01.10.2021 | Sachsen-Anhalt am Morgen MDRfragt: Ostdeutscher zu sein, spielt heute noch eine Rolle

Mandy Ganske-Zapf
Bildrechte: MDR/André Plaul
Interessierte Bürger stehen vor einem Pavillon auf der Einheitsexpo 2021 in Halle/Saale und betrachten die Präsentation des Bundestages.
In Halle sind in diesem Jahr die zentralen Feierlichkeiten zum Tag der Deutschen Einheit. Bildrechte: dpa

Sachsen-Anhalt am Freitagmorgen: Wirklich interessant zu lesen, wenn gerade auch Jüngere sagen, Ost und West, diesen Unterschied gibt es noch. Vor Jahren dachten noch viele, für die Deutsche Einheit – die am Wochenende in Halle gefeiert wird – in den Köpfen muss nur genügend Zeit vergehen. Dass es so nicht funktioniert, zeigt das frische MDR-Meinungsbarometer sehr eindrücklich. Gleich unser Top-Thema! Ich bin Mandy Ganske-Zapf und hier kommt Ihr Morgen-Update.


Neben einer Grafik mit der Aufschrift -Thema des Morgens- ist die Zeichnung einer Kaffeetasse zu sehen.
Bildrechte: MDR/Maximilian Schörm

Sachsen-Anhalt am Morgen: Das Thema des Morgens

Sachsen-Anhalt am Morgen: Das Thema des Morgens

MDRfragt: Ostdeutscher zu sein, spielt heute noch eine Rolle

Zum Tag der Deutschen Einheit hat das Team zum MDR-Meinungsbarometer unter anderem nach der Einheit in den Köpfen gefragt. Wir haben das 31. Jahr nach der Einheit und, wie sich auch in den Antworten der Menschen im Barometer zeigt: Noch immer sehen viele Ostdeutsche, dass der Weg noch weit ist. Erstaunlich war für mich zu lesen, dass gerade auch junge Menschen das noch so empfinden. Eine junge Teilnehmerin an der Umfrage sagte zum Beispiel:

In meinem Umfeld gab es durchweg negative Reaktionen, als ich mich entschied, zum Studieren nach Erfurt zu gehen. "Was willst du denn im Osten?"

22-jährige Teilnehmerin aus Erfurt

Hier spricht eine junge Frau, 22 Jahre jung, die aus dem Westen in den Osten zum Studieren gegangen ist und in ihrem Umfeld daheim viele fragende Blicke erhielt. Ich habe solche Stimmen auch schon oft gehört. Im MDR-Meinungsbarometer MDRfragt waren sogar 82 Prozent der Teilnehmer, die erst nach der Wende geboren wurden, der Meinung, dass die Herkunft noch einen Einfluss hat. Insgesamt, über alle Altersgruppen hinweg sagten das weniger, nämlich drei Viertel aller Befragten:

Infografik zum Thema: Herkunft aus Ost oder West – Spielt sie heute noch eine Rolle?
Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Die Teilnehmer im Barometer geben an, sie würden noch immer mit vielen Vorurteilen über Ostdeutsche konfrontiert. 89 Prozent sagen das. Das ist ein hoher Wert. Dazu muss ich an dieser Stelle sagen, dass das Barometer keine Studie ist, auch nicht repräsentativ. Aussagekräftig sind die Zahlen dennoch, weil sie nach statistischen Merkmalen wie Geschlecht, Bildung und Alter gewichtet werden.

An dieser Umfrage haben sich rund 25.000 Mitglieder der MDRfragt-Gemeinschaft beteiligt. Das ist eine beträchtliche Anzahl, so dass die Ergebnisse auf jeden Fall einen Eindruck vermitteln können, was viele Menschen in Sachsen-Anhalt beziehungsweise Mitteldeutschland über die Einheit in den Köpfen denken.

Über diese Befragung

Die Befragung vom 17. bis 24.09.2021 stand unter der Überschrift:

31 Jahre nach der Wende: geeintes Deutschland oder deutliche Unterschiede?

Insgesamt sind bei MDRfragt 47.505 Menschen aus Mitteldeutschland angemeldet (Stand 24.09.2021, 13 Uhr).

24.857 Menschen aus Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen haben online an dieser Befragung teilgenommen.

