Harzer Schmalspurbahn, Abellio und Co. Corona: Einbußen in Millionenhöhe für Nahverkehr in Sachsen-Anhalt

Die Corona-Pandemie hat Bus- und Bahnunternehmen in Sachsen-Anhalt Einnahmenverluste in Millionenhöhe eingebrockt. Einen Großteil hat der Staat ausgeglichen – im vergangenen Jahr. Dieses Jahr stocken die Zahlungen noch.

Eine S-Bahn am Bahnhof von Wolmirstedt im Landkreis Börde
Die Bus- und Bahnunternehmen in Sachsen-Anhalt haben im vergangenen Jahr hohe Verluste "eingefahren". (Archivbild) Bildrechte: MDR/Michael Rosebrock

Den Nahverkehrsunternehmen in Sachsen-Anhalt sind während der Corona-Pandemie Einnahmeausfälle in Millionenhöhe entstanden. Recherchen von MDR SACHSEN-ANHALT zeigen aber, dass Bund und Land die Ausfälle oft ausgeglichen haben.

Danach hat allein die Nahverkehrsgesellschaft des Landes (Nasa) zwischen März und Dezember 2020 Einnahmen von etwa 33 Millionen Euro eingebüßt. Die Nasa bestellt und bezahlt als Gesellschaft des Landes in Sachsen-Anhalt den Nahverkehr, also Regionalbahnen, S-Bahnen und Regionalexpresse. Ein Sprecher des Unternehmens betonte, die Ausfälle seien weitgehend durch staatliche Hilfen kompensiert worden. Die Nasa erwartet demnach auch für dieses Jahr "hohe Einnahmeausfälle". Konkrete Zahlen lägen aber noch nicht vor.

Ausbleibende Zahlungen im laufenden Jahr

Eine Schmalspurbahn  fährt durch den Harz.
Rund vier Millionen Euro Einnahmen haben die Harzer Schmalspurbahnen im letzten Jahr eingebüßt. (Archivbild) Bildrechte: MDR/Archiv HSB/Volker Schadach

Einbußen mussten im vergangenen Jahr auch die Harzer Schmalspurbahnen (HSB) hinnehmen. Sie lagen nach Angaben des Unternehmens bei rund vier Millionen Euro. Auch in diesem Fall seien die Ausfälle größtenteils durch den ÖPNV-Rettungsschirm des Bundes kompensiert worden, sagte eine Sprecherin der HSB.

Das gilt auch für die Halberstädter Verkehrsgesellschaft (HVG), die wegen einer geringeren Auslastung ihrer Busse und Bahnen im vergangenen Jahr etwa 250.000 Euro weniger eingenommen haben. Eine Sprecherin teilte MDR SACHSEN-ANHALT mit, dass 219.000 Euro erstattet worden seien. Das Unternehmen habe zudem gespart: Beschäftigte seien in Kurzarbeit geschickt worden, auch habe man geplante Investitionen verschoben. Für dieses Jahr seien noch keine Hilfen geflossen.

Die Hallesche Verkehrs AG (HAVAG) hat auf MDR-Nachfrage im Jahr 2020 einen Einnahmenverlust von etwa 5,2 Millionen Euro verzeichnen müssen. Im Jahr 2021 könnte laut Unternehmen die Zahl noch höher ausfallen. "Die prognostizierten Fahrgeldeinnahmenverluste für 2021 werden vermeintlich weit über diesem Betrag liegen, da der zurückliegende Lockdown massiv das Nutzerverhalten der HAVAG-Fahrgäste beeinflusst hat", so Vorstand Vinzenz Schwarz. Kompensiert wurden die Verluste für 2020 durch eine Zahlung aus dem ÖPNV-Rettungsschirm vom Bund, für 2021 erwartet die HAVAG dies auch.

Einnahmen eingebrochen

Kritik an den für 2021 bislang ausgebliebenen Zahlungen äußerte das Unternehmen Vetter, das von Salzfurtkapelle im Landkreis Anhalt-Bitterfeld aus unter anderem Busreisen anbietet und den Schülerverkehr abdeckt. Man sei in diesem Jahr "mehr oder minder" mit den Einnahmeausfällen allein gelassen worden, kritisierte ein Sprecher des Unternehmens. Dabei seien von Januar bis Mai 2021 "erheblich weniger" Fahrgäste befördert und somit weniger Tickets verkauft worden. Die Einnahmen seien im Vergleich zum selben Zeitraum in 2019 zur Hälfte eingebrochen. Voriges Jahr sei ein großer Teil der Ausfälle kompensiert worden. Das Unternehmen lobte, dass das Land Sachsen-Anhalt 2020 auch Teile der Mehrkosten für Desinfektionsmittel und weitere Hygienemaßnahmen getragen hat.

Abellio unabhängig von Auslastung der Züge

Weniger problematisch stellt sich die Situation für das Nahverkehrsunternehmen Abellio dar, das in Sachsen-Anhalt unter anderem Strecken zwischen Halle und Bernburg oder Magdeburg und Aschersleben bedient. Ein Sprecher von Abellio sagte MDR SACHSEN-ANHALT, das Unternehmen besitze sogenannte Bruttoverträge mit seinen Auftraggebern. Das bedeute, dass Abellio einen fest vereinbarten Betrag pro gefahrenen Kilometer erhalte – unabhängig von der Auslastung der Züge.

Am Dienstag wollen die Verkehrsminister der Länder bei einer virtuellen Konferenz unter anderem über einen Ausbau des Öffentlichen Personennahverkehrs (ÖPNV) beraten. Dabei soll es laut Tagesordnung auch um die Finanzierung des ÖPNV gehen.

Korrektur: In einer ersten Version des Artikels haben wir die Halberstädter Stadtwerke als Beispiel für Mindereinnahmen durch die Corona-Krise genannt. Das ist falsch. Richtig ist, die Halberstädter Verkehrsgesellschaft (HVG) hatte diesen Einbruch zu verzeichnen.

Quelle: MDR/André Plaul, Fabian Frenzel

Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN-ANHALT - Das Radio wie wir | 29. Juni 2021 | 05:00 Uhr

7 Kommentare

Kritiker vor 22 Wochen

+....Am Dienstag wollen die Verkehrsminister der Länder bei einer virtuellen Konferenz unter anderem über einen Ausbau des Öffentlichen Personennahverkehrs (ÖPNV) beraten. Dabei soll es laut Tagesordnung auch um die Finanzierung des ÖPNV gehen....+
Fehlt noch die Anmerkung: ....und über entsprechendem Fahrtkostenausgleich diskutieren. Mit anderen Worten: Um wie viel die kommenden Preiserhöhungen ausfallen müssten.
Wenn schon so viel Geld für die Corona-Ausfälle in den ÖPNV gesteckt wurde, wie kann man sich trotz allem über den Ausbau des ÖPNV beraten wollen. Woher soll nun dazu das Geld (NOCH) kommen??

Kritiker vor 22 Wochen

@Moewe1: Vllt. sollten Politiker mal in der Geschichte schauen, wie es um die Jahre 1920 ff. war, mit den Dorfschulen und das im Vergleich zu den Kosten im Nahverkehr heute stellen.

Kritiker vor 22 Wochen

@C.T.: Wenn schon vorher Preiserhöhungen geplant waren und jetzt noch diese dazu kommen fällt den Bürgern zu schnell auf wohin es geht mit dem Geld haben & ausgeben können für den eigenen Alltag.

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