Tarifkonflikt Dritter Bahnstreik: Welche Alternativen in Sachsen-Anhalt bleiben

Der dritte Streik der GDL-Lokführer schränkt den Personenverkehr seit Donnerstag erneut massiv ein. Fünf Tage lang wird bei der Deutschen Bahn nur ein Notfahrplan gelten. Reisenden bleibt Kulanz als Trost.

Fahrgastinformation weist auf einen GDL-Streik hin
Im halben Schienennetz Sachsen-Anhalts wird ab Donnerstag fünf Tage lang gestreikt. Bildrechte: imago images/Andreas Haas

Seit Donnerstag 2 Uhr morgens werden erneut der Nah- und Fernverkehr der Deutschen Bahn bestreikt. So hatte es die Gewerkschaft Deutscher Lokomotivführer (GDL) am Montag angekündigt. Hintergrund ist der weiterhin nicht geklärte Tarifstreit zwischen GDL und DB, bei dem es rein formal um Lohnerhöhungen, ihre Laufzeit sowie Prämien für die Beschäftigten geht. Ein kurzfristiges Angebot der DB wurde ausgeschlagen.

Sachsen-Anhalt besonders stark betroffen

Der Ausstand im Personenverkehr soll erst mit Betriebsbeginn am 7. September enden. Da der Anteil der GDL-Lokführer im Osten Deutschlands höher ist, treffen die Auswirkungen des Streiks Sachsen-Anhalt stärker als andere Regionen.

Welche Züge fahren noch?

Wie bei den vorherigen Streiks hat die Deutsche Bahn für ihre Verbindungen auch diesmal wieder Notfahrpläne erarbeitet. Geplant ist, alle fahrenden und nicht fahrenden Züge auch in der Auskunft – etwa am Automaten oder per App – zu spiegeln.

Im Fernverkehr soll laut DB ein Viertel der Züge rollen. Allerdings beschränkt sich dies erneut auf die Hauptachsen zwischen den Metropolen Hamburg, Berlin, Frankfurt und München. Sachsen-Anhalt hat davon wenig. Der IC-Verkehr auf der Strecke Braunschweig-Magdeburg-Köthen-Halle-Leipzig ist erneut komplett gestrichen. In Stendal, Bitterfeld und der Lutherstadt Wittenberg sollen nur einzelne ICE-Züge halten. Und der Stadt Halle bleiben von normal 80 Fernverkehrszügen pro Tag knapp zehn übrig.

Ein Reisender sitzt mit seinem Gepäck am frühen Morgen eben einem ICE
Ein ICE in Sachsen-Anhalt? – Während des Streiks werden sie noch viel seltener zu sehen sein. Bildrechte: dpa

Reisende, die auf eine dieser wenigen Verbindungen angewiesen sind, sollten Sitzplätze reservieren, um im Fall einer Überfüllung nicht stehengelassen zu werden.

Im Nahverkehr hat die Bahn erneut Notfahrpläne für nahezu jede einzelne Linie veröffentlicht. Die Taktdichte der einzelnen Strecken ist sehr unterschiedlich. Teilweise werden auch nur Busse eingesetzt. Einige Fahrplantabellen sind auf der Webseite der Bahn unter "Sachsen-Anhalt" abrufbar und werden dort gegebenenfalls auch ergänzt. Tipp: Einige Linien nach Sachsen-Anhalt gehören formal zu Brandenburg. Dort sind die Tabellen für die Strecken Magdeburg-Berlin und Dessau-Berlin zu finden.

Alternativen: Abellio, HANS, ODEG, Erfurter Bahn und Flixtrain

Bei den Ausschreibungen der Bahn-Strecken im Regionalverkehr haben sich in Sachsen-Anhalt in den vergangenen Jahren zunehmend Privatbahnen gegen die Deutsche Bahn durchgesetzt, sodass hier nun auf rund der Hälfte der Strecken andere Eisenbahnunternehmen fahren. Sie sind vom aktuellen Tarifkonflikt der GDL ausgenommen.

An einem Bahnsteig am Bahnhof von Wernigerode steigen Menschen in einen Abellio-Zug ein.
Die Züge von Abellio werden nicht bestreikt. Bildrechte: MDR/Michael Rosebrock

