22.10.2021 | Sachsen-Anhalt am Morgen Zahlreiche umgestürzte Bäume nach Sturmtief "Ignatz" – Straßen aber wieder frei

Mandy Ganske-Zapf
Bildrechte: MDR/André Plaul
Umgefallene Bäume im Harz
Besonders im Harz hinterließ "Ignatz" Spuren. Bildrechte: MDR/Matthias Strauss

Sachsen-Anhalt am Freitagmorgen: Ich hoffe, Sie sind gut durch den stürmischen Donnerstag gekommen, ebenso durch die Nacht. Im Morgen-Update schauen wir auf die Lage nach "Ignatz" – und was der Freitag wettertechnisch bringen soll (Spoiler: beruhigt sich nur langsam, aber immerhin). Außerdem ein Thema: Lehrermangel im Land, was ja quasi ein "Dauerbrenner" ist, weil es seit Jahren ein immer drängenderes Problem wird. Heute wollen Eltern wegen der schlechten Lage an einer Grundschule in Aken demonstrieren. Ich bin Mandy Ganske-Zapf und hier kommt Ihr Morgen-Update.


Neben einer Grafik mit der Aufschrift -Thema des Morgens- ist die Zeichnung einer Kaffeetasse zu sehen.
Bildrechte: MDR/Maximilian Schörm

Sachsen-Anhalt am Morgen: Das Thema des Morgens

Sachsen-Anhalt am Morgen: Das Thema des Morgens

"Ignatz" in Sachsen-Anhalt: Umgestürzte Bäume, Strom- und Zugausfälle

Das Sturmtief "Ignatz" hat uns alle am Donnerstag ordentlich in Schach gehalten. Wer konnte, blieb direkt zu Hause. Allerdings drohte auch da Ungemach und es ist möglich, dass einige von Ihnen noch immer betroffen sind: von den Stromausfällen in Mitteldeutschland. Wie der Energieversorger Mitnetz (Mitteldeutsche Netzgesellschaft) mitteilte, hat es Stromausfälle in Sachsen-Anhalt vor allem im Burgenlandkreis und im Saalekreis gegeben. Auch im Salzlandkreis kam es nach Angaben der dortigen Leitstelle zu vereinzelten Stromausfällen.

Immerhin: Der Chemiestandort Leunawerke war nach Angaben eines Sprechers nicht in Mitleidenschaft gezogen, das aber vor allem deshalb, weil der Standort über eigene Kraftwerke verfügt und autark ist.

Bis in den Abend ging Mitnetz davon aus, dass die Lage in Sachsen-Anhalt wieder schnell in Ordnung kommen würde. Die Mitarbeiter von Mitnetz seien im Einsatz. Andere Regionen wurden als schwierigere Fälle eingeordnet, etwa Leipzig oder der Landkreis Bautzen. In einer Pressemitteilung hieß es:

... nach dem Abflauen des Sturmtiefs 'Ignatz' entspannt sich das Störungsgeschehen im Netzgebiet von Mitnetz Strom. Aktuell sind noch rund 7.000 Kunden ohne Strom. In der Spitze waren es rund 55.000 Kunden.

Mitnetz Strom zur Lage in Mitteldeutschland

Der Grund für die Stromausfälle waren vor allem umgestürzte Bäume und dadurch beschädigte Stromleitungen. Bäume hatten auch das Straßengeschehen stark beeinträchtigt. Es gab drei Verletzte:

  • In Wittenberg wurde nach Angaben der Rettungskräfte ein Radfahrer von einem umstürzenden Baum getroffen. Per Rettungshubschrauber musste der Schwerverletzte ins Krankenhaus geflogen werden.
  • Verletzte auch im Harz, dort mussten die Rettungskräfte zwei Autofahrer aus ihren Fahrzeugen befreien. Einmal bei Elend, wo ein Auto von einem Baum getroffen worden war. Später stürzte bei Harzgerode ein Baum auf ein Auto.

"Ignatz" oder "Hendrik" – Verwirrung um Sturmtiefnamen

Das aktuelle Sturmtief kursiert mal als "Ignatz" mal als "Hendrik". Zu tun hat es damit, dass es sich bei dem Sturm am Donnerstag genau genommen schon um "Hendrik" handelte – obschon die meisten Medien noch von "Ignatz" schrieben. Wir auch, selbst noch heute Morgen. Beim Deutschen Wetterdienst wird das Tief, das in den vergangenen zwei Tagen über Deutschland hinweg gezogen ist, auch Tiefdruckkomplex um "Ignatz" und "Hendrik" genannt. Da es heute weiter stürmisch bleibt, wäre das dann wohl sehr eindeutig Hendrik zuzuschreiben (oder vielleicht dann Hendrik 2, wie die Kolleginnen und Kollegen von T-Online vorschlagen).

