Gesundheitsversorgung Notstand und Notfälle: Wie das Coronavirus die Krankenhäuser beeinflusst hat

Tom Gräbe
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Die Corona-Pandemie hat die Krankenhäuser in Sachsen-Anhalt an ihre Grenzen gebracht. Erkranktes Personal, geschlossene Stationen und vorgehaltene Intensivbetten für Coronapatienten: ein Überblick über die Krankenstationen im Land.

An einem Haus steht Krankenhaus.
In vielen Krankenhäusern hat Corona für Ausfälle gesorgt. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Hohe Arbeitsbelastung, Personalausfall, für Covid-19-Patienten gesperrte Betten: Während der Corona-Pandemie sind einige Krankenhäuser im Land zwischenzeitlich an Kapazitätsgrenzen geraten.

Beispielsweise hat der Krankenhausbetreiber AMEOS im Salzlandkreis häufiger Stationen seiner Kliniken bei der Rettungsleitstelle abgemeldet. Einzelne Stationen konnten dort zwischenzeitlich keine Patienten aufnehmen. Medizinische Leistungen waren teilweise nicht verfügbar. Das hatte auch Auswirkungen auf den Rettungsdienst. Notfälle nehmen die Krankenhäuser aber immer auf.

Situation der Krankenhäuser von AMEOS

Der Landkreis forderte AMEOS nach eigenen Angaben auf, dafür zu sorgen, dass in den Krankenhäusern medizinische Leistungen nur im Ausnahmefall abgemeldet werden. AMEOS-Regionalgeschäftsführer Freddy Eppacher sagte MDR SACHSEN-ANHALT: "Es gehört zum Regelgeschäft, dass Intensivstationen voll sind, dass OP-Säle belegt sind, dass Kreißsäle belegt sind, dass spezielle Funktionsdiagnostiken und radiologische Mittel begrenzt sind." Allerdings, so Eppacher weiter, "mussten wir in den letzten Monaten zu unserem maximalen Bedauern immer mehr feststellen, dass wir personell an den Kapazitätsgrenzen sind. Aufgrund der lang anhaltenden Corona-Pandemie und insbesondere der daraus resultierenden Erkrankungen unserer Mitarbeiterschaft."

Im Pflegedienst hätten sich zeitweise 124 Vollzeitkräfte krankgemeldet. Das sind rund 30 Prozent der Pflegenden in der Region von AMEOS Ost – mit Krankenhäusern im Salzlandkreis, im Harz und Haldensleben. Das sei eine Größenordnung, die in keinem Personalbestand irgendwie kompensierbar sei, so Eppacher. Wie die Bevölkerung erkrankt sei, wären auch Mitarbeiter erkrankt.

Personalausfälle durch Erkrankungen

Auch Corona-Folgeerkrankungen würden dafür sorgen, dass Mitarbeitende sehr lange ausfallen. Dazu kämen die normalen Krankheitsbilder, so Eppacher. Rücken, Knie, Hüfte: Krankheiten, die durch harte, körperliche Arbeit und psychische Belastungen entstehen.

Eine Folge: In den vergangen Monaten gab es auch längere Abmeldungen. Nachts und am Wochenende konnte der Krankenhausbetreiber bestimmte Diagnostiken nicht anbieten. In Schönebeck hat es Einschränkungen beim Betrieb des Kreißsaales gegeben.

Machtwort im Salzlandkreis

Der Krankenhausbetreiber AMEOS hatte im Salzlandkreis zwischen Anfang Januar und Anfang Mai so häufig Stationen oder Leistungen abgemeldet, dass die Kreisverwaltung reagieren musste. Dass Patientinnen und Patienten regelmäßig außerhalb des Salzlandkreises notfallmedizinisch versorgt werden müssten, entspreche nicht den Erwartungen an eine hochmoderne und leistungsfähige Infrastruktur, schreibt die Kreisverwaltung in einer Mitteilung.

"Dieser Zustand wirkt sich zudem negativ aus auf den Rettungsdienst, da die Erfüllung der gesetzlich vorgeschriebenen Hilfsfristen mitunter erschwert werden kann", so die Kreisverwaltung weiter. Der Landkreis hat den Krankenhausbetreiber deshalb eindringlich aufgefordert, medizinische Leistungen nur im Ausnahmefall abzumelden.

Wie Rettungsdienste das richtige Krankenhaus anfahren

Rettungswagen im Einsatz
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Rettungswagen steuern immer das nächstgelegene geeignete Krankenhaus an. Dazu kommunizieren die Rettungsleitstellen und Krankenhäuer seit 2020 über eine Internet-Anwendung: das sogenannte IVENA-System.

In dem System werden die Ressourcen der Krankenhäuser in Echtzeit erfasst. In welchen Stationen gibt es freie Betten? Ist der nächste Kreißsaal belegt? Das System hilft Rettungswagen-Besatzungen, das richtige Krankenhaus zu finden. Das Intervall zwischen Diagnose und Behandlung könne so auf ein Minimum reduziert werden, teilt das Innenministerium auf MDR-Anfrage mit. Das System arbeitet landkreisübergreifend.

