Inklusion in Sachsen-Anhalt Quote der Beschäftigen mit Behinderung seit Jahren unter dem Schnitt

Rund jede zehnte Person in Sachsen-Anhalt lebt mit einer schweren Behinderung. Viele könnten voll arbeiten, wenn sie einen Job bekämen. Aber trotz gesetzlicher Pflichten ist die Beschäftigtenquote gering: Sie liegt bei 3,4 Prozent. Sachsen-Anhalt ist damit das Schlusslicht unter den Bundesländern. Die Bundesagentur für Arbeit vermutet, das es daran liegt, dass in Sachsen-Anhalt besonders viele kleine Unternehmen ansässig sind.

In einer Werkshalle arbeitet ein Mann an mit einer Zange. Er trägt eine Latzhose und sitzt im Rollstuhl.
Die Beschäftigungsquote von Menschen mit schwerer Behinderung ist deutschlandweit in Sachsen-Anhalt seit Jahren am niedrigsten. Bildrechte: dpa

Die Beschäftigungsquote der Menschen mit schwerer Behinderung in Sachsen-Anhalt liegt im Ländervergleich auf dem letzten Platz. In einem aktuellen Bericht der Bundesagentur für Arbeit lag sie 2019 in Sachsen-Anhalt bei 3,4 Prozent und in ganz Deutschland bei 4,6 Prozent. Für 2020 liegen noch keine Zahlen vor. Die Quote bezieht sich dabei auf möglichen Arbeitsplätze.

Doch das ist keine neue Entwicklung. In Sachsen-Anhalt liegt die Quote schon seit Jahren unter den Bundesländern am niedrigsten. Und sie verbessert sich nicht. Im Gegenteil: Von 2018 auf 2019 ist sie gesunken.

Dabei ist es gesetzlich so geregelt, dass Unternehmen ab einer Größe von 20 Arbeitsplätzen fünf Prozent von diesen mit schwerbehinderten Menschen besetzen sollen. Bei 20 Arbeitsplätzen wäre das also ein Platz und bei 40 Arbeitsplätzen wären es zwei. In Sachsen-Anhalt wären mehr als 4.000 Unternehmen.

Rund 7.000 Plätze unbesetzt

Wenn die Unternehmen die fünf Prozent nicht besetzen, dann müssen sie eine Ausgleichsabgabe zahlen. Die kostet mindestens 125 Euro und maximal 320 Euro, je nachdem, wie viele Plätze frei bleiben. Nach Angaben der Bundesagentur für Arbeit kommen etwas weniger als 3.000 Unternehmen "ihrer Beschäftigungspflicht nicht vollständig oder gar nicht nach". Rund 7.000 "Pflichtplätze" sind unbesetzt.

Im Bericht der Bundesagentur zeigt sich, dass vor allem größere Unternehmen mehr Menschen mit schwerer Behinderung beschäftigen. Das liege daran, dass der bürokratische Aufwand für größere Unternehmen leichter zu stemmen sei. Weil in Sachsen-Anhalt vor allem kleinere Unternehmen tätig seien, sei hier die Quote besonders niedrig, vermutet die Bundesagentur.

Unter den Berufssektoren unterscheiden sich die Quoten ebenfalls. Die höchste Beschäftigungsquote weist der Dienstleistungssektor auf. Dort sind es in Sachsen-Anhalt 3,7 Prozent. Am niedrigsten ist die Quote im Sektor Land-, Forstwirtschaft und Fischerei, mit 2 Prozent.

Zeigt sich daran nicht, dass Menschen mit schweren Behinderungen nicht überall arbeiten können? Der Menschenrechtsaktivist Raul Krauthausen sagte in der vergangenen FAKT IST! Sendung beim MDR dazu: "Behinderten Menschen ist klar, dass sie nicht alles werden können. Aber das, was sie werden können, sollten sie werden dürfen".

Quelle: MDR/David Muschenich

Dieses Thema im Programm: MDR FERNSEHEN | FAKT IST! | 12. April 2021 | 20:30 Uhr

3 Kommentare

Altmagdeburger vor 25 Wochen

Laut SHB IX und Internationaler Konvention für Menschen mit Behinderung, wo Deutschland beigetreten ist. Müssen alle Neubauten Behinderten frei gebaut werden und dazu gehören auch alle öffentliche Gebäuden. Leider ist es nicht so.So z.B. das Umgebaute Altstädtische Krankenhaus, auf der Hauptstraße keine Automatische Tür, nicht einmal ein Türöffner, behinderte Toiletten Fehlanzeige und dies zieht sich durch ganz Magdeburg. Aber es gibt auch gute Beispiele, wie das Bürgerhaus und Poliklinik in der Lübecker Straße, aber es ist noch viel zu wenig. Ich sehe da zum Beispiel noch für Blinde und Gehörlose Menschen ein Nachhole bedarf und nicht nur für Gehbehinderte Menschen. Ein kleinwüchsiger Mensch kommt an die oberen Regale gar nicht ran, ein Blinder weiß nicht einmal wo was steht und so mansche Durchsage bekommt ein Gehörloser gar nicht mit und so weiter und so weiter.

Altmagdeburger vor 25 Wochen

Laut SGB IX und Internationaler Konvention für Menschen mit Behinderung, wo Deutschland beigetreten ist, sollen Hinternisse für Menschen mit Behinderung beseitigt werden. Leider ist dies noch lange nicht so. Das ehemalige Altstädtische Krankenhaus hat zwei Eingänge, einmal mit Auto und ein mal zu Fuß. Auf der Hauptstraße gehen nicht einmal die Türen automatisch auf, geschweige das ein Türöffner da ist und der Eingang wurde neu gebaut. Und ich könnte noch 100 solche Sachen schreiben, nur aus Magdeburg.

Altmagdeburger vor 25 Wochen

Ich war viele Jahre Schwerbehinderter Vertreter eines Konzern u. es wird sogar bei große Konzerne getrickst. Man sagt der Konzern muß 5% erfüllen, dies tut er auch. Nur der Konzern besteht aus mehrere GmbH und laut Gesetz müßten alle GmbH 5% erfüllen u. dies brauen sie nicht.
Und die 320,-€ Strafe setzten sie auch noch von den Steuern ab. Die Strafe müßte der komplette Monatslohn/Gehalt sein, plus 1000,-€ für die Nichtbesetzung. Zum anderen profitierten auch die Integrationsämter davon. Man stelle sich mal vor, alle Menschen mit einer anerkannten Behinderung hätte ein Beruf, dann brauchte man die Integrationsämter nicht mehr u. das SGB IX müßte dann vollständig umgeschrieben werden. Es ist von beiden Seiten nicht gewollt eine 100% Einstellung von Menschen mit einer anerkannten Behinderung die eine Tätigkeit nach kommen können. Ich möchte nicht behaupten das alle Einrichtungen u. Betriebe erst der Profit u. dann der Mensch in Vordergrund steht, aber leider hatte ich immer dieses Gefühl

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