Chronik Wann und wo es in Sachsen-Anhalt Waldbrände gab

In Sachsen-Anhalts Wäldern hat es 2022 bereits deutlich häufiger gebrannt als im Vorjahr. Mehrere Landkreise haben die höchste Waldbrandstufe 5 ausgerufen. Viel Aufmerksamkeit liegt auf dem Harz, dabei brannte es in der Vergangenheit laut dem Landeszentrums Wald im Landkreis Wittenber am häufigsten gebrannt hat. Die Aufzeichnungen zeigen auch: Jeder Landkreis und jede kreisfreie Stadt im Land haben in den letzten Jahren mindestens einen Waldbrand erlebt.

Orange färbt die untergehende Sonne den Himmel über Wernigerode hinter stark geschädigten Fichten.
Der stark geschädigte Wald im Harz ist besonders anfällig für Brände. Bildrechte: dpa

Allein im ersten Halbjahr 2022 gab es nach Angaben des Landeszentrums Wald 80 Waldbrände in Sachsen-Anhalt. Insgesamt hätten dabei knapp 18 Hektar Wald gebrannt. Das sind bereits doppelt so viele Waldbrände wie im gesamten Jahr 2021. Seitdem brannte es immer wieder. Wann und wo es gebrannt hat und wie die Waldbrände sich in den vergangenen Jahren entwickelt haben, erfahren Sie in dieser Übersicht.

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Umrechnung: Quadratmeter, Hektar, Fußballfelder

Bei Waldbränden ist es oft schwer, sich deren Größe vorzustellen. Hier einige Umrechnungen, um die Flächen besser einschätzen zu können:

  • Eine 1.000 Quadratmeter große Fläche kann beispielsweise zehn Meter mal 100 Meter messen oder 20 Meter mal 50 Meter.
  • Eine Fläche von 100 mal 100 Metern sind also 10.000 Quadratmeter.
  • Eine Fläche von 10.000 Quadratmetern ist ein Hektar.
  • Ein Hektar entspricht ungefähr der Größe von 1,4 Fußballfeldern mit einer Größe von 68 mal 105 Metern.
  • Ein Fußballfeld ist also etwas größer als 7.000 Quadratmeter.

Sommer 2022

Wie bereits im Frühjahr befürchtet, hat es in den Sommermonaten Juni und Juli dieses Jahres vermehrt Wald- und Flächenbrände gegeben. Die Landkreise Wittenberg und Jerichower Land haben bereits im Juni die höchste Waldbrandgefahrenstufe 5 ausgerufen, der Kreis Stendal im Juli. Da Wälder ab Gefahrenstufe 5 nicht mehr außerhalb von Wegen betreten werden dürfen, mussten die Protestierenden im Losser Forst ihr Camp verlassen.

Zwischenzeitlich sind Flugzeuge aus Niedersachsen auch über Sachsen-Anhalt unterwegs gewesen, um Waldbrände frühzeitig zu erkennen. Derweil ging das Tauziehen zwischen Feuerwehren und Landesregierung darum, wie die Löscharbeiten künftig unterstützt werden, weiter.

Wo es im Sommer 2022 unter anderem gebrannt hat

03. September, Landkreis Harz: Südlich des Brockens gehen mehrere Hektar Wald in Flammen auf. Bis zum Montag hat sich der Brand auf bis zu 150 Hektar ausgebreitet. das entspricht mehr als 80 Fußballfeldern. Zehn Hubschrauber und zwei Löschflugzeuge werden angefordert, um die Flammen aus der Luft zu bekämpfen.

28. August, Landkreis Harz: Bei Blankenburg geht auf einer Fläche von 1.500 Quadratmetern Wald- und Wiesenfläche in Flammen auf. Rund 35 Feuerwehrleute sind vom späten Abend bis in den nächsten Tag hinein im Einsatz. Der Brand ist aber schnell unter Kontrolle. Zur Ursache gibt es zunächst keine Informationen.

18. August, Landkreis Jerichower Land: Zwischen Genthin und Jerichow stehen 3.300 Quadratmeter Kiefernwald in Flammen. Dutzende Einsatzkräfte mehrerer Feuerwehren sind im Einsatz, am selben Tag ist der Brand gelöscht. Das Forstamt vermutet Brandstiftung.

14. August, Landkreis Stendal: Bei Hohengöhren in der Nähe von Klietz im Landkreis Stendal hat nach einer Woche erneut der Wald gebrannt. Die Polizei ermittelt wegen Brandstiftung.