Personalsituation auch ohne Corona angespannt

Die Situation scheint sich zu entspannen. "Wir merken, wie der Krankenstand sinkt und auch die psychische Belastung sinkt", sagt AMEOS-Regionalgeschäftsführer Freddy Eppacher. Der Krankenhausbetreiber hat reagiert. Es gebe Reha-Maßnahmen, um mit Long-Covid umzugehen. Angebote, die helfen sollen, mit der psychischen Belastung umzugehen. Der Regionalgeschäftsführer zeigt sich zuversichtlich, dass es gelingen wird, die Situation mit Abflachen der Pandemie zu normalisieren.

Dass die Personalsituation auch unter normalen Umständen bei allen Trägern sehr angespannt sei, das wäre nichts Neues, so Eppacher. "Da müsste man raus, indem wir dem Beruf mehr Wertschätzung entgegenkommen lassen, indem wir uns besser strukturieren, in dem wir mit der Ressource Gesundheitswesen vernünftig umgehen."

Situation der Krankenhäuser in Halle und Magdeburg

Auch andere Krankenhäuser in Sachsen-Anhalt mussten zwischenzeitlich Stationen oder Leistungen bei den Rettungsleitstellen abmelden. Im halleschen Klinikum Bergmannstrost konnte die Covid-Intensivstation an einigen Tagen keine Patienten aufnehmen. Die Innere Medizin war zeitweise überbelegt, teilte die Klinik mit. Auch die Neurologie war zeitweise abgemeldet. Das Personal wurde auf der Intensivstation und der Covid-Isolierstation gebraucht. Alle chirurgischen Fächer, also die Kernleistungen des Krankenhauses, waren aber immer aufnahmebreit gewesen.

Auch das Klinikum Magdeburg habe in den vergangenen Monaten ähnlich wie andere Kliniken im Land vereinzelt Bereiche abgemeldet. Das teilte das Klinikum mit. "Hintergrund ist, dass wir Betten sperren mussten, um Kapazitäten für Covid-19-Patienten zu schaffen." Notfallpatienten werden und wurden immer erstversorgt.

Situation der Krankenhäuser in Dessau und Weißenfels

Im Städtischen Klinikum Dessau hat es zwischen Januar und Anfang Mai keine Abmeldungen gegeben. Lediglich im Sankt-Joseph-Krankenhaus kam es Corona-bedingt an vier Tagen zu Schließungen von Stationen im Psychiatrie- und Psychotherapiebereich. Das wäre jedoch laut Angaben des Klinikums ohne Auswirkungen auf den Rettungsdienst geblieben.

In der Asklepios-Klinik Weißenfels ist die Zahl der Abmeldungen zwischen Anfang Januar und Anfang Mai nicht gestiegen. Petra Wegermann, Ärztliche Direktorin, sagte MDR SACHSEN-ANHALT: "Teilweise waren kurzfristige Abmeldungen der Isolationsbereiche unserer zentralen Notaufnahme für die Abklärung von Patienten mit unklarem Fieber oder bereits bekanntem positiven SARS-CoV-2-Nachweis von circa zwei Stunden notwendig." Eine komplette Abmeldung der zentralen Notaufnahme habe es zu keinem Zeitpunkt gegeben.

Situation der Krankenhäuser von Helios

Auch der Krankenhausbetreiber Helios mit seinen acht Standorten in Sachsen-Anhalt hat während der Corona-Situation kurzzeitige Engpässe im Kommunikationssystem zwischen Krankenhäusern und Rettungsleitstellen angezeigt. Und zwar, während die Intensivmedizin ausgelastet war. "Dies geschieht, damit die Rettungsleitstelle potentiell stationär zu behandelnde Notfallpatienten, so deren Zustand dies zulässt, in die umliegenden Krankenhäuser disponieren kann", teilte ein Sprecher mit. Es habe sich mehrheitlich um kürzere, stundenweise Zeiträume gehandelt.

In der folgenden Grafik sehen Sie die aktuelle Auslastung der Intensivbetten in Sachsen-Anhalt:

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Tom Gräbe
Bildrechte: MDR/Fabian Frenzel

Über den Autor Tom Gräbe arbeitet seit 2014 für MDR SACHSEN-ANHALT – als Reporter für den Salzlandkreis und ist daher sehr viel von Aschersleben, Staßfurt, Egeln bis zur Stadt Seeland unterwegs.

Er produziert Hörfunkbeiträge, schreibt Texte für die Online-Redaktion und ist ab und zu auch für das Regionalmagazin MDR SACHSEN-ANHALT HEUTE mit der Kamera unterwegs.

Aufgewachsen ist er in Aschersleben. Zum Hörfunk gekommen ist er als Teenager. Nach einem Praktikum bei einem Freien Radio hat er viele Jahre im Vorharz gefunkt. Zu seinen Lieblingsorten in Sachsen-Anhalt gehören die Seen um Plötzky, der Harz und die ruhigen Ecken im Ascherslebener Stadtpark.

Quelle: MDR/Tom Gräbe, Fabian Frenzel

Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN-ANHALT - Das Radio wie wir | 23. Juni 2021 | 13:40 Uhr

1 Kommentar

nicht vergessen vor 6 Wochen

Wie erklären wir Kurzarbeit und geschlossene Stationen ?

Überhaupt nicht ,wir sind Systemrelevant.

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