Nach Insolvenz Abellio droht Einstellung des Bahnbetriebs in Sachsen-Anhalt ab 1. Oktober

Das insolvente private Bahnunternehmen Abellio stellt seinen Betrieb in Sachsen-Anhalt womöglich schon Anfang Oktober ein. Grund ist, dass der Mutterkonzern die finanzielle Unterstützung Ende September beendet. Die niederländische Staatsbahn will nur dann weiter Geld geben, wenn es eine Einigung mit dem Land gibt. Die ist aber nicht in Sicht.

Am Bahnhof Aschersleben im Salzlandkreis steht ein Triebwagen des Bahn-Anbieters Abellio.
Am Bahnhof Aschersleben im Salzlandkreis steht ein Triebwagen des Bahn-Anbieters Abellio. Das Unternehmen könnte seinen Betrieb in Sachsen-Anhalt bald einstellen. Bildrechte: MDR/Michael Rosebrock

Kunden des privaten Bahnbetreibers Abellio in Sachsen-Anhalt bleiben möglicherweise ab dem 1. Oktober auf der Strecke. Die niederländische Staatsbahn will ihre insolvente Regionaltochter nur noch bis Ende September finanziell unterstützen. Deshalb drohe zum 1. Oktober die sofortige Betriebseinstellung auf allen Abellio-Linien.

Keine Einigung zwischen Bahnunternehmen und Land

Das geht aus einem Papier des Verkehrsministeriums hervor, das MDR SACHSEN-ANHALT vorliegt. Demnach wollen die Niederländer nur dann weiter Geld geben, wenn mit dem Land eine Einigung über den Weiterbetrieb erzielt wird. Das sei bisher aber nicht der Fall. Das Verkehrsministerium spricht von einer – so wörtlich – ernsten Lage.

Wie die Mitteldeutsche Zeitung schreibt, seien sich die Verhandlungspartner – Abellio und die Nahverkehrsservice Sachsen-Anhalt GmbH (Nasa) – mittlerweile einig, dass das Bahnunternehmen eines der beiden von ihm in Sachsen-Anhalt betriebenen Netze vorzeitig aufgibt. Doch die Gespräche würden immer wieder an Details scheitern.

Konkurrenten der Deutschen Bahn machen alle Verluste

Abellio gehört mit Keolis, einer Tochter der französischen Staatsbahn SNCF, und der Transdev-Tochter Nordwestbahn zu den Konkurrenten der Deutschen Bahn, die allesamt unter Druck stehen und Verluste machen. Die Unternehmen monieren Kostensteigerungen, die sie nach eigener Darstellung nicht verschuldet haben. Deutlich mehr Baustellen führten zu Verspätungen und Zugausfällen, für die Strafzahlungen fällig würden. Auch Schienenersatzverkehr komme sie teuer zu stehen. Zudem sei der Personalbedarf deutlich gestiegen. All das sei beim Abschluss der langfristigen Verträge nicht absehbar gewesen.

Konzernbetriebsrat von Abellio: Arbeitsplätze sichern

In einem Offenen Brief des Konzernbetriebsrates von Abellio hieß es vor einigen Wochen, man brauche jetzt eine Lösung, wie die Arbeitsplätze der Beschäftigten gesichert werden könnten. Der Betriebsrat schreibt weiter: "Wir, die rund 3.100 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter von Abellio in Deutschland, appellieren eindringlich, zeitnah eine Einigung zum wirtschaftlichen Weiterbetrieb der einzelnen Verkehrsnetze zu erzielen und somit den Beschäftigten der Abellio-Unternehmen in den Regionen eine Perspektive zu ermöglichen."

Abellio betreibt in Sachsen-Anhalt rund die Hälfte der Regionalverkehrsstrecken. Wie der Betrieb im Falle eines Abellio-Ausstiegs aussehen könnte, ist noch unklar. Im Ernstfall kann das Land den Weiterbetrieb anordnen, müsste dafür aber deutlich mehr Geld zahlen.

MDR/Michael Rosebrock, Gero Hirschelmann

Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN-ANHALT - Das Radio wie wir | 07. September 2021 | 08:30 Uhr

Mehr aus Sachsen-Anhalt