20.10.2021 | Sachsen-Anhalt am Morgen Kohleregionen fürchten früheren Ausstieg

Volontärin Fabienne von der Eltz
Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK
Schaufelradbagger im Tagebau
Die Pläne für einen früheren Kohleaussteig sorgen in den betroffenen Regionen für Kritik. Bildrechte: imago images/blickwinkel

Sachsen-Anhalt am Mittwochmorgen: SPD, Grüne und FDP im Bund haben mit ihren Plänen für einen vorgezogenen Kohleausstieg die Diskussionen um eine eigentlich beschlossene Sache neu entfacht und in den betroffenen Regionen für Kritik gesorgt. Auch Ministerpräsident Reiner Haseloff hat sich zu den Plänen geäußert. Außerdem plant Sachsen-Anhalt ein Corona-Sondervermögen in Höhe von zwei Milliarden Euro. Ich bin Fabienne von der Eltz – und hier kommt Ihr Morgen-Update.


Neben einer Grafik mit der Aufschrift -Thema des Morgens- ist die Zeichnung einer Kaffeetasse zu sehen.
Bildrechte: MDR/Maximilian Schörm

Sachsen-Anhalt am Morgen: Das Thema des Morgens

Sachsen-Anhalt am Morgen: Das Thema des Morgens

Reaktion aus den betroffenen Regionen auf Pläne für früheren Kohleausstieg

SPD, Grüne und FDP, die im Bund gerade eine gemeinsame Regierungskoalition sondieren, wollen den für 2038 geplanten Ausstieg aus der Braunkohle vorziehen, wenn möglich schon auf das Jahr 2030. Die Pläne der Parteien haben die Diskussion um den für 2038 beschlossenen Kohleausstieg wieder angefacht und in den betroffenen Regionen für Kritik gesorgt.

Wir beobachten die Diskussionen in Berlin mit Argwohn.

Andy Haugk, parteilos Bürgermeister von Hohenmölsen

Der Bürgermeister von Hohenmölsen im Burgenlandkreis, Andy Haugk (parteilos), sagte MDR SACHSEN-ANHALT: "Wir hatten eine Kommission, die einen hart errungenen Kompromiss zum Kohleausstieg erarbeitet hat. Auf den haben wir uns im Kernrevier eingestellt und wir sind darauf angewiesen." Wenn der Kohleausstieg noch früher kommen sollte, sei unklar, wie Wachstum, Beschäftigung und Strukturwandel bewältigt werden sollen. Deshalb müsse an den ursprünglichen Plänen festgehalten werden.

Unsicherheit bei MIBRAG-Beschäftigten

Auch beim Braunkohle-Förderer MIBRAG in Profen gibt es Kritik. Betriebsratschef Volker Jahr sagte MDR SACHSEN-ANHALT, die MIBRAG baue Personal ab, um sich für die Zukunft aufzustellen. Überlegungen zu einem früheren Kohleausstieg brächten viel Unruhe in die Belegschaft. Es gelte aber abzuwarten, was im Koalitionsvertrag der neuen Bundesregierung festgeschrieben werde.

Die MIBRAG reduziert ihre Belegschaft derzeit auf das notwendige Maß für die Zeit nach dem Kohleausstieg. Bis zum Jahresende werden noch einmal 430 Mitarbeitende in den Ruhestand geschickt. Dann könne man Rekultivierungsmaßnahmen angehen. Aus dem Kohlerevier soll der "Energie- und Industriepark Profen" werden, der grünen Strom liefern und speichern soll. Das ist bis 2030 nicht aber zu schaffen, sagen Kommunalpolitiker.

