Zugunfall bei Gifhorn Nach Unfall mit Güterzügen: Bahnverkehr bis Mitte Dezember gestört

24. November 2022, 13:36 Uhr

Nach dem Güterzugunfall in Niedersachsen bleibt die Strecke länger gesperrt. Das hat die Bahn am Mittwoch mitgeteilt. Die Auswirkungen sind auch in Sachsen-Anhalt spürbar – im Nah- und Fernverkehr.

Nach dem Unfall mit zwei Güterzügen bleibt die Bahn-Verbindung zwischen Hannover und Berlin noch länger gesperrt. Zunächst war von Problemen bis zum kommenden Sonntag, 27. November, ausgegangen worden. Wie die Bahn am Mittwoch mitteilte, müssen Reisende nun aber bis voraussichtlich Freitag, den 16. Dezember mit Verspätungen und Zugausfällen rechnen.

Große Verspätungen möglich

Beeinträchtigt sind Verbindungen von der Schweiz, aus dem Ruhrgebiet und auch aus Amsterdam nach Berlin. Viele Züge werden über Stendal umgeleitet. Das führt laut Bahn zu Verspätungen von 90 Minuten.

Bitte rechnen Sie in den noch verkehrenden Zügen mit einer sehr hohen Auslastung und sehen Sie von nicht notwendigen Reisen ab!

Hinweis der Deutschen Bahn

Güterzüge zusammengestoßen

Berlin-Hannover ist eine der zentralen Trassen in Deutschland. Am Donnerstag der vergangenen Woche waren bei Gifhorn zwei Güterzüge kollidiert. Die Bergung gestaltet sich schwierig. Spezialisten sind weiter dabei, aus umgekippten Kesselwagen Propangas abzupumppen und dessen Reste kontrolliert abzufackeln. Als Ursache wird aktuell menschliches Versagen vermutet.

Verspätungen und Ausfälle auf mehreren Fernstrecken

Von Stendal aus fahren aktuell keine Fernzüge nach Hannover. Die ICE-Verbindungen von Berlin in Richtung Westen werden über Uelzen umgeleitet und halten zusätzlich in Stendal. Allerdings kommt es dadurch zu Verspätungen. Weil die Strecke aber nur eingleisig ist, streicht die Bahn im Nahverkehr zahlreiche Verbindungen in der westlichen Altmark. Die Züge werden durch Busse ersetzt.

Die Auswirkungen reichen bis nach Magdeburg und Halle. Seit Mitte Oktober laufen umfangreiche Bauarbeiten auf der Strecke Magdeburg-Hannover, weshalb die IC-Züge dieser Verbindung über Stendal umgeleitet werden. Wegen der Streckensperrung bei Gifhorn kommt es hier folglich ebenfalls zu Ausfällen. Einzelne Züge fahren verkürzt nur zwischen Magdeburg und Leipzig. Eine Umleitung des Zugverkehrs ab Stendal über Wolfsburg und Braunschweig ist nicht möglich, da diese Strecke ebenfalls wegen Bauarbeiten seit Mitte Oktober gesperrt ist.

Die IC-Linie Köln-Dresden, die wegen Bauarbeiten ohnehin unterbrochen ist, fällt zwischen Köln und Braunschweig aus. Im Abschnitt Stendal-Magdeburg-Halle-Leipzig-Dresden fahren hingegen Fernzüge.

Reisende sollten geplante Verbindungen kurzfristig prüfen

Fahrgäste sollten sich vor ihrer Reise über aktuelle Änderungen informieren, etwa per App. Bei Ausfällen und Verzögerungen greifen gegebenenfalls Fahrgastrechte: So ist die Zugbindung automatisch aufgehoben, wenn Züge ausfallen oder eine Verspätung von mindestens 20 Minuten absehbar ist. Kommen Reisende mindestens 60 Minuten verspätet ans Ziel, können 25 Prozent des Fahrpreises geltend gemacht werden.