Straßensperrungen gibt es laut MDR-JUMP-Verkehrszentrum aktuell nicht mehr in Sachsen-Anhalt, immerhin ist auch die Elbfähre Prettin wieder am Start, allerdings fahren die Fähren Pretzsch, Aken, Rogätz und Barby noch nicht. (Coswig sowieso auch nicht, aber wegen der laufenden Wartungsarbeiten).

Der Bahnverkehr stand wegen des Sturms am Donnerstag noch zeitweise komplett still in Mitteldeutschland. Die Bahn teilte mit, Sperrungen gebe es nun nicht mehr, allerdings sei noch im gesamten Bundesgebiet mit Verspätungen und Zugausfällen zu rechnen (in unseren Gefilden betreffe das vor allem den RE1 mit Blick auf Berlinfahrende). Alle weiteren Konsequenzen aus "Ignatz" haben die Kolleginnen und Kollegen hier zusammengetragen:

Und das Wetter heute so?

Der Freitag soll nun ruhiger starten. Trotzdem bleibt es ungemütlich. Der Deutsche Wetterdienst (DWD) teilte mit, dass es auf dem Brocken bei schweren Sturm- und Orkanböen bleibt. Sonst wehe zunächst mäßiger, anfangs teils frischer Südwestwind mit Windböen, ABER: Im Zuge des Vormittags soll es dann auch im Tiefland wieder Böen mit Geschwindigkeiten von um die 55 Kilometer pro Stunde geben und ab Mittag auch Sturmböen mit einer Windgeschwindigkeit von 70 bis 85 Kilometer die Stunde. Unser MDR-Wetter-Mann Jörg Schröder fasst es so zusammen:

Ignatz bleibt ein wenig gnatzig, aber ganz so stark wie gestern wird der Wind nicht.

Jörd Schröder aus dem MDR-Wetterstudio

Schauerartiger Regen soll auch noch reinziehen, und die Temperaturen in höheren Lagen auf 3 bis 6 Grad fallen, im Flachland sollen es 12 Grad Celsius werden. Heute also weiter Obacht. ☔💨

Lehrermangel – Eltern in Aken gehen auf die Straße

Lehrermangel – da erzähle ich Ihnen, zumal, wenn Sie Kinder im Schulalter haben, wahrlich nichts Neues – bleibt in Sachsen-Anhalt ein großes Problem. Und wie sich zeigt, wird sich das sobald nicht ändern. Die Ergebnisse der jüngsten Ausschreibungsrunde des Bildungsministeriums lassen jedenfalls nichts Gutes ahnen. Wie das Ministerium auf eine dpa-Anfrage antwortete, hat sich nicht einmal für jede zweite Stelle ein Interessent gefunden:

Von den über 900 ausgeschriebenen Stellen blieben 500 Stellen ohne Bewerbung.

Bildungsministerium Sachsen-Anhalt

Ein besonders prekäres Beispiel für die dünne Personaldecke und die Folgen ist gerade die Sekundarschule am Burgtor in Aken (Landkreis Anhalt-Bitterfeld). Wie Schulleiter Hans-Rainer Homann MDR SACHSEN-ANHALT bestätigt, gibt es dort nur eine Unterrichtsversorgung von knapp mehr als 50 Prozent. Der Grund seien Krankheitsfälle. Fächer wie Kunst, Geschichte oder Ethik werden für die Klassen fünf bis neun demnach zur Zeit gar nicht erteilt. Homann erklärte, die einzige Chance sei, neue Unterrichtskonzepte anzugehen. Das Landesschulamt prüfe gerade, ob zum Beispiel die Unterrichtszeit von 45 auf 40 Minuten gekürzt werden könne.

Ab 9 Uhr soll es in Aken am Freitagmorgen eine Demonstration gegen den Lehrermangel geben. Das teilte MDR SACHSEN-ANHALT der Elternbeirat der Schule mit.