Bezug zu Ostdeutschland:
Selbst zur Wende / in den 90ern überwiegend in Ostdeutschland gelebt: 94 Prozent
Familie zur Wende / in den 90ern überwiegend in Ostdeutschland gelebt: 94 Prozent
Zur Wende noch nicht geboren: 1 Prozent
Davon nach der Wendezeit in Ostdeutschland aufgewachsen: 92 Prozent

Verteilung nach Altersgruppen:
16 bis 29 Jahre: 353 Teilnehmende
30 bis 49 Jahre: 3.826 Teilnehmende
50 bis 64 Jahre: 10.536 Teilnehmende
65+: 10.142 Teilnehmende

Verteilung nach Bundesländern:
Sachsen: 12.689 (51 Prozent)
Sachsen-Anhalt: 6.200 (25 Prozent)
Thüringen: 5.968 (24 Prozent)

Verteilung nach Geschlecht:
Männlich: 55 Prozent
Weiblich: 45 Prozent
Divers: 0,2 Prozent

Methode der Befragung:
Die Befragungen sind nicht repräsentativ, aber sie werden nach statistischen Merkmalen wie Geschlecht, Bildung und Alter gewichtet. Die Gewichtung ist eine Methode aus der Wissenschaft bei der es darum geht, die Befragungsergebnisse an die real existierenden Bedingungen anzupassen. Konkret heißt das, dass wir die Daten der Befragungsteilnehmer mit den statistischen Daten der mitteldeutschen Bevölkerung abgleichen.

Wenn also beispielsweise mehr Männer als Frauen abstimmen, werden die Antworten der Männer weniger stark, die Antworten der Frauen stärker gewichtet. Die Antworten verteilen sich dann am Ende so, wie es der tatsächlichen Verteilung von Männern und Frauen in der Bevölkerung Mitteldeutschlands entspricht.

Dabei unterstützt ein wissenschaftlicher Beirat das Team von "MDRfragt". Mit dem MDR Meinungsbarometer soll ein möglichst breites Stimmungsbild der Menschen in Mitteldeutschland eingefangen werden – mit möglichst vielen Teilnehmenden.

Interessant ist in diesem Zusammenhang auch, was eine 69-jährige Teilnehmerin sagt, die darauf verweist, wie wissbegierig viele Ostdeutsche nach der Maueröffnung begonnen haben, den Westen zu erkunden. Doch erlebe sie diese Entdeckerfreude nicht in diesem Maße umgekehrt – was Klischees befördere:

Die Ostdeutschen haben den Westen erkundet und vieles versucht zu verstehen. Prozentual dazu sind es zu wenige Westdeutsche, die sich für den Osten interessieren und an alten Klischees festhalten.

69-jährige Teilnehmerin aus Gera

Viele Unterschiede sehen die Befragten zwischen Ost und West auch in Fragen des Vermögens, bei Karrieremöglichkeiten und im Umgang miteinander. Ich kann Ihnen die gesamte Lektüre des neuen MDRfragt-Meinungsbarometers heute Morgen – kurz vorm Tag der Deutschen Einheit, der in diesem Jahr in Halle gefeiert wird – nur ans Herz legen:


Rechtsausschuss tritt zusammen: AfD will Rechtsaußen-Mann Tillschneider für Ausschussvorsitz – die anderen Fraktionen halten dagegen

Wenn der Rechtsausschuss des neuen Landtags an diesem Freitag erstmals zusammenkommt, wird die Atmosphäre sehr wahrscheinlich gespannt sein. Der AfD steht der Posten des Ausschussvorsitzenden zu. Sie will Hans-Thomas Tillschneider ins Amt heben. Einen Mann, der seit vergangenem Jahr mit nachrichtendienstlichen Mitteln vom Verfassungsschutz überwacht wird. Die anderen Fraktionen wollen das so nicht hinnehmen. Für die Grünen ist die Personalie ein "Unding", für die SPD "untragbar", auch die Linke will dagegen halten. Es gibt Bestrebungen, ihn per Abwahlantrag gar nicht erst zum Zug kommen zu lassen.


Das war der Start in unser Morgenupdate. Was der Freitag noch so bringt und Tipps zum Wochenende mit Weinwandern an der Unstrut – das gibt es jetzt. Die 1000-Jahrfeier des Merseburger Doms wird ein Höhepunkt in dieser Woche für Sachsen-Anhalt und Sie können sich mit Domführerin in fünf Minuten durch die Geschichte führen lassen, in unserem Video des Morgens. Außerdem: Die Unterwasser-Untersuchungen am mittelalterlichen Prahm auf dem Grund des Arendsees gehen heute zu Ende und wir blicken in die Zeitungen.