Revierpark Profen

Der ehemalige Tagebau, Revierpark Profen, wird wird sich selbst überlassen. Hier kann sich die Natur neu entfalten. Doch der leere und karge Park wirkt eher verlassen.

eine alte Baggerschaufel steht im Gras.
Vor dem Revierpark Profen ragt eine alte Baggerschaufel aus dem Gras. Bildrechte: MDR/Uli Wittstock
eine alte Baggerschaufel steht im Gras.
Vor dem Revierpark Profen ragt eine alte Baggerschaufel aus dem Gras. Bildrechte: MDR/Uli Wittstock
Ein verwittertet und löchriges Schilt im Geäst
Der Parkplan ist schon sichtlich von der Zeit gezeichnet. Bildrechte: MDR/Uli Wittstock
mehrere Sandhalden
Weiter hinten im Park ragen riesige Sandhalden auf. Bildrechte: MDR/Uli Wittstock
mehrere Sandhalden
Auf dem kargen Untergrund wächst kaum ein Baum. Bildrechte: MDR/Uli Wittstock
mehrere Sandhalden
Die Natur wirkt hier wie eine Mischung aus Sahara und Tundra. Bildrechte: MDR/Uli Wittstock
Ein See
Hinter dem vielen Sand erreicht man einen See. Bildrechte: MDR/Uli Wittstock
Ein Schild mit der Aufschrift "Baden verboten" vor einem sandigen Weg.
Doch Baden, Segeln oder Campen sind hier verboten. Bildrechte: MDR/Uli Wittstock
Alle (7) Bilder anzeigen

Ministerpräsident Haseloff hält früheren Kohleausstieg für kaum machbar

Auch Sachsen-Anhalts Landesregierung will an den ursprünglichen Plänen für einen Kohleausstieg 2038 festhalten. Ministerpräsident Reiner Haseloff (CDU) sagte gestern bei einer Pressekonferenz, er halte einen vorgezogenen Ausstieg für wirtschaftlich nicht umsetzbar.

Es wird eine Energielücke entstehen, die wir nicht schließen können.

Reiner Haseloff, CDU Ministerpräsident Sachsen-Anhalt

Bei der Diskussion gehe es auch um politische Glaubwürdigkeit und Verlässlichkeit, sagte Haseloff weiter. Das Versprechen, dass für jeden weggefallenen Arbeitsplatz ein neuer entsteht, könne bei einer Halbierung der Ausstiegszeit nicht eingehalten werden.

Haseloff fordert andere Spielregeln

Veränderte Rahmenbedingungen für die betroffenen Reviere seien die einzige Möglichkeit, den Kohleausstieg auf 2030 vorzuziehen, sagte Haseloff MDR AKTUELL. Alles andere würde ins Chaos führen. Technische Projekte brauchten Zeit, um in Gang zu kommen. Bei einem vorgezogenen Kohleausstieg könnten die normalen Instanzen und Fristen nicht eingehalten werden. Als Beispiel nannte er die Errichtung von Gewerbegebieten oder die Elektrifizierung von Bahnstrecken.

Schicht im Schacht - Logo
Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Soweit unser wichtigstes Thema am Morgen. Außerdem erfahren Sie, wie die verschmutzte Ehle in Egeln gesäubert werden soll, welche Regeln für Straßenmusiker gelten und was heute sonst noch wichtig wird.


Neben einer Grafik mit der Aufschrift -Das Video des Morgens- ist die Zeichnung eines Monitors mit einem Start-Button zu sehen.
Bildrechte: MDR/Maximilian Schörm

Sachsen-Anhalt am Morgen: Das Video des Morgens

Sachsen-Anhalt am Morgen: Das Video des Morgens

Video: So soll die verschmutzte Ehle wieder sauber werden

In Egeln im Salzlandkreis stand früher ein Alkaliwerk. 2018 wurde bekannt, dass die Ehle mit giftigen Chlorverbindungen belastet ist. Damals war die Aufregung groß, zwischenzeitlich durften Kinder einer benachbarten Kita nicht mehr draußen spielen. Noch heute gelten am Ufer Vorsichtsmaßnahmen. Die Ablagerungen im Flussbett können giftig sein. Nun soll die Ehle saniert und endlich wieder sauber werden.

Dafür sind verschiedene Ansätze im Gespräch. Möglich ist ein Bodenaustausch, die Abdeckung belasteter Areale oder eine Umverlegung von Teilen des Flusses. Wahrscheinlich wird es eine Kombination der Maßnahmen werden – je nach Abschnitt des Flusses. Doch die Sanierung der Ehle wird lange dauern und teuer werden. Selbst in der Minimalvariante wird sie schätzungsweise bis zu 22 Millionen Euro kosten.


