Letzter Schultag So lief das Corona-Schuljahr in Sachsen-Anhalt

Das Schuljahr in Sachsen-Anhalt ist zu Ende. Die rund 200.000 Schülerinnen und Schüler erhielten am Mittwoch ihre Zeugnisse. Für sie alle geht ein Schuljahr zu Ende, das wegen der Corona-Pandemie mit viel Anstrengungen verbunden gewesen ist. MDR SACHSEN-ANHALT blickt voraus, wie das nächste Schuljahr aussehen könnte.

Homeschooling, während des Lockdowns im Januar 2021, Kinder lernen zuhause für die Schule, ihre Mutter ist im Homeoffice und arbeitet am Laptop mit Videochat. 1 min
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MDR SACHSEN-ANHALT - Das Radio wie wir Mi 21.07.2021 12:21Uhr 00:45 min

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In Sachsen-Anhalt haben am Mittwoch rund 200.000 Schülerinnen und Schüler ihre Zeugnisse bekommen. Das vergangene Schuljahr brachte viele Herausforderungen mit sich, für Eltern und die Politik, aber vor allem auch für Schülerinnen und Schüler.

Es war auf der einen Seite ganz chillig, immer zuhause zu hängen. Auf der anderen Seite kam man aber auch nicht hinterher. Es war ein extrem anstrengendes Jahr für mich.

Schülerin aus Halle

Ein anderer Schüler aus Halle empfand das Wechselmodell als schwierig. Er war mit dem Schuljahr aber grundsätzlich zufrieden, da die Online-Plattform funktionierte und die Lehrerschaft sich gut kümmerte.

Auch die Schülerinnen und Schüler aus Osterwieck konnten in der Abiturzeit Vorteile am Homeschooling erkennen. So gab es keine überraschenden Prüfungen mehr und man hatte mehr Zeit, um seine Prüfungsleistungen ordentlich abzugeben. Das habe auch positive Auswirkungen auf die Noten gehabt, berichten sie. Nach Aussage der Jugendlichen konnten sie Zuhause ziemlich gut lernen und haben auf den Zeugnissen mit Homeschooling bessere Noten als vor der Corona-Pandemie.

Bester Abiturschnitt seit 16 Jahren

Auch der Schnitt der Abiturnoten in Sachsen-Anhalt ist in diesem Jahr deutlich besser als in den vergangenen Jahren. 170 Schülerinnen und Schüler erzielten die Bestnote 1,0. Der Notenschnitt lag nach Angaben des Bildungsministeriums bei 2,23 – und ist damit ein besserer Schnitt als in den vorangegangenen Jahren. 2020 hatte er 2,31 betragen, 2019 noch 2,3.

Dafür gab es auch Lob von Thomas Gaube, Chef des Landes-Philologenverbands. Er sagte dem MDR, das Abitur sei anspruchsvoll und vergleichbar mit dem anderer Länder gewesen. Er freue sich für die Schüler, die sich ihre Abschlüsse hart erarbeitet hätten. Ihnen sei vom Niveau der Aufgaben und der Qualität nichts geschenkt worden.

Homeschooling mit Schwierigkeiten

Dabei war das wochenlange Homeschooling nicht nur inhaltlich eine besondere Herausforderung, sondern auch technisch. Ein Drahtseilakt, der bei vielen Eltern vor allem eines hinterließ: viel Frust.

Gerade bei der für das Homeschooling notwendigen Technik sehen viele Lehrer in Sachsen-Anhalt noch immer große Probleme. Zumal bislang unklar ist, wie das kommende Schuljahr wird. Schulleiterin Andrea Golz aus Burg hat zum Beispiel neue Rechner für die Lehrkräfte erhalten, kann sie aber noch nicht nutzen.

Ein Kind tippt auf App-Icons. 1 min
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MDR FERNSEHEN Mi 21.07.2021 06:51Uhr 00:20 min

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Der Schulleiter des Geschwister-Scholl Gymnasiums in Sangerhausen, Jens Peter, berichtet, dass "die Schülerinnen und Schüler, die in der Schulzeit schon gewusst haben, was sie möchten, ihr Ding auch während der Corona-Zeiten durchgezogen haben." Aber etwa zehn Prozent der Schüler habe man verloren. Das könne unter anderem am häuslichen Background liegen, erklärt Peter.