11. bis 14. August, Landkreis Harz: Ein Großbrand brach bei Schierke unweit der Bahnstrecke der Harzer Schmalspurbahnen aus. Touristen, die auf dem Brocken waren, mussten in Sicherheit gebracht werden, die Zufahrtstraßen nach Schierke wurden komplett gesperrt. Weil das Gelände so schwer zugänglich ist, konnte der Brandherd nicht direkt gelöscht werden. Rund 500 Feuerwehrleute aus mehreren Landkreisen und Niedersachsen sowie mehrere Löschhubschrauber waren im Einsatz. Ein Helikopter der Landespolizei hatte zunächst allerdings einen Defekt. Am Ende brannten vier Hektar Wald ab.

13. August, Altmarkkreis Salzwedel: Zur Grenze zwischen Niedersachsen und Sachsen-Anhalt mussten Feuerwehren aus beiden Ländern anrücken. Rund zehn Hektar Wald standen südwestlich von Beetzendorf in Flammen. Die Einsatzkräfte brachten es nach eigenen Angaben schnell unter Kontrolle.

10. August, Jerichower Land: Entlang des Elbe-Havel-Kanals auf Höhe Detershagen brannte es gleich zweimal. Die Feuerwehr Burg spricht zunächst von rund einem Hektar Wald, der betroffen ist. Offenbar wurden die Brände gelegt. Die Polizei fasste einen Tatverdächtigen in der Nähe.

6./7. August, Landkreis Stendal: Bei Hohengöhren in der Nähe von Klietz im Landkreis Stendal hat der Wald gebrannt. Die Rauchsäule war kilometerweit zu sehen. Auch in Mahlitz auf der anderen Seite des Klietzer Truppenübungsplatzes brannte es am Wochenende. Die Polizei geht von Brandstiftung aus.

20. Juli, Landkreis Börde: Bei Wegenstedt breitete sich ein Feldbrand auf einen angrenzenden Wald aus. Nach Angaben des Kreises sind rund 25 Hektar Wald verbrannt. Ursache war mutmaßlich eine defekte Strohpresse.

18. Juli, Landkreis Harz: An der Georgshöhe bei Thale brannten rund 1.500 Quadratmeter Wald. Rund 50 Einsatzkräfte der Feuerwehren konnten den Brand unter Kontrolle bringen.

17. Juni, Landkreis Harz: In der Nacht war ein Waldbrand zwischen Heimburg und Elbingerode ausgebrochen. Das Feuer breitete sich nach Angaben der Stadtwehr Blankenburg auf einer Fläche von rund sechs Hektar aus. Bis zum Mittag konnten Einsatzkräfte der Feuerwehr und zwei Hubschrauber den Brand unter Kontrolle bringen. Sie mussten jedoch noch länger zahlreiche Glutnester überwachen.

1. Juni, Landkreis Harz: Im Norden von Blankenburg, nahe der Burgruine Regenstein, brannten mehrere Hundert Quadratmeter Wald. Ursache war offenbar ein nicht gelöschtes Lagerfeuer. Rund 40 Feuerwehrleute konnten den Brand am Mittwoch mit Unterstützung eines Hubschraubers löschen.

Frühjahr 2022

Weil es in den ersten Monaten des Jahres dauerhaft zu trocken war, hat es bereits im Frühjahr mehrere größere Waldbrände gegeben. Nachdem ein Großfeuer im Harz mit Unterstützung eines Hubschraubers aus Thüringen gelöscht werden konnte, kritisierte der Chef des Landesfeuerwehrverbands, dass in Sachsen-Anhalt keine Unterstützung aus der Luft bereitgestanden habe. Bei einem Runden Tisch zu Waldbränden kündigte Forstminister Sven Schulze (CDU) an, die Einsatzkräfte künftig verstärkt mit Hubschraubern zu unterstützen.

Wo es im Frühjahr 2022 unter anderem gebrannt hat

25. Mai, Landkreis Jerichower Land: Bei Scharteucke, einem Ortsteil von Jerichow, brannte ein etwa 1.000 Quadratmeter großes Waldstück. Kurz darauf geriet in unmittelbarer Nähe eine weitere Waldfläche in Brand. Beide Feuer konnten laut Polizei schnell gelöscht werden.

15. Mai, Landkreis Harz: Bei Stiege im Oberharz breitete sich ein Waldbrand am Nachmittag auf einer Fläche von rund 2,5 Hektar aus. Feuerwehren aus Sachsen-Anhalt und Thüringen waren mit rund 200 Kräften im Einsatz. Mit Unterstützung eines Hubschraubers aus Thüringen konnten sie den Brand am Abend löschen.

28. April, Landkreis Harz: Auf dem Brocken brannten nahe der Teufelskanzel rund 3.000 Quadratmeter Fichten und Grasland. Die Freiwilligen Feuerwehren aus Schierke und Wernigerode konnten den Brand am selben Tag löschen.

