Prognose bis 2035 Sachsen-Anhalts Bevölkerung schrumpft – aber etwas langsamer

Sachsen-Anhalts Bevölkerung soll bis 2035 im Vergleich zu 2019 um rund 13 Prozent zurückgehen – ein Verlust von rund 300.000 Einwohnerinnen und Einwohnern. Halle wird am wenigsten verlieren, Mansfeld-Südharz am meisten. Entwicklungsminister Webel sieht dennoch eine positive Entwicklung.

Oma im Rollstuhl lächelt Enkelkind an.
Der Bevölkerungsschwund in Sachsen-Anhalt verlangsamt sich. Bildrechte: imago/Westend61

In Sachsen-Anhalt werden im Jahr 2035 voraussichtlich rund 13 Prozent weniger Menschen leben als Ende 2019. Laut der 7. Regionalisierten Bevölkerungsprognose wird die Bevölkerung dann auf etwa 1,9 Millionen Menschen geschrumpft sein, wie das Statistische Landesamt am Dienstag in Halle mitteilte. Ende 2019 haben hierzulande noch fast 2,2 Millionen Menschen gelebt.

Künftig würden alle kreisfreien Städte und Landkreise weitere Bevölkerungsverluste verzeichnen, so die Autorinnen und Autoren der Prognose. Diese fielen aber sehr unterschiedlich aus. Halle etwa werde mit fünf Prozent den geringsten Verlust verbuchen, der Landkreis Mansfeld-Südharz mit 19 Prozent den stärksten.

Arbeiter auf einer Eigenheim-Baustelle. 1 min
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MDR SACHSEN-ANHALT - Das Radio wie wir So 15.11.2020 23:19Uhr 01:16 min

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Der unterschiedliche Schrumpfungsprozess in den Regionen beruht den Angaben zufolge auf der Altersstruktur. So hätten Magdeburg und Halle schon 2019 mit 44,6 und 44 Jahren das niedrigste Durchschnittsalter gehabt. Die beiden kreisfreien Städte würden auch künftig deutlich unter dem Landesdurchschnitt liegen. Der landesweite Altersschnitt werde sich von derzeit 47,4 Jahren auf 49,1 Jahre erhöhen.

Minister Webel: Optimismus, aber kein Grund zur Euphorie

Landesentwicklungsminister Thomas Webel (CDU) äußerte sich in diesem Zusammenhang positiv über die Bevölkerungsentwicklung. Es zeichne sich ein Trend ab, "der vorsichtig optimistisch stimmen kann", sagte Webel.

Durchschnittsalter im Land steigt deutlich an

Das Durchschnittsalter der Sachsen-Anhalterinnen und Sachsen-Anhalter erhöhte sich in den vergangenen 20 Jahren um fünf Jahre und acht Monate. Ursachen sind steigende Lebenserwartung, niedrige Geburtenzahlen und die Abwanderung vor allem junger Leute. Regional betrachtet zeigten sich bei den kreisfreien Städten und Landkreisen deutliche Unterschiede. Die jüngste Bevölkerung lebte mit 44,5 Jahren in Halle (Saale), der einwohnerreichsten Stadt des Landes. Am ältesten war die Bevölkerung in der kreisfreien Stadt Dessau-Roßlau.

Es bestehe kein Grund zur Euphorie, aber Sachsen-Anhalt sei auf dem richtigen Weg, erklärte der Minister. Die neue Landesregierung "darf in den Bemühungen nicht nachlassen, den demografischen Wandel aktiv zu gestalten", fügte er hinzu. Insbesondere die Wanderungszahlen hätten sich erholt. "Es ziehen wieder mehr Leute nach Sachsen-Anhalt", sagte Webel.

Erst positive Entwicklung, dann Rückgang der Zahlen

So ist der Wanderungssaldo laut der Prognose von 1.919 Menschen im Jahr 2017 auf 2.428 im Jahr 2019 gestiegen. Diese positive Entwicklung werde voraussichtlich bis 2027 anhalten und sich dann langsam abflachen. 2035 werde der Saldo dann voraussichtlich bei minus 1.047 Personen liegen.

Die jährlichen Geburten gehen der Prognose zufolge jedoch auf 14.000 im Jahr 2035 zurück. Dahingegen steige die Zahl der jährlichen Sterbefälle bis in das Jahr 2024 von jetzt etwa 32.300 auf 34.000, um dann bis 2035 auf rund 31.600 zurückzugehen. Alles in allem verliert Sachsen-Anhalt durch diese sogenannte natürliche Bevölkerungsbewegung durchschnittlich rund 18.600 Einwohner pro Jahr.

MDR/Gero Hirschelmann, dpa, epd

Dieses Thema im Programm: MDR FERNSEHEN | MDR SACHSEN-ANHALT | 16. Juni 2021 | 19:00 Uhr

12 Kommentare

Basil Disco vor 5 Wochen

Die Mieten steigen in den großen Städten weil immer mehr Menschen die Kleinstädte und Dörfer verlassen. Es findet in Deutschland eine beachtliche Binnenwanderung statt, lesen Sie doch mal den heutigen Beitrag über den Landkreis Mansfeld-Südharz. Außerdem habe ich geschrieben die Erde, nicht Deutschland sei hoffnungslos überbevölkert. Zuwanderung wird z.B. angestrebt, damit man hierzulande keine Kosten für die Ausbildung hat (der "Fachkräftemangel") sondern lieber den Entwicklungsländern die gut ausgebildeten Fachkräfte wegkauft. Und um das Rentensystem funktionsfähig zu halten, das mir vorkommt wie ein klassisches Schneeballsystem, das nur funktioniert bei einer ständig stark wachsenden Zahl von Einzahlern. es gibt auch keinen tatsächlichen Mangel an Wohnraum, in Magdeburg z.B. standen im Jahr 2019 21.000 Wohnungen leer (stat. Bundesamt). Bezahlbarer Wohnraum ist knapp weil niemand den Miethaien das Handwerk legt.

Erichs Rache vor 5 Wochen

@Basil Disco

Wenn Ihrer Ansicht nach Deutschland "hoffnungslos überbevölkert" ist:
Warum wird dann eine Zu- und Einwanderung für jedes Jahr um eine Anzahl von rd 250.000 - 300.000 Menschen politisch angestrebt???

Die Anzahl von rd 250.000 - 300.000 Menschen zusätzlich entspricht jedes Jahr einer Wohnfläche vergleichbar der Städte wie Hannover oder Erfurt, die mit Beton versiegelt wird. Ist das ökologisch wertvoll????

Warum STEIGEN eigentlich die Mieten, wenn Ihrer Ansicht nach die Bevölkerungszahlen SINKEN ?????

Das Gegenteil müsste doch der Fall sein, wenn bei einem bestehenden Wohnungsbestand die Nachfrage nach Wohnraum SINKT, oder????

Basil Disco vor 5 Wochen

Es ist anscheinend immer noch nicht bei allen angekommen, dass die Erde bereits jetzt hoffnungslos überbevölkert ist. Ich kann dieses ewige Gejammer über sinkende Bevölkerungszahlen in Deutschland schon lange nicht mehr hören. Da gilt es doch eher, den Rückgang sozialverträglich (Renten etc.) zu gestalten zum Beispiel indem man die irrwitzigen Produktivitätszuwächse der letzten Jahrzehnte anders verteilt. Niemand braucht ein Vermögen von mehreren Millionen oder sogar Milliarden Euro.

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