Neben einer Grafik mit der Aufschrift -#MDRklärt, Schlauer in einer Minute- ist die Zeichnung eines Luftstoßes zu sehen, der aus einem gezeichneten Kopf ausstößt.
Bildrechte: MDR/Maximilian Schörm

Sachsen-Anhalt am Morgen: #MDRklärt - Schlauer in einer Minute

Sachsen-Anhalt am Morgen: #MDRklärt - Schlauer in einer Minute

#MDRklärt: Diese Regeln gelten für Straßenmusiker

Dieser Fall hat kürzlich für Unmut gesorgt: In Stendal soll ein Straßenmusiker ein Bußgeld wegen "ruhestörenden Lärms" zahlen. 53,50 Euro kostet ihn das, wie die Stadtverwaltung Anfang der Woche mitteilte. Mehrere Anwohnerinnen und Anwohner hatten sich regelmäßig über den stadtbekannten Musiker beschwert. Sie fühlten sich von seinem Gitarrenspiel und Gesang gestört. Der Mann hat einen Anwalt eingeschaltet.

Bunt verkleideter Mann mit einem Turm aus Eiern auf dem Kopf in der Fußgängerzone von Halle
Ein Straßenmusiker in der Fußgängerzone von Halle. (Archivbild) Bildrechte: MDR/Paula Kautz

Tatsächlich dürfen Musikerinnen und Musiker sich nicht einfach in die Fußgängerzone stellen und loslegen. Wer auf der Straße musizieren und sich den Aufwand einer Sondergenehmigung sparen möchte, muss einige Regeln beachten: Die Dauer der Musik, Nutzung elektronischer Verstärker oder ein regelmäßiger Standortwechsel sind gesetzlich festgelegt.

Allerdings gibt es keine länderübergreifende Regelung. Musikerinnen und Musiker müssen sogar je nach Stadt andere Regeln einhalten. Das reicht von einer einfach gehaltenen Regelung in Magdeburg, die lediglich die Dauer bis zu einem Ortswechsel vorschreibt und Verstärker verbietet, bis hin zu einer komplizierten Regelung in Dresden, die auf bestimmte Gebiete und monatsabhängige Standortwechsel verweist. Unser #MDRklärt am Mittwoch:

Neben einer Grafik mit der Aufschrift -Die Medienschau- ist die Zeichnung einer Tageszeitung zu sehen.
Bildrechte: MDR/Maximilian Schörm

Sachsen-Anhalt am Morgen: Die Medienschau

Sachsen-Anhalt am Morgen: Die Medienschau

Medienschau: Was andere schreiben

  • "Land macht Milliarden locker" – die Magdeburger Volksstimme berichtet über das Corona-Sondervermögen in Höhe von knapp zwei Milliarden Euro, das die Landesregierung für den Nachtragshaushalt vorgeschlagen hat (€)
  • "Corona-Virus grassiert unter Sachsen-Anhalts Kindern" – die Mitteldeutsche Zeitung berichtet über den starken Anstieg der Corona-Inzidenzen bei Kindern zwischen fünf und 14 Jahren, der aktuell vor allem im Süden Sachsen-Anhalts erkennbar ist.


Neben einer Grafik mit der Aufschrift -Tipp am Morgen- ist die Zeichnung eines Fingers zu sehen, der auf ein Smartphone zeigt.
Bildrechte: MDR/Maximilian Schörm

Sachsen-Anhalt am Morgen: Tipp am Morgen

Sachsen-Anhalt am Morgen: Tipp am Morgen

Tipp: Umfrage zum Handwerkermangel

Fast alle Teilnehmerinnen und Teilnehmer einer aktuellen MDRfragt-Befragung sind der Meinung, dass nicht genug gegen den Handwerkermangel getan wird (94 Prozent). Die überwiegende Mehrheit (83 Prozent) hat außerdem angegeben, dass sie es immer schwieriger findet, einen Handwerkertermin zu bekommen.