26. April, Landkreis Harz: Im Nationalpark Harz brannte am Nachmittag rund ein Hektar Waldfläche. Die Harzer Schmalspurbahnen mussten den regulären Betrieb einstellen. Stattdessen transportierten die Züge Löschwasser zum Brandort. Besucherinnen und Besucher mussten zwischenzeitlich auf dem Brocken und am Bahnhof Schierke ausharren. Etwa 120 Einsatzkräfte der Feuerwehr brachten das Feuer bis zum Abend unter Kontrolle.

23. März, Landkreis Wittenberg: Bei Schköna in der Dübener Heide verbrannten rund sechs Hektar Wald. Nach Angaben des Forstamtsleiters Philipp Nahrstedt gab es eindeutige Hinweise auf Brandstiftung.

2018 bis 2021: Zwischen 39 und 171 Waldbrände pro Jahr

2021: Dem Landeszentrum Wald zufolge brannte bei 39 Waldbränden eine Fläche von insgesamt rund 23 Hektar. Die meisten Waldbrände gab es demnach im Landkreis Wittenberg mit neun Feuern, gefolgt von den Kreisen Stendal (8), Harz (7) und dem Altmarkkreis Salzwedel (6).

2020: Nach Angaben des Landeszentrums Wald standen 53-mal Wälder im Land in Flammen. Davon sei eine Gesamtfläche von knapp 9 Hektar betroffen gewesen. Im Kreis Jerichower Land habe es mit 20 Waldbränden am häufigsten gebrannt.

2019: Laut Daten des Landeszentrums Wald hat es insgesamt 104 Waldbrände gegeben. Dabei habe eine Gesamtfläche von knapp 20 Hektar gebrannt. Die meisten Waldbrände verzeichnete demnach der Kreis Wittenberg mit 36, gefolgt von den Kreisen Stendal (16), Harz und Jerichower Land (jeweils 14) und dem Altmarkkreis Salzwedel (13).

2018: Das Jahr ist in den Aufzeichnungen des Landeszentrums Wald das mit den meisten Waldbränden in den vergangenen zehn Jahren. Insgesamt 171 Mal habe es auf einer Fläche von insgesamt knapp 113 Hektar gebrannt. Im Kreis Wittenberg gab es demnach 53 Brände, von denen rund 46 Hektar Wald betroffen waren. Im Jerichower Land habe es 34 Mal auf insgesamt etwa 11 Hektar Wald gebrannt, im Altmarkkreis Salzwedel 23 Mal auf gut sechs Hektar.

Keine Region ohne Waldbrand seit 2011

Laut Aufzeichnungen des Landeszentrums Wald gibt es keinen Landkreis und keine kreisfreie Stadt in Sachsen-Anhalt, die seit 2011 von Waldbränden verschont blieben. In einigen Städten und Kreisen sind sie aber deutlich seltener. Nur in Ausnahmefällen brannte es folgenden Orten:

  • Burgenlandkreis: ein Waldbrand auf einer Fläche von 0,06 Hektar im Jahr 2022
  • Magdeburg: ein Waldbrand auf einer Fläche von 0,1 Hektar im Jahr 2016
  • Salzlandkreis: ein Waldbrand auf einer Fläche von 0,1 Hektar im Jahr 2014
  • Halle: ein Waldbrand auf einer Fläche von 0,8 Hektar im Jahr 2012, ein weiterer 2020 auf einer Fläche von 0,2 Hektar
  • Saalekreis: zwei Waldbrände auf einer Gesamtfläche von 1,4 Hektar im Jahr 2012

Kreis Wittenberg: Fast 200 Waldbrände seit 2011

Im Landkreis Wittenberg hat es laut Daten der Landeszentrale Wald von 2011 bis Ende Juni 2022 mit 196 die meisten Waldbrände im Land gegeben. Auch im Altmarkkreis Salzwedel (141), dem Jerichower Land (132) und dem Harzkreis (104) gab es in dieser Zeit mehr als Hundert Waldbrände.

Anmerkung der Redaktion: Dieser Beitrag wird fortlaufend aktualisiert.

MDR (Julia Bartsch, Maren Wilczek)

1 Kommentar

Nordharzer vor 8 Wochen

Warum unterlegt Ihr die Berichterstattung über Löschflugzeuge für ST mit Bildern von Löschflugzeugen, wie sie gar nicht geplant sind? Weder der LK Harz noch andere wollen solche Tankriesen hier zum Einsatz bringen. Diese Bilder suggerieren dem Betrachter völlig falsche Absichten und machen Stimmung gegen das Projekt.

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