sollte innerhalb der nächsten zwei Tage ein weiterer Test stattfinden."

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL RADIO | 16. März 2020 | 16:00 Uhr