Hohe Energiepreise Firmen im Land sehen ihre Existenz bedroht

In Sachsen-Anhalt sehen viele Unternehmen ihren Bestand wegen der steigenden Energiepreise stark gefährdet. Die hohen Kosten müssten auf die Kunden umgelegt werden. Dadurch würden die Preise für Verbraucher deutlich steigen.

Eine Preistafel an einer Tankstelle
Die hohen Spritpreise belasten die Wirtschaft schwer. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Unternehmen verschiedenster Branchen in Sachsen-Anhalt fürchten angesichts explodierender Kraftstoffpreise um ihre Existenz. Für die heimische Verkehrsbranche werde es langsam eng, sagte ein Sprecher der Industrie- und Handelskammer (IHK) Halle-Dessau. Die Probleme könnten rasch existenzbedrohend werden.

Kosten können nicht in voller Höhe weitergegeben werden

Spediteure etwa verhandelten bereits mit ihren Kunden, um die Kostensteigerung zumindest teilweise weiterzugeben, sagte der Sprecher. Im nötigen Umfang sei das aber kaum möglich, da die Kunden so hohe Kosten selbst nicht stemmen könnten, auch wenn sie kompromissbereit seien.

Taxiunternehmen, die zu vorgeschriebenen Tarifen arbeiteten, seien häufig nicht mehr rentabel, führte der Sprecher aus. Auch für Busunternehmen, die im öffentlichen Nahverkehr ebenfalls feste Preisvorgaben hätten, stelle sich die Existenzfrage.

Wer jetzt nicht zusätzliche Einnahmen, beispielsweise über Krankentransporte, generieren kann, ist massiv bedroht.

Sprecher der IHK Halle-Dessau

Handwerksbetriebe im Flächenland Sachsen-Anhalt betroffen

Nicht nur auf Verkehrsunternehmen lasten die aktuell hohen Spritpreise schwer. Auch Handwerksbetriebe sind beispielsweise betroffen – insbesondere die mit einem größeren Fuhrpark, sagte der Hauptgeschäftsführer der Handwerkskammer (HWK) in Magdeburg, Burghard Grupe. "Im Flächenland Sachsen-Anhalt müssen sie zum Teil weite Strecken zurücklegen, um zum Auftraggeber zu fahren. Viele Betriebe haben außerdem bundesweit Baustellen, hier erhöhen sich die Kosten enorm." Zudem benötigten die Mitarbeiter Autos, um überhaupt zur Arbeit zu kommen.

Die ursprünglichen Kalkulationen der Unternehmen gehen nicht mehr auf.

Burghard Grupe Hauptgeschäftsführer HWK Magdeburg

Handwerkskammer: Preise werden deutlich steigen

Grupe prognostizierte eine Umlegung der Kosten auf die Kunden, wodurch die Preise kräftig steigen dürften. Zusammen mit den ohnehin schon auf die Handwerkspreise aufgeschlagenen hohen Rohstoffpreisen dürfte sich das auch auf die Auftragslage auswirken. Er vermute, dass die Entwicklung auch negative Auswirkungen auf Geschäftsmodelle wie zum Beispiel mobile Friseure habe, sagte Grupe.

Pfleger können Kosten nicht umlegen

"Der enorme Anstieg der Preise war in dieser Höhe nicht absehbar (...), die Mehrausgaben wirken sich 1:1 aus", sagte eine Sprecherin des Landesverbandes Hauskrankenpflege. Besonders die ambulante Pflege sei betroffen. Anders als andere Branchen könnten die Kosten nicht sofort auf Kunden umgelegt werden, sondern man müsse diese erst verhandeln, erläuterte die Sprecherin.

Selbst dann wirkt es erst für die Zukunft, nicht aber rückwirkend.

Sprecherin des Landesverbandes Hauskrankenpflege

IHK: Belastungen zumindest abmildern

Die Betriebe bräuchten dringende Entlastung, sagte der Sprecher der IHK Halle-Dessau. Die Mineralölmärkte spielten noch immer wegen des Ukrainekriegs und der befürchteten Folgen verrückt. Die Möglichkeiten der Politik seien begrenzt, räumte der Sprecher ein. Aber die Belastungen könnten gemildert werden.

Dafür müsse der staatliche Anteil an den Spritpreisen reduziert werden. Auch die LKW-Maut auszusetzen, würde Entlastung schaffen, erklärte der IHK-Sprecher.

Wenn Energiesteuern und die zusätzliche CO2-Bepreisung zumindest zeitweise ausgesetzt würden, könnte das eine Entlastung von vielleicht rund 50 Cent pro Liter bringen.

Sprecher der IHK Halle-Dessau

Der Bundesverband Güterkraftverkehr Logistik und Entsorgung (BGL) hatte zuletzt gar die Einführung eines temporären Gewerbediesels wie in einigen Nachbarländern gefordert. Auch Steuervergünstigungen wie eine Rücknahme der CO2-Steuer seien unerlässlich, sagte ein BGL-Sprecher.

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MDR (Gero Hirschelmann)

Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN-ANHALT | 12. März 2022 | 08:00 Uhr

12 Kommentare

Anni22 vor 28 Wochen

@ El Natürlich kann man auch woanders kaufen, nur geht das eben nicht innerhalb von Tagen. So eine Umstelleung dürfte schon Monate, wenn nicht Jahre dauern. Lieferverträge, Transportwege, Speicherkosten usw. Wie
viele Tanker wohl über die Meere schippern müssen um Deutschland (und die EU) zu versorgen???

jochen1 vor 28 Wochen

Die Bürger haben wie immer keine Ahnung.

Der Liter Benzin kostet eigentlich nur 98 Cent pro Liter.
Was heute an den deutschen Tankstellen verlangt wird, ist allgemein bekannt. Alles was über 98 Cent geht, sind staatliche Steuern auf den Liter Benzin und weitere Steuern auf die Steuern.
Nicht jammern - Der Deutsche hat diese Volksvertreter gewählt.

Denkschnecke vor 28 Wochen

Moment mal: Wer genau hat jetzt 2014 Bomben in Syrien geworfen? Nach meinen Informationen der, der damals in den Donbass einmarschiert ist und der jetzt auch für die extremen Energiepreise sorgt.

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