Gefährliche Stiche Zecken: In Sachsen-Anhalt gibt es überdurchschnittlich viele Borreliose-Fälle

In den vergangenen zehn Jahren ist die Anzahl der Lyme-Borreliose-Fälle in Sachsen-Anhalt leicht angestiegen. Bei 591 von 100.000 Versicherten wurde die Krankheit 2019 diagnostiziert, damit liegt das Land deutschlandweit auf dem vierten Platz. Besonders betroffen sind die Landkreise Harz, Jerichower Land und der Burgenlandkreis.

Zecke auf einem Arm
Der gemeine Holzbock, die in Deutschland am häufigsten vorkommende Zeckenart, kann gefährliche Krankheiten wie FSME oder Borreliose übertragen. Bildrechte: imago images/CHROMORANGE

Bei 306.000 Versicherten in Deutschland wurde 2019 die von Zecken übertragene Lyme-Borreliose diagnostiziert. Die Krankheit gibt es zwar in allen Landkreisen, jedoch ist die Häufigkeit regional sehr unterschiedlich. In Sachsen, Thüringen und Sachsen-Anhalt liegen die Zahlen deutlich über dem Durchschnitt.

Das ist das Ergebnis einer im Juni veröffentlichten Borreliose-Studie des Zentralinstituts für die kassenärztliche Versorgung in Deutschland. In der Studie analysierte das Institut die vertragsärztlichen Abrechnungsdaten von 2010 bis 2019.

Zahlen steigen seit 2010 leicht an

In Sachsen-Anhalt wurde 2019 bei 591 von 100.000 Versicherten Lyme-Borreliose diagnostiziert. Noch höher waren die Zahlen nur in Brandenburg (710), Thüringen (759) und Sachsen (919). Seit 2010 ist in Sachsen-Anhalt und auch bundesweit ein leichter Anstieg zu verzeichnen. Das größte Gebiet mit hohen Fallzahlen erstreckt sich über 45 Landkreise in Brandenburg, Sachsen, Thüringen und Bayern Auch der Burgenlandkreis in Sachsen-Anhalt ist Teil davon.

Anders als in vielen anderen Bundesländern gilt in Sachsen-Anhalt seit 2001 eine Meldepflicht für die Krankheit. Da die Meldepflicht nicht für alle Diagnoseformen der Lyme-Borreliose gilt und leichte Fälle oft nicht gemeldet werden, fallen diese Zahlen deutlich geringer aus als die aus den Abrechnungsdaten.

Trotzdem zeigt sich auch hier eine ähnliche Tendenz für Sachsen-Anhalt. Die Zahlen steigen insgesamt leicht an, sind aber seit 2016 relativ stabil. 2019 und 2020 hat sich der Wert kaum verändert.

Was ist Lyme-Borreliose? Lyme-Borreliose wird durch Bakterien, die sogenannten Borrelien, übertragen. Durch Zeckenstiche werden diese Bakterien auf den Menschen übertragen. Das auffälligste Zeichen für eine Infektion ist die sogenannte Wanderröte, eine kreisförmige Rotfärbung der Haut um den Zeckenstich. Diese entsteht allerdings nicht bei jeder Infektion. Andere Symptome sind oft unspezifisch und reichen von Kopfschmerzen und Fieber selten sogar bis zu Lähmungen. Da auch nicht jeder Zeckenstich bemerkt wird, kann die Diagnose schwierig sein. Die Krankheit kann mit Antibiotika behandelt werden. Wenn sie erst spät entdeckt wird, können jedoch Schäden bleiben.

Wie hoch ist das Risiko und wie kann man vorbeugen?

Zeckensaison war bisher meist von März bis Oktober. Durch den Klimawandel könnte sich das aber ändern. In milden Wintern mit Bodentemperaturen über sieben Grad Celsius werden die Spinnentiere aktiv. Auch wenn wegen Trockenheit mehr Bäume absterben und so mehr bodennahe Pflanzen wachsen, kann das die Zeckenpopulation erhöhen.

Je nach Region sind fünf bis 22 Prozent der Zecken infiziert. Die Krankheit bricht allerdings nicht bei allen Menschen aus, die sich mit Borrelien infiziert haben. Oft geht eine Infektion symptomlos vorüber.

Zecken sollten schnell entfernt werden

Die Zecken tragen die Erreger im Darm, von wo diese erst nach einigen Stunden auf den Menschen übergehen. Deshalb ist es wichtig, sich nach dem Aufenthalt in Wäldern und Gegenden mit vielen bodennahen Pflanzen gründlich abzusuchen und Zecken schnell zu entfernen.

Die Einstichstelle sollte danach noch etwa zwei Wochen beobachtet werden. Lange Kleidung und Abwehrsprays können helfen, sich vor den Stichen zu schützen. Eine zugelassene Impfung gegen Lyme-Borreliose gibt es bisher noch nicht, jedoch befindet sich ein Impfstoff der österreichischen Firma Valneva in einer Testphase und könnte ab 2025 in Deutschland zugelassen werden.

Unterschiedlich hohe Zahlen in den Landkreisen

Mit mehr als 750 Fällen je 100.000 Versicherten sind die Zahlen in den Landkreisen Harz, Jerichower Land und im Burgenlandkreis besonders hoch, während im Altmarkkreis Salzwedel und in Anhalt-Bitterfeld die Inzidenz bei unter 500 liegt. Allerdings ist auch dieser Wert noch über dem bundesweiten Durchschnitt von 429 und weit über Kreisen wie Herne und Oberhausen, in denen weniger als 100 Fälle je 100.000 Versicherten erfasst wurden.

MDR/Joline Bark

Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN-ANHALT HEUTE | 25. Juli 2021 | 19:00 Uhr

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