Neben einer Grafik mit der Aufschrift -Das Video des Morgens- ist die Zeichnung eines Monitors mit einem Start-Button zu sehen.
Bildrechte: MDR/Maximilian Schörm

Sachsen-Anhalt am Morgen: Das Video des Morgens

Sachsen-Anhalt am Morgen: Das Video des Morgens

Video: 1.000 Jahre Merseburger Dom – "Bewegend, dass ich dazu gehören darf"

Am Wochende ist die Tausend-Jahrfeier im Zeichen des Merseburger Doms. (für Ungeduldige: Programm hier!). Domführerin Beate Tippelt ist im Merseburger Dom für Besucher da, arbeitet seit 30 Jahren in dem bedeutenden Gotteshaus. Es bewegt sie, sagt sie, dass ihre Tätigkeit einen kleinen Bruchteil der 1000-jährigen Geschichte des Doms ausmacht. Die begann mit Kaiser und König Heinrich II. als Stifter und Gründer des Doms. Der Regent war mit seiner Frau Kunigunde zur Weihe des Doms selbst anwesend. Hier führt Sie Domführerin Beate Tippelt durch die weiteren historischen Wegmarken des Doms:

➡ Das Programm: Weihfest, Schlossfest und Zauberfest – die 1.000-Jahrfeier des Merseburger Doms, beginnt an diesem Freitag Hier können Sie das komplette Programm nachlesen.

Neben einer Grafik mit der Aufschrift -#MDRklärt, Schlauer in einer Minute- ist die Zeichnung eines Luftstoßes zu sehen, der aus einem gezeichneten Kopf ausstößt.
Bildrechte: MDR/Maximilian Schörm

Sachsen-Anhalt am Morgen: #MDRklärt - Schlauer in einer Minute

Sachsen-Anhalt am Morgen: #MDRklärt - Schlauer in einer Minute

#MDRklärt = DDRklärt: "In der DDR hatten alle Arbeit"

Das stimmt. Meine Kollegen haben sich bei #MDRklärt angeschaut, was Vollbeschäftigung, wie es sie in der DDR gab, an Vor-, aber auch an Nachteilen mit sich brachte. Ein weiterer Teil unserer dieswöchigen DDR-Edition unseres Instagram-Erklärformats:

#DDRklärt Die Vor- und Nachteile der Vollbeschäftigung in der DDR

Die Vor- und Nachteile der Vollbeschäftigung in der DDR
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Die Vor- und Nachteile der Vollbeschäftigung in der DDR
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Die Vor- und Nachteile der Vollbeschäftigung in der DDR
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Die Vor- und Nachteile der Vollbeschäftigung in der DDR
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Die Vor- und Nachteile der Vollbeschäftigung in der DDR
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Die Vor- und Nachteile der Vollbeschäftigung in der DDR
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Texttafel: "Mehr Erklärgrafiken und -videos auf Instagram @mdrklaert"
MDR/Max Schörm
Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN-ANHALT HEUTE am 3. Oktober 2021 | 19:00 Uhr
Bildrechte: MDR/Max Schörm
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Heute wird der Begriff Vollbeschäftigung unter Fachleuten übrigens dann verwendet, wenn die Arbeitslosenquote auf oder unter 4 Prozent fällt.


Neben einer Grafik mit der Aufschrift -Die Medienschau- ist die Zeichnung einer Tageszeitung zu sehen.
Bildrechte: MDR/Maximilian Schörm

Sachsen-Anhalt am Morgen: Die Medienschau

Sachsen-Anhalt am Morgen: Die Medienschau

Medienschau: Was andere schreiben

Wir blicken in die Zeitungen:

  • "Wildwarner floppen im Pilotprojekt" – die "Volksstimme" schaut sich die Unfallzahlen an und konstatiert: Zusammenstöße mit Wild sind Hauptursache für Autounfälle im Land. Ein Pilotprojekt mit Piepton und LED habe daran nichts ändern können. An der Hochschule Magdeburg-Stendal, heißt es, wird noch ein zweites entwickelt, das den Autofahrer besser und früher warnen soll.
  • "E-Autos gefährden Jobs" – die "Mitteldeutsche Zeitung" fragt in ihrer Printausgabe, wie es sich auf Sachsen-Anhalt auswirkt, wenn der Verbrennungsmotor – wie vielfach diskutiert – im kommenden Jahrzehnt vor dem Aus steht. Jeder vierte Arbeitsplatz sei unter anderem bei den 26.000 Beschäftigten in der Zuliefererindustrie des Landes gefährdet.