  • Abellio: Die Tochter der niederländischen Staatsbahn deckt Strecken zwischen Börde, Harz, Salzland, Saalekreis, Südharz und dem Burgenlandkreis ab. Auf der Verbindung Halle-Magdeburg kann Abellio beispielsweise eine Alternative sein, wenn Umwege und längere Fahrzeiten in Kauf genommen werden. Am Wochenende fährt Abellio auch einzelne Direktverbindungen zwischen Harz und Berlin.
  • HANS und ODEG: Die Hanseatische Eisenbahn (HANS) fährt vom Streik unbeeindruckt zwischen Stendal und Tangermünde sowie Stendal und Rathenow. In der Optikstadt besteht mit der Ostdeutschen Eisenbahn (ODEG) stündlich Anschluss in Richtung Berlin und Brandenburg an der Havel. Einzelne ODEG-Züge binden Stendal auch direkt an.
  • Erfurter Bahn: Der Bahnknoten Zeitz ist nach Sachsen und Thüringen weiterhin mit der Erfurter Bahn angebunden. Nach Weißenfels wiederum gilt nur der Notfahrplan der Deutschen Bahn.
  • Flixtrain: Im Fernverkehr hält, als Alternative zur Deutschen Bahn, auch der Flixtrain in Sachsen-Anhalt. Von Halle gibt es nach Berlin und Stuttgart eine Verbindung täglich. Stendal wird täglich einmal auf der Strecke Berlin-Aachen angefahren. Und Naumburg wird täglich kurz nach Mitternacht in Richtung München sowie morgens nach 5 Uhr in Richtung Kiel angefahren. Außerdem fahren die Fernbusse des Unternehmens über zehn Orte in Sachsen-Anhalt an, darunter auch Salzwedel und Sangerhausen.

Bahn lässt die Wahl: Flexibel fahren oder Geld zurück

Kunden der Deutschen Bahn, die für die Streik-Tage Tickets gekauft haben, kommt die DB erneut mit umfangreichen Kulanzregelungen entgegen.

  • Fernzugtickets: Diese können bis zum 17. September flexibel genutzt werden. Das gilt laut Bahn auch für Sparpreis-Tickets, die normalerweise an konkrete Züge gebunden sind.
  • Nahverkehrstickets: Auch für Regional- und S-Bahn-Tickets, die vor Streikbeginn gekauft wurden, gilt die flexible Nutzung bis zum 17. September.
  • Rückgabe: Tickets für den Streik-Zeitraum können zurückgegeben werden – unabhängig davon, ob die gebuchten Züge gefahren wären oder nicht. Das muss über ein spezielles Kulanzformular geschehen, damit keine Storno-Kosten entstehen. Papiertickets müssen am Schalter zurückgegeben werden.
  • Fahrgastrechte: Für Reisende, die durch den Streik mit Verspätung an ihrem Ziel ankommen, gelten nach derzeitigem Rechtsstand weiterhin die Fahrgastrechte. Das Ticket muss dann in der Regel nach der Fahrt eingereicht werden. Ab einer Verspätung von einer Stunde am Ziel gibt es 25 Prozent des Ticketpreises zurück, ab zwei Stunden die Hälfte.

MDR/André Plaul

Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN-ANHALT | 31. August 2021 | 07:00 Uhr

16 Kommentare

DermbacherIn vor 42 Wochen

Das Muster wiederholt sich, mächtige Teilgewerkschaften nutzen ihre exponierte Position, um für ihre Mitglieder besonders gute Abschlüsse zu erzielen. Die Mehrheit der Arbeitnehmer in den jeweiligen Betrieben hat davon gar nichts.
„Mächtig“ bedeutet hier übrigens nicht „viele Mitglieder“, sondern nur, dass sie an einer strategisch besonders günstigen Stelle positioniert sind und trotz geringer Zahl den Betrieb zum Stillstand bringen können.
Das Ergebnis ist nicht solidarisch, sondern das Gegenteil. Die mit der größten Verhandlungsmacht richten es sich, statt diese Macht solidarisch für alle einzusetzen. Die anderen gewerkschaftlich organisierten Arbeitnehmer schauen durch die Finger…
Beispiele: Lokführer, Piloten, Fluglotsen, Lehrer.

Suedharzer vor 42 Wochen

Warum halten sich die anderen "Bahngewerkschaften" eigentlich so auffällig zurück?

Grund: die EVG ist Arbeitgeberfreundlich, auch bei privaten Eisenbahnverkehrsunternehmen. Daher sehen sie diese Gewerkschaft lieber stärker vertreten als die GDL. Das ist in der Branche eine bekannt Tatsache!

pwsksk vor 42 Wochen

In ihrem Text beißen sich ein paar Dinge. Die "verbeamteten" Lokführer und die, die um 3,2 % Lohnerhöhung kämpfen. Das Arbeitszeitgesetz lässt gerade für die armen Verbeamteten keine übermäßigen Belastungen zu. Und schon da liegt die Crux im Detail...
Und um Klimaschutz geht es bei Lohnkämpfen schon gar nicht, auch nicht dem Bahnvorstand.
Warum halten sich die anderen "Bahngewerkschaften" eigentlich so auffällig zurück?

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