Mehr als 110 km/h auf dem Brocken Sturmtief "Antonia" – Wenige Schäden in Sachsen-Anhalt

Nach den Stürmen der vergangenen Tage hat "Antonia" wenig neue Schäden verursacht. Der Bahnverkehr blieb allerdings auch am Montag in Sachsen-Anhalt noch eingeschränkt. Im Harz wird vor umgestürzten Bäumen gewarnt. Eine amtliche Unwetterwarnung des Deutschen Wetterdienstes gilt seit dem Mittag nicht mehr landesweit. Für Höhenlagen im Oberharz wird weiterhin vor Orkanböen gewarnt.

Das Sturmtief "Antonia" ist in der Nacht zu Montag mit Windgeschwindigkeiten von mehr als 110 Kilometer pro Stunde über Sachsen-Anhalt hinweggezogen, wobei die Spitzengeschwindigkeiten bisher auf dem Brocken erreicht wurden. Für Lagen über 1.000 Meter im Oberharz gilt noch bis Dienstag eine amtliche Unwetterwarnung vor extremen Orkanböen. Auch anderswo im Land sind heftige Böen registriert worden, zum Beispiel in Ummendorf im Landkreis Börde mit bis zu 80 Kilometer pro Stunde.

Nach Angaben des Lageszentrums musste die Feuerwehr in Sachsen-Anhalt zu zahlreichen Einsätzen ausrücken, vor allem wegen umgestürzter Bäume. Über größere Schäden oder Verletzte sei aber bislang nichts bekannt. Der MDR-JUMP-Verkehrsservice warnt insbesondere für den Landkreis Harz vor umgestürzten Bäumen. Im Oberharz kommt es demnach etwa zwischen Bad Harzburg, Braunlage und Clausthal-Zellerfeld wegen umgestürzter Bäume zu Einschränkungen.

Die Verwaltung des Nationalparks Harz warnt weiterhin davor, die Harzer Wälder zu betreten. Frühestens zum Wochenende könnten die Wege wieder verkehrssicher gemacht und freigegeben werden. Der Leiter des Landesforstbetriebs Ostharz, Hans-Christian Schattenberg, wagte gegenüber MDR SACHSEN-ANHALT eine erste vorsichtige Schätzung, nach der rund 50.000 bis 60.000 Bäume umgestürzt seien.

Versicherungen rechnen mit Sturm-Schäden in Millionenhöhe

Die drei Stürme der vergangenen Tage haben den Öffentlichen Versicherungen Sachsen-Anhalt (ÖSA) zufolge Schäden in Höhe von mehreren Millionen Euro verursacht. Die genaue Summe sei noch nicht abschätzbar. Bislang seien weit mehr als 1.000 Schadensmeldungen eingegangen. Meist handele es sich um Gebäudeschäden.

Die ÖSA rechnen nach eigenen Angaben mit weiteren Meldungen, allerdings nicht in einem Ausmaß wie nach dem Sturm Friederike im Januar 2018. Dieser habe rund 10.000 Schäden in Höhe von mehr als 12,7 Millionen Euro verursacht. Die Versicherungsbeiträge sollen nach den jetzigen Stürmen nicht steigen.

Weiter Einschränkungen im Bahnverkehr

Wegen des Unwetters müssen sich Fahrgäste weiterhin auf Einschränkungen im Bahnverkehr einstellen. Ein Sprecher sagte MDR SACHSEN-ANHALT am Montagmorgen, im Regionalverkehr in Sachsen-Anhalt werde es noch Ausfälle geben. Es sei mit Verspätungen und Zugausfällen in der gesamten Region zu rechnen, hieß es auch bei den aktuellen Verkehrsmeldungen der Bahn.

Betroffen ist demnach weiterhin der RE20 zwischen Magdeburg-Stendal-Salzwedel und Uelzen. "Ein Busnotverkehr ist eingerichtet", teilt die Bahn mit. Auf der Strecke der S1 zwischen Schönebeck Bad-Salzelmen und Wittenberge ist ein Teilausfall auf dem Abschnitt zwischen Stendal und Osterburg betroffen, auch hier sei ein Busnotverkehr eingerichtet. Auf der Strecke des RB40 (der in Burg startet) sind zwischen Helmstedt und Braunschweig ebenfalls keine Bahnen auf der Schiene, sondern stattdessen Notbusse auf der Straße. Wie lange das noch so sein wird, konnte die Bahn zunächst nicht sagen.

Schwer zu sagen, wie groß der Anteil ist, den Sturmtief "Antonia" daran hat. Einige Linien sind noch von Unwetterschäden durch das vergangene Sturmtief "Zeynep" betroffen. Bundesweit war es so, dass die Sturmserie das Unternehmen nach eigenen Angaben stärker getroffen hat als zunächst befürchtet. Am Wochenende waren laut Bahn rund 2.000 Helfer im Einsatz, um umgestürzte Bäume zu beseitigen und Oberleitungen zu reparieren.

Harzer Schmalspurbahnen stehen bis Dienstag still

Die meisten Züge der Harzer Schmalspurbahnen sind nach Informationen von MDR SACHSEN-ANHALT voraussichtlich mindestens bis Dienstag außer Betrieb. Ausnahme ist demnach der Streckenabschnitt zwischen Nordhausen und Ilfeld in Thüringen.

Die Harzer Schmalspurbahnen hatten am Sonntag angefangen, das Streckennetz nach den Sturmtiefs "Zeynep", "Ylenia" und "Xandra" von umgestürzten Bäumen zu befreien. Wegen des neuen Tiefs "Antonia" mussten die Arbeiten jedoch gestoppt werden.

Pegel an der Bode steigt

Wegen des Regens aus den Sturmtiefs der vergangenen Tage – speziell im Harz mit Dauerregen – kommt es im Land an den Nebenflüssen stellenweise zu Hochwasserlagen. Das zeigen die Daten der Hochwasservorhersagezentrale. So ist der Pegel Wegeleben für die Bode im Landkreis Harz seit Sonnabend um 13 Zentimeter angestiegen, und damit von der niedrigsten Hochwasseralarmstufe 1 auf Stufe 2. An der Ilse am Pegel in Ilsenburg sowie am Pegel in Hoppenstedt wurde die Hochwasseralarmstufe 1 erreicht. Da "Antonia" aber nicht so viel Regen gebracht habe wie zunächst angenommen, habe sich die Lage leicht entspannt.

Wegen des stürmischen Wetters oder steigender Pegel sind einige Fähren außer Betrieb, darunter die Elbfähre Ferchland-Grieben und Pretzsch sowie die Saalefähre Brachwitz.

MDR, dpa (Mandy Ganske-Zapf, André Plaul, Martin Nass)

Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN-ANHALT – Das Radio wie wir | 21. Februar 2022 | 05:00 Uhr

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