Bildungsminister zieht gemischte Bilanz

Auch aus Sicht von Sachsen-Anhalts Bildungsminister Marco Tullner (CDU) geht mit dem Ferienbeginn ein besonders arbeitsreiches Schuljahr zu Ende: "Wir haben uns im gesamten letzten Jahr neben den normalen Themen, denen man sich ja in Schulen widmet, immer mit der Frage beschäftigen müssen, wie schaffen wir es, eine möglichst sichere Schule zu organisieren, damit wir unserem Bildungsauftrag gerecht werden. Das war am Anfang das Thema Masken und Hygieneregeln, das Testsystem, das wir mit sehr großem Aufwand auch in Sachsen-Anhalt betrieben haben." Außerdem sei Sachsen-Anhalt das erste Bundesland gewesen, das flächendeckend allen Lehrerinnen und Lehrern ein Impfangebot eingeräumt habe.

Das Schuljahr war mit Sicherheit eines der forderndsten Schuljahre für alle Beteiligten.

Marco Tullner (CDU) Bildungsminister

Um die Schulen im kommenden Schuljahr pandemiefest zu machen, hat Tullner am Dienstag angekündigt, in schlecht lüftbaren Klassenzimmern Luftfilter zu installieren. Zunächst müsse aber eine Bestandsaufnahme gemacht werden, wie viele Räumlichkeiten entsprechend ausgestattet werden. Anschaffen müssen die Filter die Kommunen, Bund und Land die Finanzierung übernehmen. Bis zum Start des neuen Schuljahres im September werde das aber nicht gelingen, räumte Tullner ein.

Der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft in Sachsen-Anhalt (GEW) geht das aber nicht schnell genug. GEW-Landesvorsitzende Eva Gerth sagte MDR SACHSEN-ANHALT, eine Ausstattung der Klassenräume müsse schleunigst umgesetzt werden: "Wir erwarten, dass man jetzt nicht erst die Hausmeister durch die Schulen schickt und erst einmal guckt, ob vielleicht ein Luftfilter gebraucht wird, sondern dass das schnellstens umgesetzt wird."

Auch von der Test- und Maskenpflicht möchte sich Gerth angesichts einer drohenden vierten Infektionswelle im kommenden Schuljahr noch nicht vollends verabschieden: "Also es gibt durchaus Schulen, wo die Schüler so eng sitzen, dass man die Masken auch im Unterricht braucht. Auch die Testpflicht an den Schulen muss auf jeden Fall beibehalten werden, solange die Schüler eben noch nicht ausreichend geschützt sind."

Corona ist Neu(stadt) – eine hallesche Schulklasse zwischen Ausbruch und Abiprüfungen

Zeichnung des Christian-Wolff-Gymnasiums in Halle auf einer Schultafel.
"Corona ist Neu(stadt) - eine hallesche Schulklasse zwischen Ausbruch und Abiprüfungen" – zu finden bei MDR, apple, spotify, und fast überall wo es Podcasts gibt. Bildrechte: MDR/ Schörm
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Auch trotz der nun angekündigten Luftfilter an den Schulen, erwartet der Präsident des Lehrerverbandes, Heinz-Peter Meidinger, auch im kommenden Schuljahr große Einschränkungen infolge der Corona-Pandemie.

Heinz-Peter Meidinger, Präsident des Deutschen Lehrerverbandes
Heinz-Peter Meidinger Bildrechte: Deutscher Lehrerverband

Präsenzunterricht um jeden Preis bedeutet, die Durchseuchung der Schulen in Kauf zu nehmen. So ehrlich sollte die Politik das schon sagen.

Heinz-Peter Meidinger Präsident des Lehrerverbandes

Meidinger befürchtet, dass wegen der besonders ansteckenden Delta-Variante des Virus Hunderttausende Schüler in Quarantäne müssen: "Niemand kann ausschließen, dass wir wegen der Delta-Variante und der mangelnden Impfquote eine enorme vierte Welle bekommen, in der dann auch wieder Wechselunterricht nötig wird." Meidinger rief die Politik zu Ehrlichkeit auf. "Wer jetzt verspricht, dass es im nächsten Jahr auf jeden Fall vollständigen Präsenzunterricht geben wird, begibt sich auf dünnes Eis", sagte der Verbandspräsident.

MDR, Thomas Tasler, Nicole Franz, dpa

Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN-ANHALT – Das Radio wie wir | 21. Juli 2021 | 14:00 Uhr

1 Kommentar

ElBuffo vor 5 Tagen

Wie will denn der Präsident verhindern, dass sich Schulkinder zu Hause oder sonstwo infizieren?

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