Neben einer Grafik mit der Aufschrift -Tipp am Morgen- ist die Zeichnung eines Fingers zu sehen, der auf ein Smartphone zeigt.
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Sachsen-Anhalt am Morgen: Tipp am Morgen

Sachsen-Anhalt am Morgen: Tipp am Morgen

Tipp: Weinwandern an Saale, Weißer Elster und Co.

Diesmal gibt es keinen Lese- oder Video-Tipp, sondern etwas für die frische Luft: Sie suchen nach einem Ausflugsziel fürs Wochenende? – Bittesehr: Falls es Ihnen bei der Einheits-Feier in Halle zu voll ist, habe ich eine Hand voll Tipps für einen Ausflug in die Natur parat. Sechs Routen für mögliche Weinwanderungen im Süden Sachsen-Anhalts haben meine Kollegen für Sie zusammengetragen. Es geht an die Saale, die Unstrut, zu den Mansfelder Seen, zum Geiseltalsee oder an die Weiße Elster.

Neben einer Grafik mit der Aufschrift -Was außerdem wichtig wird- ist die Zeichnung einer Person zu sehen, die durch ein Fernglas sieht.
Bildrechte: MDR/Maximilian Schörm

Sachsen-Anhalt am Morgen: Was heute außerdem wichtig wird

Sachsen-Anhalt am Morgen: Was heute außerdem wichtig wird

Was heute außerdem wichtig wird

Da gibt es heute auch einen kleinen Ausblick auf ein Wochenende:

  • 📌 Die Einheitsfeierlichkeiten zum 3. Oktober gehen in Halle auf den Festakt am Sonntag zu, wenn Kanzlerin Angela Merkel in der Saalestadt erwartet wird. Bereits heute Abend empfängt Ministerpräsident Reiner Haseloff Bürgerdelegationen aus den anderen Bundesländern in Bad Lauchstädt. Allesamt Menschen, die dafür gewürdigt werden sollen, dass sie sich ehrenamtlich besonders engagieren.

  • 👑 In Magdeburg wird das große Kaiser-Otto-Fest 2021 gefeiert, von heute an bis Sonntag. Wegen der Corona-Pandemie gibt es Zeitfenster, die die Besucher buchen können.
  • ⛵ Die Unterwasser-Untersuchungen im Arendsee gehen heute zu Ende. Taucher schauen sich dabei ein mittelalterliches Prahmboot auf dem Boden des Sees an, das im Jahr 2022 geborgen werden soll.

  • 🚗 Achtung auf der A2: Die große Baustelle auf der Elbbrücke hat die Seiten gewechselt und engt den Verkehr jetzt in Richtung Berlin ein.

Das war der Überblick am Freitagmorgen und ich wünsche Ihnen ein wunderbares Wochenende. Am Montag begrüßt Sie meine Kollegin Cornelia Winkler. Bis bald, auf Wiederlesen!

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Quelle: MDR SACHSEN-ANHALT

4 Kommentare

BerndG. vor 8 Wochen

Wie soll es keine Rolle spielen ob man " Ostdeutscher " ist , wenn die Unterschiede politisch am kochen gehalten werden .Wir werden 31 Jahre nach dem Zusammenschluss noch behandelt wie Menschen zweiter Klasse . Ich bin überzeugt das wird sich nie ändern , Sachsen Anhalt war schon früher das Armenhaus von Deutschland .

harzer vor 8 Wochen

Wir sind stolz Ostdeutsche zu sein, gebürtige Deutsche mitte der 40er Jahre geboren ! Wir sind für diese Vereinigung aud den Strassen gegangen. was wir heute bereuen!!

Wir lebten ruhiger, und die Menschen waren bei uns nicht so gehäßig!

eeee vor 7 Wochen

Erschreckend für mich ist das dümmlich naive Weltbild vieler Wessi's und auch der nach dem Anschluß geborenen

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