Gefahren beim Baden Geschlossene Bäder und ausgefallener Unterricht sorgen für Nichtschwimmer-Jahrgang

Susanne Reh, Redakteurin im MDR-Studio Dessau-Roßlau
Bildrechte: MDR/Luca Deutschländer

Der Sommer ist da und viele Familien zieht es in Schwimm- und Freibäder. Doch das kann gefährlich werden, wenn Kinder nicht schwimmen können. Derzeit gibt es einen ganzen Jahrgang von Nichtschwimmern in Sachsen-Anhalt.

Ein Kind springt in das Schwimmbecken des Schwimmbads in Meinsdorf.
Das Freibad in Meinsdorf ist bei Familien beliebt. Bildrechte: MDR/Susanne Reh

Der Sommer ist da und viele Familien zieht es in Schwimm- und Freibäder. Das klare kühle Nass lockt bei den heißen Temperaturen. Doch das kann gefährlich werden, wenn Kinder nicht schwimmen können. Derzeit gibt es einen ganzen Jahrgang von Nichtschwimmern, warnt Nico Güth vom Vorstand der Deutschen Lebensrettungsgesellschaft in Zerbst.

In normalen Jahren führen wir in Zerbst etwa 300 Kinder zum Seepferdchen, 2020 und 2021 waren es bisher null. 

Nico Güth – DLRG

Schon vor Corona habe es nicht ausreichend Angebote für die Nachfrage gegeben, sagt Güth. Die Pandemie habe die Situation noch einmal verschärft: "In normalen Jahren führen wir in Zerbst etwa 300 Kinder zum Seepferdchen, 2020 und 2021 waren es bisher null. Der erste Kurs, der 2020 noch begonnen hat, musste mit der Schließung der Schwimmhalle im ersten Lockdown abgebrochen werden. Zurzeit warten allein bei uns über 200 Angemeldete auf einen Schwimmkurs, damit könnte man fast 20 Kurse füllen". Dabei hat die Ortsgruppe des DLRG Zerbst gerade mal zwei Schwimmlehrer.

Nico Güth vom Vorstand der Deutschen Lebensrettungsgesellschaft in Zerbst.
Nico Güth vom Vorstand der Deutschen Lebensrettungsgesellschaft in Zerbst. Bildrechte: MDR/Susanne Reh

Viele Schwimmbäder schließen

Die Schwimmhallenkapazitäten und die Zeit der Ehrenamtlichen setzen dem Kursangebot Grenzen. Deshalb fordert die DLRG bundesweit mehr für die Rettung von Schwimmbädern zu tun. Seit dem Jahr 2000 - so die offiziellen Zahlen - wurden deutschlandweit jährlich durchschnittlich 80 Bäder geschlossen.

"Bäder kosten Geld, sind Zuschussgeschäfte, aber wenn sie fehlen, sinkt die Schwimmfähigkeit in der Gesellschaft, mit dramatischen Folgen", schätzt Güth ein. Die DLRG wurde im vergangenen Jahr (2020) in 901 Fällen zur Lebensrettung in Freibädern und Seen gerufen.

378 Menschen sind im Jahr 2020 ib Deutschland ertrunken. Güth sieht auch die Landespolitik in der Pflicht, das Schwimmen im Lehrplan zu belassen oder sogar noch auszubauen.

Schüler fast täglich im Freibad  

Wie es laufen kann, beweist die kleine Grundschule im Dessau-Roßlauer Ortsteil Meinsdorf. Der Ort verfügt über ein Freibad, eines der wenigen vereinsbetriebenen Freibäder in Sachsen-Anhalt. Schule und Hort sind bei gutem Wetter fast täglich in der "Blauen Perle".

Es gibt einen Schwimmlehrer und auch einen Rettungsschwimmer, der Prüfungen abnimmt. Jeden Samstag steht Holger Rothenburger am Becken, um Schwimmabzeichen abzunehmen. Auch er sieht, dass das Schwimmvermögen abgenommen hat.

Das Schwimmbecken des Schwimmbads in Meinsdorf.
Das Schwimmbecken der "Blauen Perle" in Meinsdorf. Bildrechte: MDR/Susanne Reh

"Wir haben eine starke Spitze, das sind Kinder, die in Schwimmvereinen sind. Und wir haben ein Mittelfeld, das hat sich stark verschlechtert, nicht nur Kinder, auch Jugendliche und Erwachsene. Die Leute machen zu wenig und im letzten Jahr waren die Schwimmhallen und Bäder lange geschlossen, das merkt man sofort, das ist nicht gut."

Seepferchen als Vorbereitung für sichereres Schwimmen

Rothenberger nimmt an diesem Tag bei drei Kindern das Seepferdchen ab. Das heißt, die Kinder müssen 25 Meter schwimmen ohne Zeitbegrenzung, einen Ring aus flachem Wasser holen und die Baderegeln kennen. Das hat bei ihm bis jetzt jeder geschafft, sagt er.

Doch das Seepferchen, so der Rettungsschwimmer, diene eher als Vorbereitung auf das Schwimmen. Sichereres Schwimmen sei damit noch lange nicht gewährleistet.

Susanne Reh, Redakteurin im MDR-Studio Dessau-Roßlau
Bildrechte: MDR/Luca Deutschländer

Über die Autorin Susanne Reh arbeitet seit Anfang 1994 bei MDR SACHSEN-ANHALT, meist im Regionalstudio Dessau. Ihre Schwerpunkte sind Themen aus dem Kultur- und Sozialbereich. Ob Weill-Fest in Dessau, Luther in Wittenberg oder Dessau-Wörlitzer Gartenreich, die Autorin fängt Themen für Radio, Fernsehen und Online mit Mikrofon und Kamera ein. Ihre besondere Leidenschaft gilt den "Geschichten aus Sachsen-Anhalt" jeden Sonntagvormittag bei MDR SACHSEN-ANHALT. Bevor sie zum Radio kam, hat sie in Halle Literatur und Geschichte studiert. Die zweifache Mutter stammt aus Sachsen-Anhalt, aus dem Mansfelder Land. In ihrer Freizeit trifft man sie auf dem Fahrrad, Motorrad oder beim Joggen oder Schwimmen an. Ihre Lieblingsorte in Sachsen-Anhalt sind deshalb die Goitzsche bei Bitterfeld und der Geiseltalsee.

Quelle: MDR/Susanne Reh

Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN-ANHALT - Das Radio wie wir | 30. Juni 2021 | 15:10 Uhr

1 Kommentar

Gerd Mueller vor 16 Wochen

uns brachte Mutti das Schwimmen bei, Generationen gaben Nachwuchs in Schulen und Heimen ab und jetzt - dürfen sie ihren Kindern wie Jahrtausende vorher wieder selber was beibringen - und wenn es nur Schwimmen und Fahrradfahren ist

Mehr aus Sachsen-Anhalt