Datenanalyse zur Coronavirus-Pandemie Corona-Inzidenz steigt – außer bei Menschen über 75 Jahren

Ein junger Mann blickt in die Kamera.
Bildrechte: MDR/David Muschenich

Die Covid-19-Kennzahlen steigen in Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen, sowie in ganz Deutschland. Doch bei Leuten über 75 sinkt der Wert. Bisher war die Altersgruppe stark betroffen, nun ist sie am stärksten geimpft. Die neuen Covid-19 Varianten verbreiten sich weiter und immernoch sind viele Intensivbetten belegt. Das und mehr im aktuellen Corona-Daten-Update.

Eine Nierenschale mit Spritzen
Bisher bekamen rund 6 Prozent der Menschen in Deutschland die erste Impfung zum Schutz vor Covid-19. Bildrechte: dpa

Die aktuelle Lage

Guten Abend zur aktuellen Ausgabe des Corona-Daten-Updates. In der vergangenen Woche stieg die 7-Tage-Inzidenz in der Hälfte der deutschen Bundesländer. Das Robert Koch-Institut meldet durchschnittlich 65 Neuinfektionen pro 100.000 Einwohner in Deutschland innerhalb von sieben Tagen. In einem Bericht schätzt das RKI die Gefährdung "für die Gesundheit der Bevölkerung als sehr hoch ein".

Die Inzidenz der drei Länder im MDR-Sendegebiet ist im Vergleich zur Vorwoche ebenfalls gestiegen. In Thüringen liegt sie mit 129 beinahe doppelt so hoch wie der deutschen Schnitt. Sachsen und Sachsen-Anhalt liegen unter 100, aber auch dort stieg der Wert an:

  • Sachsen: 75,3 (letzten Freitag) → ​78,6 (diesen Freitag)
  • Sachsen-Anhalt: 85,5 → ​86,6
  • Thüringen: 121,2 → ​128,9
  • Deutschland: 62,6 → ​65,4

Regional unterscheiden sich die Werte immer noch sehr stark. Auf Kreisebene liegt die höchste RKI-Inzidenz in den drei Ländern in Hildburghausen. Der Landkreis in Thüringen hat demnach 250 neue Infektionen pro 100.000 Einwohner in den vergangenen sieben Tagen vermeldet. Die geringsten Inzidenzen haben die Stadt Leipzig mit 41 und der Landkreis Mansfeld-Südharz in Sachsen-Anhalt mit 39:

Am vergangenen Mittwoch haben Bund und Länder beschlossen, den "Lockdown" bis zum 28. März zu verlängern. Allerdings mit Öffnungsschritten. Diese wiederum sind mit einer regionalen "Notbremse" ab einer Inzidenz von mehr als 100 versehen.

Bund und Länder beschließen Maßnahmen zu lockern

Ab kommendem Montag dürfen Buchläden und Blumengeschäfte wieder öffnen. Gleiches gilt für Nagel- und Tattoostudios. Außerdem dürfen sich ab dann wieder zwei Haushalte miteinander bis zu fünf Personen Treffen. Kinder bis zu 14 Jahren zählen dabei nicht. Danach soll die Öffnung einem Fünf-Stufen-Plan folgen:

Trotz der Lockerungen mahnt Lothar Wieler, Präsident des Robert Koch-Instituts, zur Vorsicht. In der vergangenen Woche seien wieder mehr Fälle von der sogenannten "britischen Variante" B.1.1.7 des neuartigen Coronavirus festgestellt worden. Der Anteil liege nun bei mehr als 40 Prozent. Die üblichen Maßnahmen und die Impfstoffe seien zwar auch gegen die Varianten wirksam, aber besonders B.1.1.7 "ist noch ansteckender und gefährlicher", warnte Wieler auf der Bundespressekonferenz am Freitag.

In Sachsen-Anhalt wurden bis Dienstag insgesamt 116 Fälle von Varianten des Corona-Virus festgestellt. In 276 weiteren Fällen lägen gesicherte Hinweise vor. Bei den meisten soll es sich ebenfalls um die Variante B.1.1.7 handeln, teilte das Sozialministerium Sachsen-Anhalt mit.

Sorge vor mehr belegten Intensivbetten

Obwohl weniger Corona-Infizierte in Sachsen-Anhalt auf Intensivstationen behandelt werden müssen, ist die Anzahl der belegten Intensivbetten etwa gleich geblieben. Wie die Interdisziplinäre Vereinigung für Intensiv- und Notfallmedizin (DIVI) MDR SACHSEN-ANHALT mitteilt, liege das auch daran, dass in beiden Corona-Wellen "zahlreiche Operationen abgesagt" wurden. So waren weniger Intensivpatienten auf einmal in den Klinken. Derzeit würden viele Herz- und Krebsoperationen aus dem Dezember und Januar nachgeholt.

