Lokführer im Ausstand Ersatzpläne, Erstattungen, Notbusse: Das müssen Reisende in Sachsen-Anhalt zum Bahnstreik wissen

Der Streik der Lokführer hat den Bahnverkehr in weiten Teilen Sachsen-Anhalts lahm gelegt. Der Fahrplan ist mächtig ausgedünnt. Züge fahren meist im mehrstündigen "Takt", einige Bahnhöfe sind nahezu komplett vom Zugverkehr abgeschnitten. Der Überblick.

Kein Zugverkehr auf Gleis 4 steht auf der Anzeigetafel im Hauptbahnhof Berlin
Wieder Streik bei den Lokführern, wieder Zugausfälle. Auf manchen Strecken sind die Privatbahnen Abellio und HANS noch eine Alternative. (Archivfoto) Bildrechte: dpa

Züge in Sachsen-Anhalt fallen aus oder fahren nur spärlich. Grund ist der in der Nacht gestartete Streik der Lokführer. Betroffen ist sowohl der Personennah- als auch der Fernverkehr im Land (als auch bundesweit). Züge fahren nach Angaben der Bahn meist nur alle paar Stunden auf den Strecken, teilweise sind auch Busse als Ersatzverkehr unterwegs.

Besonders abgehängt: die Altmark

Blick auf den Bahnsteig am Bahnhof in Osterburg im Landkreis Stendal
Weitgehend vom Zugverkehr abgeschnitten: der Bahnhof in Osterburg. (Archivfoto) Bildrechte: MDR/Michael Rosebrock

Besonders schwierig ist es für die Altmark: So fährt die S-Bahn zwischen Magdeburg und Stendal nur im Sechs-Stunden-Takt. Bahnhöfe wie Osterburg und Seehausen werden an diesem Montag zum Beispiel insgesamt je nur sechs Züge sehen, also nur drei in jede Richtung. Normalerweise verkehren hier fast 40 Züge pro Tag. Die Strecke Stendal-Uelzen soll immerhin alle 4 Stunden bedient werden durch die Deutsche Bahn, jedoch nur mit Expresszügen.

Bahnhöfe wie Kläden und Fleetmark sehen am Montag und Dienstag sogar nur einen einzigen Zug je Richtung. Der ICE- und IC-Verkehr ab Stendal ist auf eine einzige Verbindung nach Berlin pro Tag zusammengestrichen worden.

Immerhin: Die Regioverbindungen von Wolfsburg über Stendal und Schönhausen oder nach Tangermünde werden durch die Privatbahnen Abellio sowie HANS betrieben und damit unabhängig von der Bahn.

Was geht – und was nicht (Auswahl)

Der RE 13 zwischen Magdeburg und Leipzig soll im Zwei-Stunden-Takt unterwegs sein, mit einem Busnotverkehr zwischen Magdeburg Hauptbahnhof und Gommern sowie zwischen Gommern und Dessau Hauptbahnhof.

Der RE 18 zwischen Halle und Jena-Göschwitz, über Naumburg, soll nur alle vier Stunden fahren, ebenso der RE 20 zwischen Magdeburg Hauptbahnhof und Uelzen (über Stendal und Salzwedel).

Einen Drei-Stundentakt soll die Verbindung Magdeburg – Halle (RE 30) haben, der RB 40 zwischen Burg und Braunschweig kommt gar nicht auf die Schiene, stattdessen soll unregelmäßig ein Busnotverkehr für (ein wenig) Beförderung sorgen.

Die Übersicht zu den bekannten Ersatz- und Notfahrplänen hat die Bahn hier.

Am Bahnhof Halle fährt im Fernverkehr gar nichts, teilte ein MDR-Reporter mit. Im Nahverkehr seien noch einige Züge unterwegs, zum Beispiel nach Bernburg, Goslar, Erfurt und Halberstadt. Bei der S-Bahn nach Leipzig fahren zwei statt vier Züge pro Stunde.

Eine Alternative zum Beispiel für die wichtige Strecke Magdeburg und Halle, wo aktuell ein Drei-Stunden-Takt vorliegt, ist auch hier das Angebot von Abellio. Zwar fährt Abellio auf dem Weg nach Halle einen Bogen parallel zur Hauptstrecke und Reisende sind doppelt so lang unterwegs, dafür aber geht es fast stündlich vorwärts – mit Umstiegen über die Linien RE 10, RB 41 und RB 48 Magdeburg - Schönebeck - Calbe. Die Abfahrtszeiten bei Abellio sind voraussichtlich planmäßig, wie die Nahverkehrsgesellschaft INSA mitteilt.

Bereits gebuchte Nahverkehrstickets bleiben bis 4. September gültig

Immerhin bietet der Bahnkonzern Erstattungen an, ab einer Stunde Verspätung zum Beispiel 25 Prozent des Fahrpreises. Wie die Bahn mitteilt, können zum Beispiel auch bereits gebuchte Nahverkehrstickets für heute oder morgen einfach aufgehoben und noch bis 4. September genutzt werden (auch auf einem anderen Weg).

Wer sich seine bereits gebuchte Fahrkarte lieber erstatten lassen möchte, kann dies tun. Ein Hinweis für Online-Käufer: Wenn Sie Ihr Online-Ticket direkt erstatten lassen wollen, so geht dies nur über ein spezielles Online-Formular.

Regionalzug der Deutschen Bahn 1 min
Bildrechte: imago/Rüdiger Wölk
1 min

Di 10.08.2021 18:11Uhr 00:37 min

https://www.mdr.de/nachrichten/deutschland/wirtschaft/video-543758.html

Rechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Video

Die Bahn teilte dem MDR mit, im Fernverkehr sei noch rund ein Viertel der Züge unterwegs, im Regionalverkehr seien es im bundesdeutschen Durchschnitt rund 40 Prozent. Allerdings gebe es starke regionale Unterschiede und die östlichen Bundesländer seien besonders stark bestreikt, darunter Sachsen-Anhalt.

Gewerkschaft lehnt kurzfristiges Angebot der Bahn ab

Zu dem Ausstand hat die Gewerkschaft GDL aufgerufen, um Druck im Tarifkonflikt mit dem Bahnkonzern aufzubauen. Ein kurzfristiges Angebot der Bahn vom Sonntag für eine Corona-Prämie in 2021, um den Streik abzuwenden, lehnte die GDL ab. GDL-Chef Claus Weselsky sagte, man strebe langfristige Lohnerhöhungen an. Der Streik legt den Bahnverkehr in weiten Teilen bis Mittwochmorgen lahm.

MDR/ Fabian Brenner, André Plaul, Mandy Ganske-Zapf

Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN-ANHALT – das Radio wie wir | 23. August 2021 | 05:15 Uhr

Mehr aus Sachsen-Anhalt