Soweit unsere wichtigsten Themen am Freitagmorgen. Der Tag bringt aber natürlich noch mehr: Wie Gerüstbauer mit digitaler Technik schneller und effizienter arbeiten. Wie viel Wein in Sachsen-Anhalt steckt – und es gibt zwei Lesetipps, einmal über die Grünen und ihre Politik in den Dörfern (und wie viel da aufzuholen ist), zum anderen aus der ZEIT, die nämlich mal in Stendal aus dem ICE gestiegen ist (Halleluja).

Los geht's!

Neben einer Grafik mit der Aufschrift -Das Video des Morgens- ist die Zeichnung eines Monitors mit einem Start-Button zu sehen.
Bildrechte: MDR/Maximilian Schörm

Sachsen-Anhalt am Morgen: Das Video des Morgens

Sachsen-Anhalt am Morgen: Das Video des Morgens

Video des Morgens: So geht moderner Gerüstbau

Vom Handwerk gibt es oft ziemlich altertümliche Vorstellungen (nichts gegen Handwerkstradition, die sich erhält). Aber, dass oftmals komplett digitalisierte Geräte, Großmaschinen oder spezielle Software zum Einsatz kommen, wird noch viel zu wenig gesehen. Vermutlich, das kann einem öfter in den Sinn kommen, wurde auch deshalb die notwendige Digitalisierung auf dem Land oft unterschätzt (da geht es ja nicht nur um Netflix für alle). Neue digitale Technik bewirkt zum Beispiel beim Gerüstbauer in der Firma von Marcel Henne in Zielitz (Landkreis Börde), dass Objekte per Drohne aus der Luft aufgenommen und dann effizienter am Rechner vermessen werden können.

Wie das aussieht, hat sich Marc Burgemeister für MDR SACHSEN-ANHALT HEUTE angeschaut:


Neben einer Grafik mit der Aufschrift -#MDRklärt, Schlauer in einer Minute- ist die Zeichnung eines Luftstoßes zu sehen, der aus einem gezeichneten Kopf ausstößt.
Bildrechte: MDR/Maximilian Schörm

Sachsen-Anhalt am Morgen: #MDRklärt - Schlauer in einer Minute

Sachsen-Anhalt am Morgen: #MDRklärt - Schlauer in einer Minute

#MDRklärt: Sachsen-Anhalt zur Weinlese

Der Herbst kam dieses Jahr schnell, und bei dem ollen Wetter lässt sich genauso schnell vergessen, dass gerade noch die Weinlese in Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen läuft. Zwei der 13 Weinanbaugebiete in Deutschland liegen ja in Mitteldeutschland: das nördlichste (Saale-Unstrut) sowie das östlichste (Sachsen). Auch wenn in Mitteldeutschland die kleinsten Anbaugebiete für Qualitäts- und Prädikatswein bundesweit sind, so konnten sie ihren Ertrag in den vergangenen Jahren doch leicht steigern, auf in 2020 ganze 63.000 Hektoliter Wein. Unser #MDRklärt:

Neben einer Grafik mit der Aufschrift -Die Medienschau- ist die Zeichnung einer Tageszeitung zu sehen.
Bildrechte: MDR/Maximilian Schörm

Sachsen-Anhalt am Morgen: Die Medienschau

Sachsen-Anhalt am Morgen: Die Medienschau

Medienschau: Was andere schreiben

  • "Achtung, hier filmt die Polizei!" – die Volksstimme schaut sich in ihrem Print-Aufmacher die Überwachung von öffentlichen Plätzen in Sachsen-Anhalt an. Im Einsatz sind demnach 75 Kameras an 19 öffentlichen Plätzen. Vor zehn Jahren waren es noch acht.
  • "Terrorplanung in der Zelle" – gab es eine Gefährdung durch den Attentäter von Halle auch aus dem Gefängnis heraus? Die "Mitteldeutsche Zeitung" berichtet heute auf der Titelseite der Print-Ausgabe, der Attentäter habe in seiner Zelle eine Anleitung zum Waffenbau geschrieben und habe diese per Brief verschicken wollen. Gefängnisaufseher hätten das Schreiben noch abgefangen. Nach Informationen der MZ ermittle nun die Staatsanwaltschaft.
  • "Halt im Nirgendwo" – "Stendal, ich will Dich sehen", schreibt ZEIT-Autor Martin Machowecz in seinem Text und stiefelt dann auch durch die schöne Stadt in der Altmark. Charmant lässt er sich auf den Besuch ein und muss gleich aufpassen, als er bei der Rolandfigur direkt – naja, wie sag ich das ¯\_(ツ)_/¯ – aus Sachsen-Anhalt-Sicht die "falsche Frage" stellt:

– Wir haben den größten Roland in Deutschland, sagt ein Herr.
– Den was?

