Nach Insolvenz Abellio-Züge fahren weiter in Sachsen-Anhalt und Thüringen

In Sachsen-Anhalt werden knapp die Hälfte der Regionalbahn-Strecken durch den private Bahnbetreiber Abellio befahren. Das Unternehmen war im Sommer in wirtschaftliche Schieflage geraten. Die Abellio-Mutter, die niederländische Staatsbahn, hatte mit dem Aus der Bahn nach September gedroht. Doch das ist nun vom Tisch.

Auf einem Gleis am Bahnhof von Oschersleben steht ein Zug des Anbieters Abellio.
Die Abellio-Züge sollen weiter fahren. (Symbolbild) Bildrechte: MDR/Michael Rosebrock

Auf mitteldeutschen Bahnstrecken werden auch nach dem 1. Oktober weiterhin Züge des insolventen Anbieters Abellio rollen. Wie das Unternehmen und der landeseigene Nahverkehrsservice Sachsen-Anhalt (NASA) mitteilten, ist der Weiterbetrieb des Dieselnetzes in Sachsen-Anhalt bis 2023 gesichert. Zu diesem Netz gehört auch eine Verbindung nach Thüringen – die Linie Magdeburg – Sangerhausen  - Erfurt.

Eine entsprechende Vereinbarung sei unterzeichnet worden, heißt es. Laut NASA ist die Aufrechterhaltung des Verkehrs und die Zahlung von Löhnen und Gehältern gesichert. Weitere Details wurden am Freitag dazu nicht bekannt. Unklar ist somit, ob Abellio finanzielle Hilfen bekommt.

Im Netz "Saale-Thüringen-Südharz" will Abellio den Vertrag bis zum regulären Ende im Dezember 2030 erfüllen. Der Abellio-Bevollmächtigte Lucas Flöther sagte MDR SACHSEN-ANHALT, es seien harte Monate gewesen. Man habe jetzt eine wirtschaftliche Lösung gefunden, die nur noch juristisch umgesetzt werden müsse. Es gehe 1:1 weiter. Man wolle keine Mitarbeiter verlieren.

Abellio-Mutter hatte mit Aus ab Oktober gedroht

Abellio war im Sommer in wirtschaftliche Schieflage geraten. Ende Juni beantragte das Unternehmen ein Schutzschirmverfahren in Eigenverwaltung – das ist ein Sanierungsverfahren, bei dem kein Insolvenzverwalter eingesetzt wird.

Zuletzt hatte die niederländische Staatsbahn angekündigt, ihr insolventes, regionales Tochterunternehmen Abellio nur noch bis Ende September finanziell zu unterstützen. Damit war der Weiterbetrieb in Mitteldeutschland gefährdet.

Konkurrenten der Deutschen Bahn machen alle Verluste

Abellio gehört mit Keolis, einer Tochter der französischen Staatsbahn SNCF, und der Transdev-Tochter Nordwestbahn zu den Konkurrenten der Deutschen Bahn. Die privaten Bahnunternehmen stehen allesamt unter Druck und machen Verluste.

Die Unternehmen beklagen Kostensteigerungen, die sie nach eigener Darstellung nicht verschuldet haben. Deutlich mehr Baustellen führten zu Verspätungen und Zugausfällen, für die Strafzahlungen fällig würden. Auch Schienenersatzverkehr komme sie teuer zu stehen. Zudem sei der Personalbedarf deutlich gestiegen. All das sei beim Abschluss der langfristigen Verträge nicht absehbar gewesen.

Abellio fährt in Sachsen-Anhalt und Thüringen

Das Bahnunternehmen Abellio ist in Sachsen-Anhalt und Thüringen sowie in Nordrhein-Westfalen und Baden-Württemberg im Regionalverkehr aktiv. In Sachsen-Anhalt bedient das Unternehmen unter anderem die Strecken zwischen Halle und Bernburg sowie Magdeburg und Aschersleben. Der Marktanteil am Regionalverkehr im Land liegt bei fast der Hälfte.

In Thüringen fahren Abellio-Züge unter anderem zwischen Jena und Saalfeld sowie von Nordhausen nach Heiligenstadt. Es gibt aber auch länderübergreifende Verbindungen, zum Beispiel von Leipzig nach Eisenach oder von Halle nach Kassel.

MDR/Simon Köppl, Cornelia Winkler

Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN-ANHALT - Das Radio wie wir | 10. September 2021 | 11:00 Uhr

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