Virusinfektion Wie ein Hund vor der Schweinepest schützt

Die Angst vor der Schweinepest ist in Sachsen-Anhalt groß. Deshalb haben Schweinehalterinnen und Schweinehalter besondere Maßnahmen eingeführt, um die Tiere zu schützen. Im Landkreis Anhalt-Bitterfeld liegen dabei große Hoffnungen auf dem Hund "Kiron". Er kann die Virusinfektion nämlich aufspüren.

Ein Mann mit Warnwest hält eine Urkunde vor einen Hund.
Dobermann-Rüde Kiron wurde von Ingo Pfeifer darauf trainiert, den Geruch von Tieren wahrzunehmen, die an der Schweinepest verendet sind. Bildrechte: MDR/Ingo Pfeifer

Noch gibt es keinen Fall von Afrikanischer Schweinepest in Sachsen-Anhalt. Schweinewirte sind dennoch besorgt. Schließlich würde in einem großen Betrieb schon ein einziges erkranktes Schwein ein wirtschaftliches Desaster bedeuten. Deswegen hat überall in Sachsen-Anhalt der vorsorgliche Kampf gegen die Afrikanische Schweinepest begonnen.

Im Landkreis Anhalt-Bitterfeld ruht die Hoffnung dabei auf einem feinen Hundenäschen. "Kiron" – ein junger Dobermann-Rüde – soll Wildschweine ausfindig machen, die die Krankheit in sich tragen. So will der Landkreis auch in schwer zugänglichen Gebieten an Elbe und Mulde auf Nummer sicher gehen.

Der Hund "Kiron" kann die Pest aufspüren

Kiron ist dreieinhalb Jahre alt und von seinem Ausbilder Ingo Pfeifer mit viel Geduld geschult worden. Anders als zum Beispiel viele Drogenspürhunde ist er neutral ausgebildet. Das heißt, er kann alles suchen, was ihm als Spur vorgegeben wird – ob nun einen Teebeutel, eine Person oder eben am Virus verendete Wildschweine. Bis auf eine Entfernung von 15 Kilometern kann er einen Geruch wahrnehmen.

"Jede Krankheit hinterlässt ihre Spuren – auch einen eigenen Geruch, wenn die Organe befallen sind", sagt Kirons Ausbilder Pfeifer. Wenn der Hund den Geruch wahrnehme, verfolge er die Schweine oder Rotte und dann sei klar, dass diese Rotte befallen sei. Zur Belohnung gibt es danach immer zwei Geflügelwürstchen – und natürlich wird Kiron auch einmal kräftig durchgeknuddelt.

Eine Gruppe von Menschen mit einem Dobermann.
Ingo Pfeifer (rechts) hat Spürhund Kiron über Jahre mit viel Geduld ausgebildet. Bildrechte: MDR/Ingo Pfeifer

Schutzmaßnahmen der Schweinehalter

Aber auch Schweinehalterinnen und Schweinehalter treffen ihre eigenen Vorsichtsmaßnahmen. In einem großen Schweinestall mit 5.000 Tieren in der Nähe von Quedlinburg zum Beispiel ist der Zutritt zur Mastanlage aufs Nötigste reduziert. Der Stall hat zwei Zutrittsbarrieren. Zum einen ist da ein großer Zaun außen, der vor allem Wildschweine abhalten soll. Aber auch Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter dürfen den Stall nur durch eine Schleuse betreten. Vorher müssen sie geduscht haben und Kleidung anziehen, die sie nur im Stall tragen.

Es gibt noch weitere Auflagen: Wer in der Mastanlage arbeitet, muss sein Fahrzeug desinfizieren, außerdem müssen Ställe vor Nagetieren geschützt werden und die Tiere dürfen nur zugelassenes Futter bekommen. "Wir machen alles, um das Risiko zu minimieren, aber eine hundertprozentige Sicherheit gibt es nicht", sagt der Quedlinburger Schweinehalter Heinrich Kruse. Seine Sorge ist das Risiko, das seiner Ansicht nach von Schweinen in Privathaltung ausgeht: "Wer ein, zwei oder drei Schweine hält, wird sich ja nicht immer extra duschen, bevor er die Schweine morgens füttert."

Empfehlungen vom Amtstierarzt

Der Amtstierarzt im Landkreis Harz, Rainer Miethig, sieht das ähnlich. Er will deswegen alle rund 300 Kleinstschweinehalterinnen und -halter im Harz anschreiben und sie auf das Risiko aufmerksam machen. Sie sollen ihre Ställe nicht mit Straßenbekleidung betreten und den Schweinen keine Küchenabfälle geben. "Das ist schon immer verboten", merkt der Amtstierarzt an.

Würde die Afrikanische Schweinepest in Sachsen-Anhalt ankommen, würde das für die industrielle Schweinehaltung einen großen Schaden bedeuten. Wäre nur eins der 5.000 Schweine von Schweinehalter Heinrich Kruse infiziert, müsste er alle vorsorglich töten. Das, sagt er, wäre für ihn wahrscheinlich das wirtschaftliche Aus.

Quelle: MDR/vö

Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN-ANHALT – Das Radio wie wir | 05. November 2020 | 20:00 Uhr

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