Zugverkehr soll weiterlaufen Sanierungsverfahren für Privatbahn Abellio beginnt

Die Privatbahn Abellio hat in Sachsen-Anhalt eine Zukunft. Davon geht der Handlungsbevollmächtigte Lucas Flöther aus. Das Sanierungsverfahren, das heute beginnt, werde dafür die Weichen stellen. Das angeschlagene Bahnunternehmen solle so bis zum Frühjahr gesichert und gestärkt werden.

Ein Zug vom Bahnunternehmen "Abellio" verlässt den Bahnhof Halberstadt während zwei weitere Züge auf ihre Abfahrt warten.
Ein Zug vom Bahnunternehmen "Abellio" verlässt den Bahnhof Halberstadt: Das finanziell angeschlagene Unternehmen ist zuversichtlich, mit einem Sanierungsplan wieder in die Spur zu kommen. Bildrechte: dpa

Für den finanziell angeschlagenen Privatbahnbetreiber Abellio beginnt am Freitag das Haupt-Sanierungsverfahren. Generalhandlungsbevollmächtigter Lucas Flöther sagte MDR SACHSEN-ANHALT, er sei zuversichtlich, dass das Bahnunternehmen bis zum Frühjahr gesichert und gestärkt werden könne.

Sanierungsplan für Abellio soll den Verkehr sicherstellen

Lucas Franck Flöther, Insolvenzverwalter, schaut für ein Foto in die Kamera.
Lucas Flöther Bildrechte: dpa

Der Zugverkehr solle in der Zwischenzeit uneingeschränkt weiterlaufen. Auch Löhne und Gehälter werde Abellio jetzt wieder selbst zahlen. Ziel ist laut Flöther nun ein Sanierungsplan, der den Verkehr wie geplant sicherstellt. Die Niederländische Staatsbahn, zu der Abellio gehört, habe finanzielles Entgegenkommen signalisiert.

Konkurrenten der Deutschen Bahn machen alle Verluste

Abellio gehört mit Keolis, einer Tochter der französischen Staatsbahn SNCF, und der Transdev-Tochter Nordwestbahn zu den Konkurrenten der Deutschen Bahn, die allesamt unter Druck stehen und Verluste machen. Die Unternehmen monieren Kostensteigerungen, die sie nach eigener Darstellung nicht verschuldet haben. Deutlich mehr Baustellen führten zu Verspätungen und Zugausfällen, für die Strafzahlungen fällig würden. Auch Schienenersatzverkehr komme sie teuer zu stehen. Zudem sei der Personalbedarf deutlich gestiegen. All das sei beim Abschluss der langfristigen Verträge nicht absehbar gewesen.

Abellio gibt Strecken früher als geplant ab

Abellio befährt etwa die Hälfte aller Zugstrecken in Sachsen-Anhalt. Per Ausschreibung hatte sich das Unternehmen jahrelange Verträge gesichert, sich aber bei den Kosten verkalkuliert. Nach bisherigen Plänen soll Abellio Ende 2023 alle Verbindungen zwischen Börde, Harz und Salzland abgeben – neun Jahre eher als vertraglich vereinbart. Der Zugverkehr im Süden Sachsen-Anhalts soll hingegen regulär bis Ende 2030 weiterlaufen.

Ein silberfarbener Zug an einem offenen Bahnsteig. 2 min
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MDR THÜRINGEN JOURNAL Mo 14.06.2021 19:00Uhr 01:33 min

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Hier fährt Abellio in Deutschland Das Bahnunternehmen Abellio ist in Sachsen-Anhalt und Thüringen sowie in Nordrhein-Westfalen und Baden-Württemberg im Regionalverkehr aktiv. In Sachsen-Anhalt bedient das Unternehmen unter anderem die Strecken zwischen Halle und Bernburg sowie Magdeburg und Aschersleben. Der Marktanteil am Regionalverkehr im Land liegt bei fast der Hälfte. In Thüringen fahren Abellio-Züge unter anderem zwischen Jena und Saalfeld sowie von Nordhausen nach Heiligenstadt. Es gibt aber auch länderübergreifende Verbindungen, zum Beispiel von Leipzig nach Eisenach oder von Halle nach Kassel.

MDR/André Plaul, Thomas Tasler, Gero Hirschelmann

Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN-ANHALT - Das Radio wie wir | 01. Oktober 2021 | 17:00 Uhr

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