Nach Rückgängen in der Pandemie Viele Buchungen im Winter – Tourismusbranche optimistisch für 2022

Volontärin Fabienne von der Eltz
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Durch die coronabedingten Einschränkungen und Schließungen hat die Tourismusbranche in Sachsen-Anhalt stark gelitten. Die Zahl der Übernachtungen ist im ersten Pandemiejahr um 30 Prozent gesunken. In diesem Winter gibt es aber wieder mehr Buchungen. Der Tourismusverband blickt daher positiv auf das Jahr 2022. Dennoch hat sich das Reiseverhalten geändert. Gäste buchen kurzfristiger und eher im In- als im Ausland.

Die Collage zeigt einen Campingplatz, einen See und ein Häuschen.
Der Tourismusverband geht davon aus, dass in diesem Jahr wieder mehr Gäste nach Sachsen-Anhalt kommen werden. Bildrechte: MDR/ Sören Thümler

Sachsen-Anhalts Urlaubsregionen blicken optimistisch auf das Jahr 2022. Für die aktuelle Wintersaison gebe es vor allem im Harz bereits sehr viele Buchungen, sagte Martin Schulze, Geschäftsführer des Tourismusverbands Sachsen-Anhalt dem MDR. "Das wird sich sicherlich weiter positiv entwickeln, wenn wir noch mehr Schnee bekommen", so Schulze weiter. Er geht davon aus, dass die Zahl der Buchungen höher sein wird als im vergangenen Winter, in dem noch ein Lockdown galt. Ob man an das Vorkrisenjahr 2019 anknüpfen könne, hänge unter anderem vom Wetter ab.

Die Menschen wollen raus. Die Menschen wollen reisen. Der Harz ist weiterhin ein sehr beliebtes Reiseziel. Von daher sind wir guter Dinge, dass es eine gute Saison wird.

Martin Schulze Tourismusverband Sachsen-Anhalt

Tourismusbranche wieder optimistisch

Wie sich die Buchungen konkret entwickeln werden, lässt sich laut Schulze noch nicht beziffern. Das liege zum einen daran, dass es in Sachsen-Anhalt keine landesweite Datenbank gebe, in der alle Buchungen eingesehen werden können. Zudem bieten viele Betriebe ihren Gästen wegen der Corona-Pandemie aktuell die Möglichkeit an, eine Buchung kurzfristig zu stornieren. Das kann dazu führen, dass gebuchte Reisen letztendlich doch nicht stattfinden.

Eindrücke vom Schloss Wernigerode in Wernigerode am Harz im Bundesland Sachsen-Anhalt.
Der Harz ist vor allem im Winter ein beliebtes Reiseziel. Bildrechte: imago/Martin Wagner

Dennoch ist der Tourismusverband auch mit Blick auf das gesamte Jahr 2022 positiv gestimmt. "Wir gehen davon aus, dass wir ein sehr gutes Jahr haben werden", sagte Schulze. Im vergangenen Jahr seien die Betriebe wegen des Lockdowns lange geschlossen gewesen. Die Monate, in denen geöffnet werden konnte, hätten aber zu den besten Monaten überhaupt gezählt. "Der August und der September waren sogar noch besser als im Rekordjahr 2019", sagte Schulze. Für die anstehende Tourismussaison hofft er auf Lockerungen sowie auf einheitliche und für die Gäste leicht verständliche Corona-Regeln.

Das Regelwirrwarr ist eine große Herausforderung. Wenn wir hier eine bestmögliche Einheitlichkeit haben, wird das uns und den Gästen die Saison erleichtern.

Martin Schulze Tourismusverband Sachsen-Anhalt

30 Prozent weniger Übernachtungen

Die Tourismusbranche hat in den vergangenen Jahren stark unter der Corona-Pandemie gelitten. Gut 230.000 Menschen haben im Jahr 2020 mindestens eine Nacht in Sachsen-Anhalt übernachtet, wie aus Zahlen des Statistischen Landesamtes hervorgeht. Das sind 38 Prozent weniger als im Vorjahr. Zusammen haben alle Touristinnen und Touristen sechs Millionen Nächte im Land verbracht, ein Rückgang von 30,9 Prozent. Für das vergangene Jahr sehen die Zahlen etwas besser aus. Zwischen Januar und Oktober 2021 haben demnach gut 1,8 Millionen Menschen mindestens ein Mal im Land übernachtet, 14,9 Prozent weniger als im Vorjahr. Die Gesamtzahl der Übernachtungen ist im gleichen Zeitraum um 11,1 Prozent gesunken. Daten vom November und Dezember 2021 liegen noch nicht vor.

Besonders schade ist nach Ansicht von Martin Schulze, dass die Tourismusbranche durch den Lockdown im vergangenen Jahr die komplette Wintersaison verpasst hat. "Da wir eine begrenzte Anzahl von Betten haben, holen wir Verluste aus Schließzeiten nicht wieder rein", so Schulze. Zudem habe die Pandemie im Gastgewerbe zu einer Abwanderung beim Personal geführt. Einige Beschäftigte seien nach Kurzarbeit und Lockdown wiedergekommen, aber nicht alle. Durch die langen Schließzeiten ist laut Schulze auch die Wertschätzung für die Tourismusbranche gesunken: "Die Bevölkerungen muss wieder Leidenschaft für den Tourismus entwickeln."

Pandemie verändert Reiseverhalten

Aber nicht nur die Branche selbst hat sich durch die Pandemie verändert, sondern auch das Buchungs- und Reiseverhalten der Menschen. Viele buchen wegen bestehender Unsicherheiten kurzfristiger als früher, sagte Schulze. Das erschwere die Planung für die Gastbetriebe. "Die Buchungen für den Sommer sind noch nicht so stark ausgeprägt, aber die Nachfrage in den Touristeninformationen ist schon wieder extrem gestiegen", so Schulze. Eine weitere Änderung: Der Urlaub in der Heimat ist aufgrund vieler Reisebeschränkungen beliebter geworden.

Die Menschen haben Sachsen-Anhalt als Reiseland wieder ganz neu entdeckt und davon können wir jetzt nachhaltig profitieren.

Martin Schulze Tourismusverband Sachsen-Anhalt

Trend zum Urlaub im eigenen Land

Das lässt sich auch an den Verkaufszahlen von Wohnmobilen erkennen. Laut Statistischem Bundesamt ist der Wohnmobil-Bestand in ganz Deutschland zwischen 2015 und 2020 um 50 Prozent gesteigen: von gut 390.000 auf knapp 590.000. Zwar ist der Zahl der Neuzulassungen laut Caravaning Industrie Verband von 2020 auf 2021 gesunken, dies liege aber an Verzögerungen bei der Produktion und Auslieferung. Generell lässt sich zwischen 2018 und 2020 ein Anstieg bei den Neuzulassungen erkennen.

Martin Schulze vom Tourismusverband erwartet auch in Sachsen-Anhalt sehr viele Gäste mit Wohnmobil: "Die wollen genutzt werden, damit will man unterwegs sein." Zwar könne man inzwischen auch wieder uneingeschränkter durch Europa reisen, Sachsen-Anhalt habe aber in den vergangenen Jahren als Reiseland auf sich aufmerksam machen können, vor allem bei der einheimischen Bevölkerung. Schulze geht deshalb davon aus, dass die Menschen auch in diesem Jahr wieder verstärkt Urlaub im eigenen Land machen werden.

MDR (Fabienne von der Eltz)

Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN-ANHALT | 16. Februar 2022 | 18:00 Uhr

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