Sollte sich Covid-19 wieder schneller verbreiten, würden auch wieder mehr Menschen auf der Intensivstation landen. Ein Prognosen-Modell der DIVI warnt dabei vor einem neuen Höchststand: Deutschlandweit könnten demnach mehr als 10.000 Menschen mit Corona intensivmedizinsche Behandlung benötigen.

Schneller Impfen durch Hausärzte

Bei den Menschen, die älter als 75 sind, sinkt die Inzidenz aktuell. Gesundheitsminister Jens Spahn wies auf der Bundespressekonferenz am Freitag darauf hin, dass das auch die Altersgruppe mit den meisten Geimpften sei.

Doch das Impfen geht nach wie vor nur langsam voran. Bisher bekamen rund sechs Prozent der Menschen in Deutschland die erste Dosis verabreicht. Die Hälfte davon auch auch die zweite. In Thüringen sind es bisher genau sechs Prozent. Damit liegt das Land über dem Bundesschnitt. Sachsen-Anhalt liegt mit etwas mehr als fünf Prozent auf dem vorletzten Platz.

In Sachsen-Anhalt wurden bislang 174.397 Impfungen verabreicht. Dabei wurden nach Angaben des Bundesministeriums für Gesundheit bereits 272.100 Impfdosen geliefert. Um diese schneller zu verimpfen, will das Sozialministerium in Sachsen-Anhalt auch hausärztliche Praxen einbeziehen. Dafür müssen sie von einem Impfzentrum ausgewählt und mit Impfstoff beliefert werden. Die verabreichten Impfungen müssen dem RKI gemeldet werden.

Die Ständige Impfkommission des RKI gab außerdem bekannt, dass der Impfstoff von AstraZeneca auch für Menschen ab 65 Jahren geeignet sei. Das vereinfacht das Impfen weiter. Bisher wurden 33 Prozent der in Sachsen-Anhalt gelieferten AstraZeneca-Impfstoffdosen verabreicht. In Thüringen sind 26 und in Sachsen zwölf Prozent.

Mehr Informationen zur Corona-Situation in Sachsen-Anhalt, Sachsen, Thüringen und Deutschland finden Sie hier:

Generelle Einschätzung der Daten

Es handelt sich sowohl regional als auch international um eine sehr dynamische Datenlage. Beinahe stündlich liefern einzelnen Kommunen, Landesbehörden oder internationale Stellen neue Zahlen. Dazu kommt ein teils erheblicher Meldeverzug, weshalb sich Angaben verschiedener Quellen unterscheiden können. Grundsätzlich stellt eine Daten-Übersicht wie diese deshalb immer nur eine Momentaufnahme dar.

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Grafik: Der Corona-Daten-Update Newsletter
Bildrechte: MDR | Grafik Florian Leue/Martin Paul

MDR, David Muschenich

Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN-ANHALT HEUTE | 05. März 2021 | 19:00 Uhr

8 Kommentare

eeee vor 5 Wochen

Corona ist ein Grippevirus und geht nicht mehr weg. Die Impfungen lindern nur die Symptome, aber beseitigen nicht die Ursache. Alles andere ist Verdummung

Pollux vor 5 Wochen

Leider ist der Inzidenzwert bei uns noch immer zu hoch. Warum setzt man nicht bei den Studierenden an, die aus anderen Bundesländern zum studieren hier sind? Da seit dem 16. Dezember sowieso alle Universitätsveranstaltungen nur noch digital stattfinden, könnten die Studenten aus anderen Bundesländern doch in ihrem Bundesland bleiben, bis sich die Situation hier in Sachsen-Anhalt entspannt hat. So kann das Virus nicht von den anderen Bundesländern bei uns eingeschleppt werden. Die Leistungsnachweise könnten doch digital eingereicht werden.

DermbacherIn vor 5 Wochen

Dieses Lockdown-Medikament ist ähnlich wie Antibiotika. Wenn man es zu oft und leichtfertig anwendet, bilden sich Resistenzen. Und genau das passiert gerade.
Noch mehr Restriktionen werden die Menschen kaum dazu bewegen, sich daran zu halten. Wir brauchen bessere Ideen als einfach nur zusperren.

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