Zeitumstellung Sommerzeit ade: Die Zeit ist wieder normal

In der Nacht zum 27. Oktober endete die Sommerzeit. Die Uhren wurden umgestellt und es gilt wieder die Mitteleuropäische Zeit, auch "Winterzeit" genannt. Obwohl das Ende der Zeitumstellung beschlossen ist, drehen wir nicht zum letzen Mal am Zeiger.

Installation aus mehreren Uhren, die auf Metallsäulen stehen und alle die gleiche Zeit anzeigen
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In Deutschland wurden die Uhren in der Nacht zum 27. Oktober um eine Stunde zurückgestellt – wie immer von drei Uhr auf zwei Uhr. Nun gilt wieder die Normalzeit, auch "Winterzeit" genannt.

Wann kommt das Ende der Zeitumstellung?

Allerdings wird es nicht das letzte Mal sein, dass wir am Zeiger drehen. Nachdem eine Mehrheit bei einer EU-weiten Umfrage für die Abschaffung der Zeitumstellung gestimmt hat, wurde das Ende der Zeitumstellung zwar beschlossen. Doch seit die Mitgliedsstaaten entscheiden sollen, ob sie zur Normalzeit zurückkehren wollen oder bei einer ganzjährigen Sommerzeit bleiben wollen, ist der Prozess ins Stocken geraten. Das liegt vor allem daran, dass sich im Detail einige Haken zeigen. So braucht etwa die Umstellung des Verkehrs auf das neue Zeitsystem – die Koordinierung von Fahrplänen oder der Vergabe von Slots auf Flughäfen – einen größeren Vorlauf. Zudem würde es mehr als die gegenwärtigen drei Zeitzonen in der EU geben. Eine große Zeitzone, die von Spanien bis Polen reicht und bisher durch den ausgleichenden Wechsel zwischen Sommer- und Winterzeit funktionierte, wäre dann wohl nicht mehr möglich.
Malte Pieper, ARD-Korrespondent in Brüssel, erklärt hier den aktuellen Stand.

Funkuhr versus Turmuhr

Wer eine Funkuhr besitzt, hat es besonders einfach, denn die Uhr stellt sich automatisch um. Die Zeitmessung erfolgt sekundengenau, weil Funkuhren in regelmäßigen Abständen Kontakt zur genauesten Uhr der Welt aufnehmen, dem sogenannten Zeitnormal der Physikalisch-Technischen Bundesanstalt in Braunschweig (PTB). Doch nicht überall klappt die Zeitumstellung so reibungslos wie bei Funkuhren. Verwirrung stiften nicht selten öffentliche Uhren, die meist erst nach der Zeitumstellung auf den richtigen Stand gebracht werden.

Eine Stunde länger arbeiten, mehr Geld?

Wer in der Nacht arbeiten muss, in der die Sommerzeit endet, kommt allerdings nicht in den Genuss einer zusätzlichen Stunde Schlaf. Stattdessen verlängert sich der Arbeitstag um eine Stunde. Für betroffene Arbeitnehmer stellt sich dabei die Frage, ob sie für diese zusätzliche Arbeitsstunde auch Anspruch auf zusätzliches Arbeitsentgelt haben.

Ausschnitt eines Ziffernblatts, bei dem die Ziffer 2 durch ein Eiskristall-Symbol und die Ziffer 3 durch das Symbol einer Sonne ausgetauscht wurde. Außerdem wurde die Bewegung des kleinen Zeigers von der Sonne in Richtung des Eiskristalls stilisiert.
Wird die zusätzliche Stunde auch extra vergütet? Bildrechte: IMAGO

Soweit diese Frage in einem Tarifvertrag nicht ausdrücklich geregelt ist, kommt eine gesonderte Vergütungspflicht nur dann in Betracht, wenn das Arbeitsentgelt nach Stunden abgerechnet wird. In diesem Fall muss die durch die Zeitumstellung verursachte zusätzliche Arbeitsstunde vom Arbeitgeber bezahlt werden. Arbeitnehmer, die ein festes monatliches oder wöchentliches Gehalt bekommen, haben dagegen generell keinen Anspruch auf Bezahlung dieser Extra-Stunde. Dies ist aber im Regelfall auch kein besonderer Nachteil, da sich die Nachtschicht bei der Umstellung von der Winterzeit zur Sommerzeit im März um eine Stunde verkürzt und daher rechnerisch ein entsprechender Ausgleich erfolgt.

Ob für die zusätzliche Arbeitsstunde gegebenenfalls Überstundenzuschläge gezahlt werden müssen, richtet sich nach dem Wortlaut des entsprechenden Tarifvertrags und ist von Branche zu Branche verschieden.

Wenn die innere Uhr aus dem Takt gerät

Vor allem die Umstellung auf die Sommerzeit führt zu Phänomenen, die einem Jetlag ähneln. Der menschliche Körper muss sich an die Veränderungen im Schlaf-Wach-Rhythmus erst gewöhnen.

Eine Frau liegt im Bett und im Vordergrund ein Wecker.
Anders als ein Wecker braucht die innere Uhr ein wenig länger, um sich auf den neuen Rhythmus einzustellen. Bildrechte: colourbox

Schon die eine Stunde Zeitumstellung reicht aus, um die "innere Uhr" der meisten Menschen aus dem Takt zu bringen. Denn unser Zeitgefühl ist mehr als nur Einbildung: Es sitzt im Gehirn und besteht aus zwei stecknadelkopfgroßen Ansammlungen von Nervenzellen. Diese Zellen überwachen, wie viel Licht auf die Augen trifft und passen Körpertemperatur, Hormonausschüttung und Stoffwechselgeschwindigkeit daran an. Nach der Zeitumstellung benötigt die "innere Uhr", die vom Hormonhaushalt gesteuert wird, ein bis zwei Tage, um sich auf den neuen Rhythmus umzustellen.

Die Zeitumstellung Deutschland ist ein Spätzünder in Sachen Zeitumstellung. Drehten Italien und Frankreich schon ab 1966 beziehungsweise 1967 fleißig an der Uhr, wird in Deutschland erst seit 1980 umgestellt.

Dass sich die Sommerzeit in Deutschland damals durchsetzte, ist auf die Ölkrise von 1973 zurückzuführen. Durch das Vorstellen der Uhr um eine Stunde sollte das Tageslicht eine Stunde länger genutzt und so Energie gespart werden.

Seither gibt es Zweifel an der Zeitumstellung. So monieren Kritiker etwa, der erhoffte Energiespareffekt sei kaum nachweisbar. Viele führen zudem die negativen Auswirkungen auf den menschlichen Biorhythmus als Punkt gegen die Zeitumstellung an.

Nicht alle Länder stellen um. Einige stellen sogar wieder zurück. Nachdem Russland 2011 die Uhren ganzjährig um eine Stunde vorgestellt hatte, wurde das Experiment nach drei Jahren beendet. Seither gilt wieder ganzjährig die sogenannte Normalzeit. Nun ist abzuwarten, für welche Regelungen sich die EU-Staaten entscheiden werden.

Dieses Thema im Programm: MDR FERNSEHEN | MDR AKTUELL | 26. Oktober 2019 | 19:30 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 27. Oktober 2019, 08:18 Uhr