Datenanalyse Spritpreis: Was der Tankrabatt in Sachsen-Anhalt bisher gebracht hat

Julia Bartsch
Bildrechte: Susen Heyder

Seit 1. Juni sollten die Benzinpreise an den Tankstellen durch den Tankrabatt der Bundesregierung fallen. Nach zwei Wochen zieht MDR SACHSEN-ANHALT eine erste Bilanz zum Tankrabatt. Eine Datenanalyse zeigt, wie sich der Spritpreis in Sachsen-Anhalt seitdem tatsächlich entwickelt hat.

Ein Mann betankt an einer Tankstelle sein Auto.
Trotz Steuersenkung ist Tanken nach wie vor teuer. Die Preise steigen weiter.(Symbolbild) Bildrechte: dpa

Vielen Autofahrerinnen und Autofahren zeigt sich an der Tankstelle aktuell ein unverändertes Bild. Die Spritpreise sind nach wie vor hoch. Dabei ist vor zwei Wochen das Entlastungspaket der Bundesregierung in Kraft getreten, das neben dem ebenfalls viel diskutierten 9-Euro-Ticket auch den Tankrabatt beinhaltet, eine Steuersenkung der Spritpreise zugunsten der Verbraucher. Doch es scheint, als bleibe die erhoffte Preissenkung aus.

Die Energiesteuer auf Kraftstoff wurde auf das europäische Mindestmaß herabgesetzt, auch die Mehrwertsteuer des fehlenden Wertes bleibt aus. Das Ziel dahinter: Verbraucherinnen und Verbraucher zahlen an der Zapfsäule drei Monate lang weniger. Vor allem Pendlerinnen und Pendler, Familien und Gewerbetreibende sollen so entlastet werden. Konkret bedeutet der Tankrabatt eine Senkung um rund 35,2 Cent pro Liter Benzin und rund 16,7 Cent pro Liter Diesel.

Dieselpreis höher als vor dem Tankrabatt

Am 1. Juni sanken die Preise für Benzin und Diesel erst deutlich, sodass es den Anschein hatte, als würde die Steuersenkung wie gewünscht wirken. Das zeigen Preisdaten der Markttransparanzstelle für Kraftstoff der über 15.000 Tankstellen in Deutschland, die der SWR analysierte. Betrug der durchschnittliche Dieselpreis pro Liter in Sachsen-Anhalt am 31. Mai noch 2,03 Euro, waren es am 1. Juni nur noch 1,91 Euro pro Liter Diesel.

Seitdem steigen die Kraftstoffpreise allerdings wieder. Am 14. Juni, zwei Wochen nach Einführung des Tankrabatts, zahlen die Verbraucherinnen und Verbraucher durchschnittlich 2,06 Euro pro Liter Diesel, was sogar drei Cent pro Liter mehr sind als Ende Mai.

Benzinpreise wieder bei durchschnittlich zwei Euro pro Liter

Auch die durchschnittlichen Benzinpreise fielen am 1. Juni zunächst stark ab, von 2,22 Euro pro Liter auf 1,94 Euro pro Liter. Mittlerweile kostet ein Liter Benzin an der Tankstelle jedoch wieder durchschnittlich rund 2,00 Euro, was sich wieder den Kraftstoffpreisen aus dem April annähert.

Preisexplosion seit Beginn des Ukraine-Kriegs

Seit Beginn des Ukraine-Kriegs stiegen die Preise für Diesel und Benzin stark an. Lag der Durchschnittspreis am 24. Februar noch bei 1,68 Euro pro Liter Diesel, steigt der Preis bis zum 10. März auf sein Maximum von durchschnittlich 2,33 Euro pro Liter Diesel.

Auch der durchschnittliche Benzinpreis erhöhte sich von 1,83 Euro pro Liter am 24. Februar auf 2,27 Euro pro Liter am 10. März. Nach diesem Maximum im März fielen die Kraftstoffpreise bis Ostern, woraufhin sie wieder begannen zu steigen.

Konzerne geben Tankrabatt größtenteils an Tankende weiter

Wegen der hohen und schwankenden Preise nach Einführung des Tankrabatts warf unter anderem der Tankstellen-Interessenverband (TIV) den Mineralölkonzernen vor, die aktuelle Situation auszunutzen und sich zu bereichern. Das Bundeskartellamt leitete eine Überprüfung ein, wofür dessen Befugnisse durch Wirtschaftsminister Robert Habeck (Grüne) erweitert wurden.

Den Vorwurf, dass sich die Mineralölkonzerne an dem Tankrabatt bereichern, entkräftet eine aktuelle Studie des ifo Institut – Leibniz-Institut für Wirtschaftsforschung an der Universität München. Clemens Fuest, Präsident des Instituts, sagte MDR AKTUELL, dass der Effekt des Tankrabatts durchaus messbar ist. Im Vergleich zu Frankreich, wo die Kostenentwicklung in den vergangenen Monaten einem ähnlichen Trend folgte, seien die Preise seit dem 1. Juni gleichermaßen gestiegen. Das habe mit den Bedingungen auf den Weltmärkten zu tun.