Die ganze Reportage gibt es hier zu lesen (im Moment noch nicht Paid).


Neben einer Grafik mit der Aufschrift -Tipp am Morgen- ist die Zeichnung eines Fingers zu sehen, der auf ein Smartphone zeigt.
Bildrechte: MDR/Maximilian Schörm

Sachsen-Anhalt am Morgen: Tipp am Morgen

Sachsen-Anhalt am Morgen: Tipp am Morgen

Tipp: Grüne suchen nach Anschluss auf dem Land

Eine Fahrt ins Grüne heißt meistens: raus aus der Stadt. Wenn die Grünen gerade auf dem Land unterwegs sind, suchen sie sich da auch ein bisschen selbst. Zur Landtagswahl vom 6. Juni blieben die Grünen mit 5,9 Prozent nämlich landesweit unter den Prognosen und machten in der Landesregierung schließlich der FDP Platz. Immerhin in Halle haben sie mit ihrem Direktkandidaten Wolfgang Aldag abgeräumt (wenn auch nicht den Wahlkreis gewonnen). Bei ihm fängt mein Kollege Thomas Vorreyer seine Recherche an zur Frage, wie die Grünen im Ländlichen Anschluss finden wollen. Möchte ich Ihnen heute Morgen unbedingt ans Herz legen:

Neben einer Grafik mit der Aufschrift -Was außerdem wichtig wird- ist die Zeichnung einer Person zu sehen, die durch ein Fernglas sieht.
Bildrechte: MDR/Maximilian Schörm

Sachsen-Anhalt am Morgen: Was heute außerdem wichtig wird

Sachsen-Anhalt am Morgen: Was heute außerdem wichtig wird

Was heute außerdem wichtig wird

  • ⛪ In Halberstadt beginnt heute um 11 Uhr die Einlagerung des Halberstädter Domstollens in den Remterkeller des Doms. Bäckermeister Peter Potratz und Mathias Hlady haben bereits seit Sommer an der Vorbereitung gearbeitet.
  • ⚖ Vor dem Landgericht Magdeburg müssen sich ab heute zwei Männer aus Quedlinburg wegen Drogenhandels und Besitzes von Falschgeld verantworten. Den beiden werden insgesamt mehr als 20 Straftaten vorgeworfen. Bei dem Handel mit mehreren Kilogramm Drogen soll der Hauptangeklagte Bruttoeinnahmen von über eine Million Euro erzielt haben.

  • 🏆 Noch mal Halberstadt, diesmal mit Kultur – dort gibt es um 18 Uhr die Verleihung des Gleim-Literaturpreises an den Literaturwissenschaftler, Dichter und Übersetzer Heinrich Detering für seine Publikation "Menschen im Weltgarten. Die Entdeckung der Ökologie in der Literatur von Haller bis Humboldt".

  • 🎼 In Lutherstadt Wittenberg wird um 19 Uhr die Eröffnung des 16. Wittenberger Renaissance Musikfestivals mit einem Konzert gefeiert. Das Festival läuft bis 31. Oktober unter dem Motto "...und sing und spring ohn alles Leid - Michael Praetorius und die Musik seiner Zeit"

  • 💡 Heute ab 19 Uhr geht es bei den Stendaler Lichttagen weiter, die gestern Abend eröffnet wurden.

Das war unser Morgen-Update für diesen Freitag. Ich wünsche schon mal ein schönes Wochenende! Bis bald und auf Wiederlesen 🙂

Über Themen aus "Sachsen-Anhalt am Morgen" berichtet MDR SACHSEN-ANHALT... ...im Hörfunk | MDR SACHSEN-ANHALT – Das Radio wie wir | ab 05:00 Uhr
...im Fernsehen | MDR um 11 | 11:00 Uhr
...im Fernsehen | MDR SACHSEN-ANHALT HEUTE | 19:00 Uhr

Quelle: MDR SACHSEN-ANHALT

1 Kommentar

Maria A. vor 6 Wochen

Also mir kamen heute am Morgen gleich ungute Erinnerungen an den Sturm Kyrill auf, bei dem es für uns persönlich nicht nur mit nachfolgendem Beseitigen von Laub und Kiefernnadeln in mehreren Säcken abging... Da es heute nochmals ordentlich Wind geben soll, wird die Großaktion Herbstputz für kommenden Montag angesetzt, wenn sich die Herbstgeister bis dahin beruhigt haben.

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