Datenanalyse zur Coronavirus-Pandemie Corona-Fallzahlen sind trotz aller Maßnahmen weiterhin viel zu hoch

Manuel Mohr
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7-Tage-Inzidenz, Übersterblichkeit, neue Fälle: Die neuesten Corona-Fallzahlen lassen die Hoffnung auf eine Entspannung der Lage in weite Ferne rücken. Die Lage in Ihrer Region und mehr im aktuellen Corona-Daten-Update.

Mann mit Atemschutz und Handschuhen hält Hand abwehrend vor den Körper . Im Vordergrund steht der Schriftzug "Corona-Daten-Update".
Trotz des "harten Lockdowns" zeigen die umfangreichen Eindämmungsmaßnahmen bislang nicht die erwünschte Wirkung. Bildrechte: MDR/Unsplash/Artem Kniaz

Die aktuelle Lage

Guten Abend zur aktuellen Ausgabe des Corona-Daten-Updates. Die Infektionslage rund um das neuartige Coronavirus "SARS-CoV-2" bleibt äußerst angespannt. In Sachsen-Anhalt (266), aber auch in Sachsen (274) und Thüringen (288), liegen die 7-Tage-Inzidenzen nach Angaben des Robert Koch-Instituts (RKI) deutlich über dem deutschlandweiten Durchschnitt (146).

Die 7-Tage-Inzidenz ist eine der aktuell wichtigsten Kennzahlen in der Corona-Pandemie, da sie verdeutlicht, wie stark Corona-Infektionen innerhalb der Bevölkerung in einer bestimmten Region verbreitet sind. Dazu wird die Summe aller neuen Corona-Fälle innerhalb einer Woche auf 100.000 Einwohner umgerechnet.

Über die Weihnachtsfeiertage und den Jahreswechsel gingen die Fallzahlen infolge weniger Tests vorübergehend zurück, stiegen danach aber wieder an. Deutschlandweit schien sich zuletzt das Geschehen etwas zu beruhigen, auch die Zahl der Corona-Intensivpatienten ist momentan leicht rückläufig:

Inwiefern sich diese Entwicklung allerdings in den kommenden Tagen fortsetzt, ist momentan noch unklar.

Landkreis Wittenberg aktuell am stärksten betroffen

Der deutschlandweite Trend, dass die Fallzahlen wieder leicht sinken, ist in Sachsen-Anhalt derzeit noch nicht in dieser Deutlichkeit zu beobachten. Denn zuletzt gab es erst wieder neue Höchstwerte bei den täglich gemeldeten Fällen. Regional betrachtet sind die Unterschiede immens.

Während in Magdeburg die 7-Tage-Inzidenz mit 108 noch vergleichsweise moderat, aber natürlich trotzdem viel zu hoch ist, sind die Werte andernorts deutlich höher:

Mitte der Woche noch war die 7-Tage-Inzidenz im Saalekreis am höchsten. Auf Anfrage von MDR SACHSEN-ANHALT hieß es, dass aktuell Ausbrüche vor allem in Alten- und Pflegeheimen, privaten Haushalten und dem beruflichen Umfeld und andererseits eine diffuse Ausbreitung von SARS-CoV-2-Infektionen in der Bevölkerung festzustellen seien. Das Gesundheitsamt erwarte einen gewissen Rückgang nach Beendigung des "Feiertagsüberhanges" – also dem verzögerten Nachmelden von Fällen aus den vergangenen Tagen.

Scheinbar ist dies ab Freitag jetzt der Fall: Nach Angaben des Landesamts für Verbraucherschutz sank die 7-Tage-Inzidenz innerhalb eines Tages von 495 auf 357. Ein Indiz dafür, dass nach den Feiertagen viele Fälle auf einmal nachgemeldet wurden und die Zahlen dadurch zwischenzeitlich verzerrt waren.

Deutliche Übersterblichkeit in Sachsen-Anhalt

Das Ausmaß der Coronavirus-Pandemie wird aber nicht nur in der Zahl der neuen Fälle sichtbar, sondern auch bei der Übersterblichkeit. Damit gemeint ist die Zahl der tagesgenauen Sterbefallmeldungen im Jahr 2020 im Vergleich zum Durchschnitt der Vorjahre 2016 bis 2019. Die Werte werden momentan einmal wöchentlich veröffentlicht, zuletzt rückblickend für den Zeitraum bis einschließlich 20. Dezember 2020 (51. Kalenderwoche):

Deutschlandweit lagen dort die Sterbezahlen 24 Prozent über dem Durchschnitt, in der Woche davor waren es 25 Prozent. In Sachsen-Anhalt zeigten die Werte nach Angaben des Statistischen Landesamts für die ersten drei Dezemberwochen ebenfalls eine deutliche Zunahme der Übersterblichkeit.

In Kalenderwoche (KW) 49 lag der Wert bereits bei 14 Prozent, in KW 50 bei 20 Prozent. Für die KW 51 lag die Übersterblichkeit nach vorläufigen Angaben sogar bei 24 Prozent. Damit wurde im Dezember die höchste Übersterblichkeit im Pandemiejahr 2020 erreicht.