Fuest schließt nicht aus, dass sich die Mineralölkonzerne seit Beginn des Ukraine-Kriegs bereichert hätten, aber nicht am Tankrabatt.

Beim Diesel haben die Tankstellen ihn [den Tankrabatt, Anm. d. Red.] zu 100 Prozent weitergegeben, also 17 Cent Steuersenkung je Liter. Beim Super-Benzin waren es 29 bis 30 Cent von den 35 Cent Steuersenkung, also 85 Prozent.

Florian Neumeier, ifo Institut

Die Steuersenkung sei also größtenteils an die Verbraucherinnen und Verbraucher weitergegeben worden. Trotzdem sei es richtig, dass das Bundeskartellamt untersuche, was seit Februar bei den Mineralölkonzernen passiert ist.

Wie sich der Spritpreis zusammensetzt

Die Preisgestaltung von Kraftstoffen wird nicht staatlich reguliert, sondern durch den Markt beeinflusst. Neben dem eigentlichen Rohölpreis setzt sich der Preis an der Zapfsäule aus Steuern, Verarbeitungskosten, Transport sowie Angebot und Nachfrage zusammen. Der staatliche Anteil setzt sich aus der CO2-Bepreisung, der Erdölbevorratungsabgabe, der Mehrwertsteuer und der durch den Tankrabatt entfallenen Energiesteuer zusammen.

Die Energiesteuer machte deutschlandweit am 31. Mai noch 47 Cent pro Liter Diesel aus. Am 1. Juni fiel der Wert auf 33 Cent pro Liter ab. Dieser Wert wird bis 31. August unverändert bleiben. Die Daten zeigen allerdings, dass der Nettokaufpreis des Kraftstoffs weiter ansteigt. War dieser am 1. Juni noch bei 1,15 Euro pro Liter Diesel, stieg er bis zum 14. Juni auf 1,25 Euro pro Liter.

Ähnlich sieht die Entwicklung bei Benzin aus. Hier machte die Energiesteuer 65 Cent pro Liter aus, seit dem 1. Juni sind es 36 Cent pro Liter. Während die Energiesteuer bis 31. August gleich bleiben wird, stieg auch hier der Nettopreis in den vergangenen zwei Wochen von 1,14 Euro pro Liter auf 1,20 Euro pro Liter an.

Am besten abends tanken

Im Tagesverlauf kann der Spritpreis stark schwanken. Um in der aktuellen Situation trotzdem sparen zu können, empfiehlt der ADAC, das Tanken am Morgen zu vermeiden und lieber nach Feierabend zur Tankstelle zu fahren. Denn meist fallen die Preise über den Tag ab. Das zeigen auch die Daten des SWR. Der Durchschnittspreis für Diesel und Benzin ist demnach morgens am höchsten und fällt über den Tag ab.

Hintergrund zur Recherche Datenjournalisten des Südwestrundfunks (SWR) haben den SWR-Tank-Monitor ins Leben gerufen. Beobachtet wird, wie sich die Preise an den 15.000 Zapfsäulen in Deutschland entwickeln. SWRdata bezieht die Daten über den bei der Markttransparenzstelle zugelassenen Verbraucherinformationsdienst 123tanken. In die Berechnung fließen alle Preisänderungen der aktiven und gemeldeten Tankstellen ein. Das Datenteam des MDR hat die Zahlen für Sachsen-Anhalt, Thüringen und Sachsen ausgewertet.

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Benzin und Diesel sind teuer geworden. Um die Belastung beim Tanken etwas zu mildern, hat die Bundesregierung eine dreimonatige Steuersenkung auf Kraftstoffe beschlossen. Los geht's ab 1. Juni. Bildrechte: dpa

MDR (Julia Bartsch)

4 Kommentare

62Gazal vor 24 Wochen

Warum sollte man kommentieren wenn der Kommentar nicht gezeigt wird?
Eine Frage an die Politiker
Warum sind die Spritpreise im Süden günstiger als im Osten?

62Gazal vor 24 Wochen

Es ist doch aber schon fragwürdig dass die Kraftstoffpreise in Bayern niedriger sind als in Sachsen-Anhalt
In Geisingen zum Beispiel zahle ich zur Zeit 1,99 für Diesel.
In Alsleben und Umgebung 2,06 und mehr.

der Vielfaltige vor 24 Wochen

Ich denke, der großzügiege von Herrn Habeck gewährte Tankrabatt ist komplett weitergereicht wurden. Danke Robert

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