Partei-Hochburgen Bundestagswahl 2021: So haben die Parteien in Ihrem Ort in Sachsen-Anhalt abgeschnitten

Manuel Mohr
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Die Menschen in Deutschland und damit auch in Sachsen-Anhalt haben einen neuen Bundestag gewählt. Wie die Parteien bei Ihnen im Ort abgeschnitten haben und wie klein oder groß die Unterschiede zum bundesweiten Ergebnis sind, zeigt die Analyse von MDR SACHSEN-ANHALT.

Sieben Sachsen-Anhalt-Karten nebeneinander aufgereiht und jeweils eingefärbt nach den Wahlergebnissen der Parteien auf Gemeindeebene bei der Bundestagswahl 2021.
Bei der Bundestagswahl 2021 waren auf Gemeinde-Ebene deutliche Wähler-Verschiebungen zu beobachten. Kaum eine Partei konnte ihre Hochburg von 2017 halten. Bildrechte: MDR/Manuel Mohr

Die SPD ist bei der Bundestagswahl laut vorläufigem Ergebnis stärkste Kraft geworden. Dieses deutschlandweite Ergebnis zeigt sich auch beim Blick auf die Wahlergebnisse aller 218 Städte und Gemeinden in Sachsen-Anhalt. In mehr als der Hälfte aller Orte (120 bzw. 55 Prozent) geht die SPD als Partei mit den meisten Zweitstimmen hervor:

Insgesamt schneidet die SPD in keinem Ort schlechter als als drittstärkste Kraft. Gleiches gilt zwar auch für die CDU, die aber flächendeckend Verluste hinnehmen muss und nur noch in 36 Orten das beste Zweitstimmenergebnis einfährt. Zum Vergleich: Die AfD gelingt dies in 62 Städten und Gemeinden.

SPD-Hochburgen

Bei der diesjährigen Bundestagswahl geht die Gemeinde Goldbeck (Landkreis Stendal) als SPD-Hochburg hervor. 31,2 Prozent aller Zweitstimmen entfallen auf die Partei mit Kanzlerkandiat Olaf Scholz. Anteilig die wenigsten Stimmen (16,7 Prozent) entfielen in der Gemeinde Plötzkau (Salzlandkreis) auf die SPD:

Wie unterschiedlich Wahlen für Parteien innerhalb weniger Monate ausfallen können, zeigt sich am Beispiel der SPD besonders deutlich. Während bei der Landtagswahl in Sachsen-Anhalt im Juni 2021 die SPD auf Gemeindeebene mit 16,7 Prozent in Ilsenburg (Harz) ihr bestes Gemeinde-Ergebnis erzielen konnte, ist exakt dieser Wert nun der niedrigste aller Orte bei der Bundestagswahl.

Anzumerken sei hier allerdings, dass nicht nur einige Monate Zeit zwischen beiden Ereignissen liegen, sondern Parteien sowie deren Programme Kandidierenden auf Landes- und Bundesebene in der Wählerschaft sehr unterschiedlich wahrgenommen und bewertet werden können.

CDU-Hochburgen

Größte Wahlverliererin der Bundestagswahl ist die Union. In Sachsen-Anhalt büßt die CDU in allen 218 Orten Zweitstimmen ein, vielerorts sogar im zweistelligen Prozentpunkt-Bereich. Der größte Verlust in dieser Kategorie ist in der neuen SPD-Hochburg Goldbeck (Landkreis Stendal) zu beobachten. Dort sackt die CDU über 22 Prozentpunkte ab und landet nur noch bei einem Zweitstimmen-Anteil von 17,3 Prozent.

Das beste Ergebnis erzielte die CDU mit 31,0 Prozent in Kemberg. Die Kleinstadt im Landkreis Wittenberg löst damit die Gemeinde Ingersleben (Landkreis Börde) ab, die bei der vergangenen Bundestagswahl mit 40,5 Prozent CDU-Hochburg Nummer 1 war. Die niedrigsten Wähleranteile erlangte die CDU in Iden (Landkreis Stendal) und der Stadt Halle:

Grüne-Hochburgen

Im Vergleich zur Bundestagswahl 2017 legen den Grünen auch in Sachsen-Anhalt spürbar zu, bleiben hier jedoch deutlich hinter dem bundesweiten Ergebnis zurück. Einzige Ausnahme ist die Grünen-Hochburg Halle, in der die Grünen mit 14,8 Prozent (vorläufiges Ergebnis) exakt den Zweitstimmen-Anteil erreichen, den die Partei auch auf Bundesebene erzielt hat:

Ein zweistelliges Ergebnis können die Grünen neben Halle nur noch in Magdeburg (11,9 Prozent) einfahren. Die Gemeinde Nemsdorf-Göhrendorf (Saalekreis) erweist sich hingegen erneut als kein gutes Grünen-Pflaster. 2017 lag der Zweitstimmen-Anteil der Grünen dort bei 0,2 Prozent – der niedrigste aller Werte. Dieses Mal sind es immerhin 1,7 Prozent und damit vor der Gemeinde Barnstädt (ebenfalls Saalekreis) der zweitniedrigste Wert.