Für Fahrgäste, die eine geplante Reise verschieben möchten, gilt eine Sonderkulanz: Schon gebuchte Fernverkehrstickets können flexibel genutzt, Sitzplatzreservierungen kostenfrei storniert werden.

Pro Bahn kritisiert Informationspolitik

Kritik gibt es an den Informationen für die Fahrgäste nach dem Unfall und den daraus folgenden Änderungen im Fahrplan. Der Fahrgastverband Pro Bahn erklärte, zwar seien für viele Züge die Ersatzhalte in Uelzen, Salzwedel und Stendal angegeben, die zu erwartenden Verspätungen fänden sich allerdings nicht überall oder seien deutlich zu optimistisch.

Von der Verspätung erführen Fahrgäste daher oft erst im Zug. Das führe zu Unsicherheit, ob die Anschlüsse erreicht würden. Pro Bahn forderte von der Deutschen Bahn zusätzliche Ressourcen für die Weiterentwicklung der Fahrgastinformationen.

dpa, MDR (André Plaul, Daniel Salpius, Alisa Sonntag, Mario Köhne) | Zuerst veröffentlicht am 17.11.2022

Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN-ANHALT – Das Radio wie wir | 23. November 2022 | 11:00 Uhr

14 Kommentare

der Harzgeist am 19.11.2022

Da gebe ich Ihnen völlig recht. Was könnte die Ursache sein? Fahrtstellung eines Signals in einen besetzten Blockabschnitt ist technisch ausgeschlossen. Also wäre z.B eine Signalverwechslung denkbar, daß irgendwo ein Licht in der Dunkelheit blinkt und irrtümlicherweise für zs1 gehalten wurde. Das zs1 vom Fdl. gibt es nur bei Störung, und es muß zwingend das Freisein des folgenden Blockabschnitts geprüft werden. Andere Möglichkeit wäre, daß ein 500Hz-Magnet nicht vorhanden war, das Vr0 noch wahrgenommen und mit Tw bestätigt sowie eine Geschwindigkeitsabsenkung durchgeführt wurde, aber zwischen Vorsignal und Hauptsignal ein Sekundenschlaf auftrat und die Zwangsbremsung am Hauptsignal zu spät ausgelöst wurde. Ich kann aber auch nur Vermutungen anstellen, die Ursache muß durch Fachleute ermittelt werden. Die Auswertung der Fahrtaufzeichnung wird sicher Aufschluss bringen.

Burgfalke am 18.11.2022

Zitat: "Deutsche Bahn Technik funktioniert im Ausland super."

Warum nicht hier?

Experten der Bahn werden klären wie es zu diesem "Auffahrunfall" kommen konnte.
Ist man heute immer noch nicht in der Lage darzustellen, wo sich z.B. ein vorausfahrender Zug befindet bzw. den Standort festzustellen, um rechtzeitig zu reagieren?

Nun gut, es wird wie so oft ... weitermachen, alles wird so bleiben.

Burgfalke am 18.11.2022

Zitat: "Toaster oder ihre Kaffeemaschiene odgl heute noch tadellos funktionieren"

Genau so einen Vergleich braucht man! So etwas mit Sicherheitstechnik im Iahr 2022 zu vergleichen, das ist ... (Kopfschütteln). An Sicherheitstechnik werden höhere Anforderungen gestellt. Die sind bei besonders wichtigen Dingen doppelt o. 3- fach.

Bei eingleisigen Bahnstrecken (nicht hier!), war man in D. in div. Fällen nicht einmal in der Lage sicherzustellen, daß der Gegenverkehr erst fährt, wenn der andere Zug die Ausweich- bzw. Begegnungsstelle passiert hat!

Bei der "Waldbahn" im Bayr. Wald konnten wir sehen wie dort sichergestellt ist, daß durch mehrfache Maßnahmen ungewollte "Begegnungen", die Menschenleben kosten können, verhindert werden.



Man war 1969 mit den damaligen Mitteln in der Lage den Mond zu erreichen, zu landen und wieder zurückzukehren.

50 Jahre später ist man immer noch nicht in der Lage Technik bereitzustellen, um solche Dinge zu verhindern.

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