Datenanalyse zur Coronavirus-Pandemie Für wen die zweite Coronavirus-Welle schon jetzt besonders fatal ist

Manuel Mohr
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Steigende Inzidenzen und immer mehr Todesfälle: Trotz Eindämmungsmaßnahmen nimmt das Corona-Infektionsgeschehen weiter Fahrt auf. Welche Regionen und Altersgruppen besonders betroffen sind, das und mehr im aktuellen Corona-Daten-Update.

Vier bunt bemalte Matrjoschka-Puppen stehen der Größe nach sortiert auf einem Holztisch. Alle Puppen tragen einen gehäkelten Mund-Nasen-Schutz. Im Vordergrund steht der Schriftzug "Corona-Daten-Update".
Die Wahrscheinlichkeit für schwere und auch tödliche COVID-19-Krankheitsverläufe nimmt mit zunehmendem Alter und bestehenden Vorerkrankungen immer weiter zu. Bildrechte: MDR/Unsplash/evgeni tcherkasski

Die aktuelle Lage

Guten Abend zur aktuellen Ausgabe des Corona-Daten-Updates. In den vergangenen Tagen hat sich mit Blick auf die wichtigsten Kennzahlen zur Coronavirus-Pandemie der Eindruck verfestigt, dass die seit Anfang November geltenden Eindämmungsmaßnahmen – umgangssprachlich "Lockdown light" oder "Teil-Lockdown" genannt – nicht die erhoffte Wirkung erzielt haben.

Deutschlandweit konnte der Anstieg der 7-Tage-Inzidenz (Summe der neuen Corona-Fälle innerhalb einer Woche, umgerechnet auf 100.000 Einwohner) zwischenzeitlich auf hohem Niveau zwar gebremst werden, in den vergangenen Tagen stieg der Wert aber wieder deutlich an. Am Donnerstag gab es erneut einen neuen Höchststand bei den deutschlandweit täglich neu registrierten Corona-Fällen.

In Sachsen-Anhalt, wo es am Donnerstag mit 652 neuen Corona-Fällen ebenfalls einen neuen Höchststand seit Beginn der Pandemie gab, sowie in Sachsen und Thüringen zeigten die Maßnahmen der vergangenen Wochen hingegen wenig bis gar keine gar keine Wirkung:

In keinem der drei Länder führten die beschlossenen Maßnahmen zu einer Stabilisierung oder gar Senkung der 7-Tage-Inzidenz-Werte. Im Gegenteil: "In Sachsen-Anhalt und Brandenburg haben die Fallzahlen in den letzten Wochen deutlich zugenommen, in Thüringen sehr deutlich und am stärksten in Sachsen", heißt es im täglichen Corona-Situationsbericht des Robert Koch-Instituts (RKI) vom Mittwoch.

Generation 80+ immer stärker betroffen

Bundeskanzlerin Angela Merkel sprach sich am Mittwoch bei der Generaldebatte im Bundestag in einer emotionalen Ansprache für deutschlandweit weitreichende Schließungen nach Weihnachten aus, um die Corona-Pandemie einzudämmen. Merkel schloss sich damit den Forderungen der Wissenschaftsakademie Leopoldina an, die in einer Stellungnahme einen bundesweiten "harten Lockdown" von Weihnachten bis mindestens 10. Januar 2021 empfohlen hat.

Die Wissenschaftler der Leopoldina begründen ihre Empfehlung unter anderem damit, dass sich die Infektionszahlen trotz des sogenannten "Teil-Lockdowns" auf einem viel zu hohen Niveau befinden:

Ein weiteres Argument für deutlich strengere Eindämmungsmaßnahmen ist die Tatsache, dass sich wieder vermehrt ältere Menschen mit dem neuartigen Coronavirus infizieren. Zur Erinnerung: Besonders ältere Menschen sowie jene mit Vorerkrankungen haben ein weitaus höheres Risiko für einen schweren oder sogar tödlichen COVID-19-Krankheitsverlauf.

Daten des RKI bestätigen die Leopoldina-Argumentation: Während Anfang September die Inzidenzen in den hohen Altersgruppen noch unterhalb des Durchschnitts lagen, ist die (Ur-)Großeltern-Generation mittlerweile wieder sehr stark von neuen Corona-Fällen betroffen:

Bei einer Pressekonferenz am Donnerstag sagte RKI-Präsident Lothar Wieler zudem, dass von den seit März mehr als 20.000 registrierten Todesfällen im Zusammenhang mit COVID-19 mehr als 13.000 über 80 Jahre alt gewesen seien. Das entspricht einem Anteil von etwa 65 Prozent.

In Sachsen-Anhalt ist dieses Verhältnis fast identisch. Auf Nachfrage von MDR SACHSEN-ANHALT teilte das Sozialministerium mit, dass bis Mittwochnachmittag insgesamt 242 Sterbefälle in COVID-19-Zusammenhang seit Beginn der Pandemie registriert wurden. 159 davon (65,7 Prozent) waren 80 Jahre und älter:

Zwar häuften sich zuletzt neue Corona-Fälle auch in allen anderen und damit teilweise auch deutlich jüngeren Altersgruppen, doch waren es bislang fast ausschließlich alte Menschen, deren Krankheitsverläufe tödlich endeten.