FDP-Hochburgen

Stößen im Burgenlandkreis ist die FDP-Hochburg aller Städte und Gemeinden in Sachsen-Anhalt. Schon 2017 lag sie mit 11,6 Prozent für die FDP unter den Top 3 der Liberalen – mit 14,4 Prozent bei der jetzigen Bundestagswahl hat die Wählerschaft hier nochmals spürbar zugelegt:

Die Hansestadt Werben (Elbe) im Norden des Landkreises Stendal ist hingegen der einzige Ort in Sachsen-Anhalt, in dem die FDP weniger als fünf Prozent aller Zweitstimmen gewinnen konnte.

AfD-Hochburgen

Bei der AfD blieb das Zweitstimmen-Ergebnis mit gerundeten 19,6 Prozent unverändert zur Bundestagswahl 2017. Und auch die Hochburg ist noch die Gleiche wie bei der vergangenen Wahl: die Gemeinde Schnaudertal (Burgenlandkreis) im südlichsten Zipfel Sachsen-Anhalts. Die Plätze 2 (Kretzschau) und 3 (Meineweh) gehen ebenfalls an Gemeinden im Burgenlandkreis:

Das niedrigste Zweitstimmen-Ergebnis erzielte die AfD in Ilsenburg im Harz (12,8 Prozent) sowie in der Grünen-Hochburg Halle (13,8 Prozent).

Linke-Hochburgen

Nach der CDU ist die Linke die zweite große Wahlverliererin. Die Partei verzeichnet ausnahmslos Verluste in Sachsen-Anhalts Gemeinden. Noch die höchsten Zweitstimmen-Anteile gab es in den Gemeinden Borne (Salzlandkreis) und Nemsdorf-Göhrendorf (Saalekreis) mit jeweils 13,4 Prozent. In Bornstedt (Landkreis Mansfeld-Südharz) lag das Ergebnis sogar unter fünf Prozent:

Wahlbeteiligung und Wahlkreise

Mit 67,9 Prozent liegt die Wahlbeteiligung im landesweiten Durchschnitt knapp unterhalb des Werts von 2017. Damals nahmen 68,1 Prozent der Wahlbeteiligten ihr Wahlrecht wahr. Auf Gemeinde-Ebene zeigt sich bei der Beteiligung an der Landtagswahl eine breite Streuung. Während in Staßfurt (Salzlandkreis) nur 59,6 Prozent der zur Wahl berechtigten Menschen ihre Stimmen abgaben, waren es in der Gemeinde Hassel (Verbandsgemeinde Arneburg-Goldbeck im Landkreis Stendal) 80 Prozent.

Von den 218 Städten und Gemeinden in Sachsen-Anhalt lagen nur 15 gleich auf oder über der deutschlandweiten Wahlbeteiligung von 76,6 Prozent. Der Briefwahl-Anteil lag nach Angaben der Landeswahlleiterin bei rund 34 Prozent.

Im Unterschied zu den Zweitstimmen entscheidet die Wählerschaft mit den Erststimmen über die Direktkandidatinnen und -kandidaten der insgesamt 299 Wahlkreise in Deutschland. Wer die neun Wahlkreise in Sachsen-Anhalt – teilweise mit hauchdünnem Vorsprung – gewonnen hat, können Sie hier nachlesen:

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In einer Runde sitzen die Bundestagswahl-Spitzenkandidaten Alice Weidel (AfD), Christian Lindner (FDP) , CSU-Chef Markus Söder, die Kanzlerkandidaten Armin Laschet (CDU), Annalena Baerbock (Grüne) und Olaf Scholz (SPD) sowie die Linke-Vorsitzende Susanne Hennig-Wellsow. mit Video
Die AfD-Spitzenkandidatin Alice Weidel (l-r), FDP-Spitzenkandidat Christian Lindner, CSU-Chef Markus Söder, Armin Laschet (CDU), Kanzlerkandidat der Union, die Moderatoren Rainald Becker und Peter Frey, Annalena Baerbock, Kanzlerkandidatin von Bündnis 90/Die Grünen, Olaf Scholz, Kanzlerkandidat der SPD, sowie die Vorsitzende der Partei Die Linke, Susanne Hennig-Wellsow, sprechen in einem Wahlstudio des ZDF bei der "Berliner Runde" über die Bundestagswahl. Bildrechte: dpa

Quelle: MDR/Manuel Mohr

Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN-ANHALT - Das Radio wie wir | 27. September 2021 | 07:00 Uhr

1 Kommentar

Steffen 1978 vor 8 Wochen

Nach diesem Wahlergebnis sollten die Altparteien langsam aufwachen Zeit ist noch bis zur nächsten Landtagswahl bis jetzt bleibt aber nur die Arroganz der letzten 31 Jahre

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