Als geeignetes Mittel im Kampf gegen den Handwerkermangel nennen mehr als zwei Drittel der Beteiligten eine bessere Bezahlung. Um mehr Auszubildende für das Handwerk zu gewinnen, hält eine Mehrheit der Befragten eine bessere Berufsorientierung für sinnvoll.

Neben einer Grafik mit der Aufschrift -Was außerdem wichtig wird- ist die Zeichnung einer Person zu sehen, die durch ein Fernglas sieht.
Bildrechte: MDR/Maximilian Schörm

Sachsen-Anhalt am Morgen: Was heute außerdem wichtig wird

Sachsen-Anhalt am Morgen: Was heute außerdem wichtig wird

Was heute außerdem wichtig wird

  • 📖 Die Frankfurter Buchmesse öffnet. Unter dem Motto "Re:connect - Welcome back to Frankfurt" sind laut Veranstalter 2.000 Aussteller aus 80 Ländern vor Ort, mehr als 1.000 Veranstaltungen sind vorbereitet. Das Ehrengastland ist Kanada.
  • 🌲 Wegen angekündigter Sturmböen rät der Nationalpark Harz in den kommenden Tagen von Waldbesuchen ab. Es besteht Gefahr durch herunterfallende Äste und Bäume, die umstürzen können.
  • ⛸ Berufsorientierung beim Eislaufen: Die Agentur für Arbeit Halle lädt zu einer Berufsorientierungsmesse in den Sparkassen-Eisdom ein, inklusive kostenlosem Eislaufen für Schülerinnen und Schüler.
  • 🏆 Preisverleihung: In Halle wird am Abend der Hannes-Meyer-Preis für besondere und zeitgemäße Architektur in Sachsen-Anhalt vergeben.
  • 👮 Die Polizei im Jerichower Land warnt vor falschen Polizisten. Sie hat mehrere Hinweise zu Anrufen von vermeintlichen Polizisten bekommen und rät davon ab, persönliche Daten preiszugeben.


Damit wünsche ich Ihnen einen angenehmen Mittwoch! Alle weiteren News und Entwicklungen des Tages findes Sie auf unserer Webseite und in der MDR AKTUELL-App. Morgen schaut Olga Patlan an dieser Stelle auf das Wichtigste zum Tagesbeginn.

Über Themen aus "Sachsen-Anhalt am Morgen" berichtet MDR SACHSEN-ANHALT... ...im Hörfunk | MDR SACHSEN-ANHALT – Das Radio wie wir | ab 05:00 Uhr
...im Fernsehen | MDR um 11 | 11:00 Uhr
...im Fernsehen | MDR SACHSEN-ANHALT HEUTE | 19:00 Uhr

Quelle: MDR SACHSEN-ANHALT

10 Kommentare

Eulenspiegel vor 5 Wochen

Hallo Anni
Da haben sie Recht. Deutschland kann den globalen Klimawandel nicht alleine aufhalten. Das erwartet aber auch niemand von unserem Land. Deutschland ist da ja noch nicht ein mal an der Spitze. Wir bewegen uns da im Mittelfeld. Da gibt es sogar schon einige Afrikanische Staaten die uns da was vor machen. Das was sie als Vorsorge bezeichnen ist auf jeden Fall richtig wenn man bedenkt selbst wenn wir ab Morgen sämtliche Treibhausgase auf Null setzen dann würde der Klimawandel erst nach etwa dreißig Jahren zum Stillstand kommen. Von der Rückendwicklung ist aber dann noch keine Rede.

Anni22 vor 5 Wochen

@ Thommy So wie es aussieht werden wir Beides bekommen, viele Arbeitslose und den Klimawandel. (Sie glauben doch nicht ersthaft, dass wir Deutschen den Klimawandel aufhalten werden?) Ich würde echt mehr auf Vorsorge setzen, Hochwasserschutz aber auch Rückhaltebecken für Dürren. Klimaanlagen für Hitzeperioden und widerstandsfähiges Saatgut. usw usw.

AlexLeipzig vor 5 Wochen

Ach was, eine Kohlegrube sättigt also? Meiner Meinung nach sind ein Acker, klares Wasser und eine intakte Umwelt besser geeignet für den Lebensmittelanbau.

Mehr aus Sachsen-Anhalt