Markus Behrens In Sachsen-Anhalt verwurzelt: Das ist der neue Chef der Agentur für Arbeit

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Markus Behrens ist neuer Chef der Regionaldirektion Sachsen-Anhalt-Thüringen der Bundesagentur für Arbeit. Der neue Mann auf dem Chefsessel ist tief in Sachsen-Anhalt verwurzelt – und bislang noch immer zurückgekehrt. Ein Porträt.

Das wache, zuweilen jungenhafte Blitzen in seinen blaugrauen Augen hat er nicht verloren. Gut 30 Jahre währt die Karriere von Markus Behrens bei der Agentur für Arbeit nun schon. Jetzt hat sie ihn auf den Chefsessel der Regionaldirektion befördert. Zuständigkeit: Sachsen-Anhalt und Thüringen. "Na klar gibt es Dinge, die nicht sexy sind, die aber gemacht werden müssen", sagt Markus Behrens schnörkellos mit eben diesem Blitzen in den Augen. Er sieht sich als einer, der für diesen Job brennt.

Behrens wird 1973 im sächsischen Torgau geboren, macht sein Abitur 1991 in Herzberg. "Was mit Menschen" lautet da schon lange sein Berufswunsch, weswegen der Abiturient zunächst mit dem Lehrerberuf liebäugelt. Doch die Wende bringt, dass die Hochschulen im Land abgewickelt werden. "Mach' was Sicheres!", rät da die Mutter, eine Lehrerin. So wird er Student an der Hochschule der Bundesanstalt für Arbeit in Mannheim, zählt zur ersten Truppe, die im wiedervereinten Deutschland Arbeitsmarktmanagement von der Pike auf lernt.

"Die Zeit der schwarzen Flure" – schlicht frustrierend

Markus Behrens, Geschäftsführer der Arbeitsagentur Sachsen-Anhalt/Thüringen
Nun der Chef von mehr als 100 Leuten: Markus Behrens Bildrechte: Arbeitsagentur Sachsen-Anhalt/Thüringen

"Auch was mit Menschen", resümiert Behrens und erinnert sich an seinen ersten Job als Arbeitsvermittler im sachsen-anhaltischen Jessen, nicht weit von seiner alten Heimatstadt entfernt. Heute beschreibt er diesen Job als frustrierend. "Es war so traurig, dass man theoretisch wusste, wie es gehen könnte. Aber es ging eben nicht so. Es gab so viele Arbeitssuchende und wir hatten keine Jobs. Die Betriebe wurden abgewickelt. Wir nannten das die Zeit der schwarzen Flure."   

Bevor Behrens dazu kommt, jungen Menschen zu helfen, wird er Pressesprecher. Bei der Agentur für Arbeit in Dessau trägt er maßgeblich dazu bei, dass der schlechte Ruf, den "das Arbeitsamt" bei vielen hat, sich etwas bessert. Er macht das unermüdlich, kenntnisreich und mit Witz, sagen die, die mit ihm zusammenarbeiten. Zum Beispiel Sabine Edner, damals Agenturchefin in Dessau, heute Geschäftsführerin des Jobcenters in Leipzig.

Markus war sich nie zu schade für etwas. Er hat sich mit Fleiß seinen Erfolg erarbeitet, ist ein Netzwerker, ein Gestalter.

Sabine Edner frühere Chefin von Markus Behrens

Die für ihn besseren Zeiten kommen rasch. Zum Beispiel 2005, als es ihn nach Halle verschlägt. Sabine Edner ist dort abermals seine Chefin, er nennt sich inzwischen "Geschäftsführer operativ". Im Chemiedreieck rund um Bitterfeld sind 5.000 neue Arbeitsplätze im "Solar Valley" entstanden. Es ist auch die Zeit von Hartz IV. "Für die Arbeitsagenturen eine spannende Zeit", schwärmt Behrens.

Eine Frau steht mit einem Schild während der mündlichen Verhandlung über die Rechtmäßigkeit von Hartz-IV-Sanktionen vor dem Bundesverfassungsgericht. 112 min
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MDR SACHSEN Mi 15.12.2021 20:00Uhr 112:07 min

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Oder 2010, als er nach einem Abstecher zur Zentrale der Arbeitsagentur nach Nürnberg wieder in der Dessauer Agentur für Arbeit landet. Diesmal als deren Chef. Die Call-Center-Branche boomt. SITEL sucht 1.000 neue Telefonisten, am Dessauer Flugplatz und im Dessora-Park zwischen Dessau und Oranienbaum siedeln sich neue Unternehmen an, erinnert sich Behrens. Auch in Hannover in der Regionaldirektion Niedersachsen-Bremen ist Behrens zwischendurch mal, um Erfahrungen zu sammeln. Er lacht verschmitzt, wenn er zurückblickt. "Hier habe ich gelernt, wie über Jahrzehnte eingefahrene Strukturen mitsamt ihrer Bürokratie funktionieren."

Große Herausforderungen auf dem Arbeitsmarkt

In Halle ist er jetzt Chef von mehr als 100 Leuten, spricht von großen Herausforderungen, die diese Zeit für den Arbeitsmarkt bereithält.

Markus Behrens scheint angekommen. Privat ist er das längst. Seine Frau kennt er seit 31 Jahren, seit 16 Jahren sind sie ein Ehepaar. Ihr Häuschen steht in einem Dorf, einem Ortsteil der Stadt Coswig im Hohen Fläming. Hier lebt er gern mit seiner Familie. Wenn er heute jungen Leuten bei der Berufswahl raten soll? "Lehrer. Weil das so ein schöner Beruf ist, allen Kindern und Jugendlichen gleiche Chancen geben zu können", sagt Markus Behrens – mehr als 30 Jahre nach seiner Berufswahl, die ihn zur Agentur für Arbeit geführt und die er nie bereut hat.

MDR (Dagmar Böddeker, Luca Deutschländer)

Dieses Thema im Programm: MDR um 11 | 04. Januar 2022 | 11:00 Uhr

6 Kommentare

Fjadrargljufur vor 36 Wochen

Ich vertraue MDR: Im Dezember waren rund 74.100 Menschen arbeitslos gemeldet – 2.900 mehr als im November, aber 9.200 weniger als im Vorjahresmonat. Die Arbeitslosenquote stieg im Dezember 2021 auf 6,7 Prozent. Das sind 0,3 Prozentpunkte mehr als im November, aber deutlich weniger als die 7,5 Prozent vor einem Jahr.

DanielSBK, bei JOBworld sind 1.740 Jobs in Schönebeck zu vergeben

DanielSBK vor 36 Wochen

"Dachte immer Ländersache. Freistaat und SA wie geht das zusammen?"

Alleine deswegen kann das schon alles nicht gut funktionieren - ja toll, ALG1 auf dem niedrigsten Stand - und was ist mit ALG2 (Hartz4), EU-Rentner, Kranke & Alte die sich nicht beim Staat melden?! Schwarz arbeiten gehen etc. ????
Die ganzen Zahlen alles Augenwischerei - gibt trotzdem 10 Millionen ohne Job - oder halt Mehrfach- Mini- oder Job-Nomaden im Niedriglohnsektor. Dass diese Agentur nichts auf die Kette kriegt, haben die 30 Jahre lang bewiesen. Abschaffen diesen Mist.

DanielSBK vor 36 Wochen

Müsste Agentur Gegen Arbeit heißen... jeden Freitag kommt ne dicker Brief mit ein dutzend Zeitbuden als "Vorschlag" drin nach Hause.
Das kann ich auch selber - mich bei der Zeit- oder Leihbude bewerben!! Dafür brauche ich diese Beamten nicht!

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