Steuerkraft Lützen ist die reichste Gemeinde des Landes, Bornstedt die ärmste

Bornstedt im Landkreis Mansfeld-Südharz hat die schlechteste Finanzsituation in Sachsen-Anhalt. Dort liegt die Steuerkraft pro Einwohner bei 316 Euro. Das geht aus Daten des Finanzministeriums hervor. Spitzenreiter ist Lützen im Burgenlandkreis mit einer Steuerkraft von mehr als 7.000 Euro pro Einwohner.

Gustav-Adolf-Gedenkstätte in Lützen
Die Gustav-Adolf-Gedenkstätte in Lützen: Die Stadt nimmt im Landesvergleich die meisten Steuern ein. Bildrechte: imago/Steffen Schellhorn

  • Geldnot: In Bornstedt mussten die Vereinsförderung zurückgefahren und Kita-Beiträge erhöht werden.
  • Geldsegen: In Lützen kann mit über zehn Millionen Euro Gewerbesteuern geplant und in Wohnungsbau, Kitas und Schulen investiert werden.

Die Infrastruktur ist gar nicht mal so verschieden. Bornstedt und Lützen liegen beide nahe der Autobahn 38, nur gut 40 Minuten auseinander. Doch finanzpolitisch trennen die beiden Orte Welten.

Bornstedt: 316 Euro – Lützen: 7.048 Euro

Die Gemeinde Bornstedt (Landkreis Mansfeld-Südharz) hat die geringste Steuerkraft in Sachsen-Anhalt, pro Einwohner sind es gerade einmal 316 Euro. Spitzenreiter Lützen (Burgenlandkreis) weist mit 7.048 Euro pro Einwohner eine Steuerkraft auf, die rund zwanzig Mal höher ist. Das geht aus einer Aufstellung des Hauses von Finanzminister Michael Richter (CDU) hervor.

Bornstedt muss an allen Ecken und Enden sparen

Eine Straߟe führt durch die Gemeinde Bornstadt.
In Bornstedt sieht es düster aus: Die Gemeinde nimmt kaum Geld ein. Bildrechte: dpa

Aufgrund der schlechten Finanzlage waren in Bornstedt zuletzt unpopuläre Beschlüsse nötig. Die Vereinsförderung wurde zurückgefahren, die Kita-Beiträge zu Jahresbeginn erhöht. Der Haushalt der 800-Einwohner-Gemeinde ist dennoch auch 2022 nicht ausgeglichen. Auf der Einnahmeseite geht nicht mehr viel. Die Hebesätze für Grund- und Gewerbesteuer sind im Landesvergleich schon hoch. Trotzdem hat Bornstedt im Jahr 2020 gerade einmal 36.000 Euro an Gewerbesteuern eingenommen. Größere Betriebe gibt es keine.

Lützen profitiert von zwei großen Gewerbegebieten

Ganz anders ist die Situation in Lützen. Die Stadt plant pro Jahr mit zehn bis zwölf Millionen Euro Gewerbesteuereinnahmen – trotz eines geringen Hebesatzes von 240. Zum Vergleich: In Bornstedt ist der Hebesatz mit 450 fast doppelt so hoch. Lützen verfügt hingegen über gleich zwei große Gewerbegebiete vor den Toren Leipzigs.

Kurz: Wer schon viel hat, muss Unternehmen nicht so stark besteuern wie Kommunen mit klammen Kassen – und kann somit weitere Firmen anlocken. Auch die Grundsteuern für das eigene Haus fallen in reichen Gemeinden oft niedriger aus.

Lützen investiert – Bornstedt klagt an

Während Lützen in den nächsten Jahren in das Sommerbad, den Wohnungsbau und die Sanierung von Kitas und Schulen investiert, kann Bornstedt von solchen Spielräumen nur träumen. "Die Gemeinde hat bereits alle Steuern angehoben. Mehr ist nicht möglich. Die Länder müssten die finanzschwachen Kommunen mehr unterstützen", schätzt die Verwaltung ein.

Neben Bornstedt beklagen viele weitere Städte und Gemeinden in Sachsen-Anhalt seit Jahren, dass das Geld vom Land nicht ausreicht. Die schwarz-rot-gelbe Koalition hat Verbesserungen angekündigt. Im Rahmen des Finanzausgleichs sollen mehr Mittel an die Kommunen fließen. Ab dem Jahr 2024 soll der kommunale Finanzausgleich dann grundlegend reformiert werden.

dpa, MDR (Gero Hirschelmann)

Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN-ANHALT | 06. Januar 2022 | 14:00 Uhr

2 Kommentare

Burgfalke vor 20 Wochen

Am Beispiel Lützen gut ersichtlich wie sich "Fehlentwicklungen" oder Einflußnahme oder halt auch Abneigungen auswirken.

Wenn ich mich nicht täusche, so handelt es sich bei dem einen Gewerbegebiet um Zorbau.
Außenstehende haben gewiß nie verstanden, warum man sich für "Lützen" entschieden hat, obwohl nur die Autobahn WSF und Zorbau voneinander trennen. Die Entscheidung (vielleicht hatte wieder R. Erben seine Hände im Spiel?) fiel zu gunsten von Lützen aus. Hier hat man im Gegensatz zu WSF sicher etwas mehr Mitspracherechte als klein(st)er Ort?

Es darf nicht sein, daß div. "Zufälle" (Lage usw.) die Ansiedlungen ermöglichen und andere Orte oder Gemeinden dann u.a. durch geografische Dinge in jeder Hinsicht das Nachsehen haben.

Nur div. Ausgleiche können da gegensteuern und die meist unverschuldete Situation etwas abmildern. Der Eigennutz steht dem natürlich entgegen.

Steffen 1978 vor 20 Wochen

Bornstedt liegt im Landkreis MSH wo so ziemlich alle Gemeinden an Geldnot leiden man sollte sich mal Gedanken machen ob das zulasten der Führungspersonalien des Landkreises und der Landesführung zu Schulden ist über 30 Jahre wurde Abwanderung gefördert Gewerbetreibenden der Weg erschwert das Resultat sieht man nicht erst heute

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