Corona-Daten-Update für Sachsen-Anhalt

In Sachsen-Anhalt ist die 7-Tage-Inzidenz im Burgenlandkreis mit Abstand die höchste aller Landkreise und kreisfreien Städte. Am Mittwochabend lag der Wert bei 300, am Donnerstag bei 291. Die einzigen Regionen, die gegenwärtig noch einen Wert unter 100 aufweisen können, sind der Altmarkkreis Salzwedel, Anhalt Bitterfeld und die Landeshauptstadt Magdeburg. Alle Regionen liegen jedoch weit jenseits des kritischen Grenzwertes von 50 Fällen je 100.000 Einwohner innerhalb einer Woche.

Datenquellen für Sachsen-Anhalt:

  • Infektionen, Genesene, Todesfälle: Sozialministerium Sachsen-Anhalt + eigene Berechnung
  • Intensivpatienten und -betten: DIVI Intensivregister

Corona-Daten-Update für Sachsen

Sachsen verzeichnet momentan die mit Abstand höchste 7-Tage-Inzidenz aller Bundesländer. Einige sächsische Landkreise zählen aktuell zu den am schwersten betroffenen Regionen in Deutschland, darunter die Kreise Sächsische Schweiz-Osterzgebirge und Bautzen. Dass die sächsische Staatsregierung ab kommenden Montag, 14. Dezember, deutlich verschärfte Corona-Regeln angekündigt hat, ist angesichts dieser Fallzahl-Entwicklung wenig überraschend.

Datenquellen für Sachsen:

  • Infektionen, Genesene, Todesfälle: MDR SACHSEN + eigene Berechnung
  • Intensivpatienten und -betten: DIVI Intensivregister

Corona-Daten-Update für Thüringen

Aus Thüringen werden ebenfalls nahezu flächendeckend 7-Tage-Inzidenzen über 100 gemeldet. Einzige Ausnahmen sind die Städte Eisenach und Weimar sowie der Landkreis Weimarer Land. Am stärksten ist das Infektionsgeschehen aktuell im Landkreis Hildburghausen und im Saale-Orla-Kreis. Beide Regionen melden Inzidenz-Werte über 400.

Corona-Daten-Update für Thüringen

Corona-Daten-Update für Deutschland

• Aktuell Infizierte (Schätzung): 299.731
• Gesamtzahl (Schätzung) der genesenen Patienten: 922.100
• Genesene Patienten (Schätzung) seit gestern: +20.000

• Gesamtzahl der Infektionen: 1.242.203
• Neuinfektionen seit gestern: +23.679

• Todesfall-Gesamtzahl im COVID-19-Zusammenhang: 20.372
• Todesfälle im COVID-19-Zusammenhang seit gestern: +440

• COVID-19-Patienten auf Intensivstationen: 4.343
• COVID-19-Patienten, die beatmet werden müssen: 2.510

Datenquellen für Deutschland:

Generelle Einschätzung der Daten

Es handelt sich sowohl regional als auch international um eine sehr dynamische Datenlage. Beinahe stündlich liefern einzelnen Kommunen, Landesbehörden oder internationale Stellen neue Zahlen. Dazu kommt ein teils erheblicher Meldeverzug, weshalb sich Angaben verschiedener Quellen unterscheiden können. Grundsätzlich stellt eine Daten-Übersicht wie diese deshalb immer nur eine Momentaufnahme dar.

Newsletter: Das Corona-Daten-Update

Zum Schluss empfehlen wir Ihnen noch unseren Newsletter zum Thema: In unserem Update zur Corona-Lage in Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen fassen wir für Sie zusammen was am Tag wichtig war und was für Sie morgen wichtig wird – montags bis freitags um 20 Uhr per Mail in Ihr Postfach. Hier geht es zur Anmeldung.

Grafik: Der Corona-Daten-Update Newsletter
Bildrechte: MDR | Grafik Florian Leue/Martin Paul

Quelle: MDR/mm

Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN-ANHALT HEUTE | 10. Dezember 2020 | 19:00 Uhr

18 Kommentare

Christl vor 41 Wochen

Wenn schon ein harter lockdown kommen muss, dann handelt endlich. Wieder abwarten, worauf??? Wieder ausprobieren? 6 wochen und noch mehr sind bereits umsonst verstrichen. Gaststätten usw mussten auch von jetzt auf gleich schließen. Beim Handel hat man Mitleid. Die online Händler freuen sich nun um so mehr. Und; warum wird denn immer noch getestet. Kaum jemand hat Symptome. Frohe Weihnachten.😷

Ritter Runkel vor 41 Wochen

Das Murren ist jetzt bereits laut und vernehmbar. Sobald die Impfung halbwegs einsetzbar ist, wird das Murren laut und rebellisch werden, es werden sich politische Sprachrohre finden und es artikulieren und dann wird das passieren, wovor die Regierung noch viel mehr Angst hat als vor jeder Triage: Der Unmut wird sich in die Wahlumfragen durchfressen. Sobald das passiert, sind die Maßnahmen Geschichte.

kleinerfrontkaempfer vor 41 Wochen

Wie gut das es die 7-Tage Durchschnittsstatistikwerte gibt. Die sehen doch gleich viel gefälliger aus. Die Tageszahlen dagegen sind brutal und nix für die Masse.

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