Was bei der Übersterblichkeit beachtet werden muss

Die Angaben zu Werten aus dem Jahr 2020 sind vorläufig und fortlaufenden Änderungen ausgesetzt, da hierzu weiterhin Nachmeldungen und Korrekturen der Standesämter eingehen. Die angegebenen Wochendurchschnitte, welche als Datenbasis Werte aus dem Jahr 2020 enthalten, stellen entsprechend ebenfalls vorläufige Angaben dar. Werte für die Jahre 2016 bis 2019 sind endgültig.

Erste Menschen in Sachsen-Anhalt mit vollem Impfschutz

In Sachsen-Anhalt hat am Freitag die Corona-Zweitimpfung begonnen. Wie vor drei Wochen machte dieses Mal auch wieder der Landkreis Harz den Anfang. Die erste nötige zweite Impfung und damit den vollen Impfschutz bekam die 101 Jahre alte Edith Kwoizalle in einem Seniorenheim in Halberstadt. Ihr war die erste Dosis am zweiten Weihnachtsfeiertag verabreicht worden. Einen Tag später starteten die Impfungen deutschlandweit.

Weil der Impfstoff derzeit noch knapp ist, werden zuerst die Bewohnerinnen und Bewohner von Senioren- und Altenpflegeheimen sowie das dortige Personal geimpft. Dazu sind seit knapp drei Wochen mobile Impfteams in allen Regionen Sachsen-Anhalts unterwegs. Ebenfalls geimpft wird Personal in medizinischen Einrichtungen wie Notaufnahmen von Krankenhäusern sowie Mitarbeitende, die Covid-19-Patienten betreuen.

Daneben haben einige Landkreise und kreisfreien Städte schon ihre vorbereiteten Impfzentren in Betrieb genommen. Laut Sozialministerium wurden bis Freitag 31.723 Menschen in Sachsen-Anhalt gegen das Corona-Virus geimpft, das sind 1,45 Prozent der Bevölkerung. Deutschlandweit liegt der Anteil bei 1,16 Prozent.

Mehr Informationen zur Corona-Situation in Sachsen-Anhalt, Sachsen, Thüringen und Deutschland finden Sie hier:

Generelle Einschätzung der Daten

Es handelt sich sowohl regional als auch international um eine sehr dynamische Datenlage. Beinahe stündlich liefern einzelnen Kommunen, Landesbehörden oder internationale Stellen neue Zahlen. Dazu kommt ein teils erheblicher Meldeverzug, weshalb sich Angaben verschiedener Quellen unterscheiden können. Grundsätzlich stellt eine Daten-Übersicht wie diese deshalb immer nur eine Momentaufnahme dar.

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Grafik: Der Corona-Daten-Update Newsletter
Bildrechte: MDR | Grafik Florian Leue/Martin Paul

Quelle: MDR/mm

Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN-ANHALT HEUTE | 15. Januar 2021 | 19:00 Uhr

11 Kommentare

Pollux vor 16 Wochen

Die Fallzahlen sind immer noch zu hoch, aber die Handball-WM findet grad statt und die Bundesliga-Spiele finden statt wie bisher. Wenn die Corona-Maßnahmen nochmal verschärft werden, dann bitte auch die Spiele der Bundesliga in die Maßnahmen mit einbeziehen und auch sonstigen Profisport. Ich glaube, dass sich die meisten Bürger wirklich Mühe geben, sich an die Regeln zu halten. Bei einer Lockdown-Verschärfung sollte auch alles andere mit einbezogen werden. Es kann nicht sein, dass die Bürger nicht arbeiten dürfen und Angst haben müssen ihren Job zu verlieren, während die Profisportler weiterarbeiten dürfen.

Matthi vor 16 Wochen

Bei so vielen Todesfällen in Deutschland jeden Tag müsste es oberstes Ziel sein Impfstoffe zu Beschaffen und die Bevölkerung zu Impfen 24 Stunden 7 Tage Woche und nicht die Wirtschaft mit Arbeitsplätzen zu ruinieren. Andere Länder Impfen schon die zweite Dosis und Deutschland versinkt im Bürokratischen Nirwana. Das nenne ich Politisches Versagen der Volksparteien so gewinnt man keine Wahlen und schon gar nicht Wähler die Angehörige verloren haben.

Matthi vor 16 Wochen

Das die Maßnahmen nicht mehr greifen ist dem geschultet das das Virus unkontrolliert massenhaft in der Bevölkerung ist. Viele wissen es gar nicht ob sie das Virus haben und ungewollt Überträger sind. Es müsste flächendeckend getestet werden wie es China macht nach letzten Meldungen eine Million am Tag und wer das Virus hat in Quarantäne. Das einzige was jetzt die Zahlen nachhaltig senken würde wäre, das alle negativ getesteten Bürger umgehend geimpft werden. Das wissen die Experten eigentlich aber wegen fehlender Impfstoffe ( warum ist bekannt ) wird ein Lockdown nach dem anderen gemacht. Dann sterben die Leute nicht an Corona sondern an Herz Kreislauf Erkrankungen hervorgerufen durch Armut und Stress mit der ARGE weil der Arbeitsplatz wegfallen ist. Ich habe bis heute keinen Experten gehört der die Frage beantwortet hat, hilft die Impfung wenn ich das Virus habe oder werde ich trotzdem krank. Das diese Frage wichtig ist entscheidet ob die Krankenhäuser voll bleiben oder nicht.

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