Datenanalyse zur Coronavirus-Pandemie Steigende 7-Tage-Inzidenzen deuten auf Beginn der dritten Corona-Welle hin

Manuel Mohr
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Nach Wochen der Stagnation steigen die Corona-Fallzahlen wieder an. Welche Anzeichen für eine dritte Infektionswelle sprechen und welche Rolle dabei die Virus-Mutationen spielen, das und mehr im aktuellen Corona-Daten-Update.

Eine Labormitarbeiterin führt ein Wattestäbchen in ein kleines Gefäß ein.
Die Zahl der bestätigten Corona-Fälle ist in den vergangenen Tagen wieder angestiegen. Bildrechte: MDR/Unsplash/Mufid Majnun

Die aktuelle Lage

Guten Abend zur aktuellen Ausgabe des Corona-Daten-Updates. Genau vor einem Jahr erschien – nach Bekanntwerden der ersten Corona-Fälle in Sachsen-Anhalt – die erste von mittlerweile 90 Ausgaben dieses Formats. Anlass zur Freude bietet dieser "Jahrestag" aber keinen. Denn Lothar Wieler, Präsident des Robert Koch-Instituts (RKI), sagte im Gespräch mit der UN-Journalistenvereinigung in Genf am vergangenen Donnerstag, dass es klare Anzeichen dafür gebe, dass die sogenannte dritte Infektionswelle in Deutschland schon begonnen habe.

Eines dieser Anzeichen ist die Zunahme an neuen Infektionsfällen und der damit einhergehende Anstieg der 7-Tage-Inzidenz. Der Wert gibt an, wie viele neue Fälle es in den vergangenen sieben Tage umgerechnet auf 100.000 Einwohner in einer Region gab. Die Kennzahl ist eine der momentan Wichtigsten, da an ihren Verlauf Lockerungen und Verschärfungen der derzeit geltenden Eindämmungsmaßnahmen gekoppelt sind.

Thüringen ist momentan das einzige Bundesland mit einer 7-Tage-Inzidenz über 100, am Freitag lag der Wert bei 146. Sachsen und Sachsen-Anhalt liegen ebenfalls über dem deutschlandweiten Schnitt von 72,4:

Laut RKI steigen die Inzidenzen aktuell besonders in den Altersgruppen unter 60 Jahren, sehr rasant sogar bei Kindern und Jugendlichen unter 15 Jahren. Zudem würden aktuell mehr Ausbrüche in Kitas beobachtet als vor Weihnachten.

Mutationen bei über 50 Prozent

Aus einem kürzlich aktualisierten RKI-Bericht zu neuen Varianten des Coronavirus geht hervor, dass allein die erstmals in Großbritannien aufgetretene Variante "B.1.1.7" in mehr als der Hälfte (55 Prozent) aller untersuchten positiven Proben nachgewiesen wurde. Der Anteil hat sich damit in den vergangenen Wochen deutlich erhöht, das RKI rechnet basierend auf den Beobachtungen anderer Länder mit einer weiteren Zunahme in den kommenden Wochen.

Das sei besorgniserregend, da "B.1.1.7" nach bisherigen Erkenntnissen ansteckender als andere Varianten ist. Im Kampf gegen ansteckende Virusmutationen und steigende Infektionszahlen sei die Impfung neben "unserem verantwortungsvollen persönlichen Verhalten" das mächtigste Werkzeug, sagte der RKI-Chef Wieler auf einer Pressekonferenz am Freitag. Allerdings läuft die Impfkampagne nach wie vor schleppend:

Deutschlandweit haben erst 3,3 Prozent der Bevölkerung zwei Impfungen erhalten und sind damit in Besitz des vollständigen Impfschutzes. Ambitioniertes Ziel der Bundesregierung ist es aber, bis Herbst allen Menschen im Alter ab 16 Jahren ein Impfangebot machen zu können und eine "Herdenimmunität" von 60 bis 70 Prozent in der Bevölkerung zu erreichen.

Große regionale Unterschiede

Das Infektionsgeschehen ist regional betrachtet weiterhin sehr unterschiedlich. Unter den zehn Regionen, die nach RKI-Angaben momentan die höchsten 7-Tage-Inzidenzen aufweisen, sind vier Landkreise aus Thüringen und einer aus Sachsen:

  • Platz 1: Greiz (Thüringen) | 7-Tage-Inzidenz: 380
  • Platz 3: Schmalkalden-Meiningen (Thüringen) | 260
  • Platz 4: Vogtlandkreis (Sachsen) | 253
  • Platz 5: Wartburgkreis (Thüringen) | 245
  • Platz 9: Saale-Orla-Kreis (Thüringen) | 197


Im Norden von Sachsen-Anhalt beträgt die Inzidenz im Altmarkkreis Salzwedel hingen nur 29:

Mehr Informationen zur Corona-Situation in Sachsen-Anhalt, Sachsen, Thüringen und Deutschland finden Sie hier:

Generelle Einschätzung der Daten

Es handelt sich sowohl regional als auch international um eine sehr dynamische Datenlage. Beinahe stündlich liefern einzelnen Kommunen, Landesbehörden oder internationale Stellen neue Zahlen. Dazu kommt ein teils erheblicher Meldeverzug, weshalb sich Angaben verschiedener Quellen unterscheiden können. Grundsätzlich stellt eine Daten-Übersicht wie diese deshalb immer nur eine Momentaufnahme dar.

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MDR, Manuel Mohr

Dieses Thema im Programm: MDR UM 11 | 12. März 2021 | 11:00 Uhr

17 Kommentare

Haller vor 37 Wochen

3 Prozent bei 100 Tests sind 3 Fälle.
3 Prozent bei 1000 Tests sind 30 Fälle.
3 Prozent bei 10000 Tests sind 300 Fälle.
Umgerechnet auf hunderttausend Einwohner je nach Zahl der Test ein Inzidenz von 3 oder 30 oder 300.

ossi1231 vor 37 Wochen

Oh. was hat die Positivenquote mit den 7-Tage-Inzidenz zu tun?
Wenn wir nach "7-Tage-Inzidenz berechnen" suchen so finden wir z.B. bei der Süddeutschen Zeitung
"Es werden alle gemeldeten Neuinfektionen der jeweils zurückliegenden sieben Tage addiert; ... Die Summe wird durch die Einwohnerzahl der Stadt geteilt, ... Danach wird dieser Wert mit 100 000 multipliziert - das ist alles."

Leachim-21 vor 37 Wochen

nach meiner Meinung ist die Aussage es wäre eine dritte welle falsch, denn wie oft gingen die zahlen hoch und runter. da müsste man ja jedes mal von einer Welle sprechen. somit ist für mich diese Aussage falsch oder bewusste Panik- und Angstmacherei.

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