Corona-Daten-Update 17.07.2020 Corona-Kontaktpersonen: Gesundheitsämter verfehlen Vorgaben zur Nachverfolgung

Manuel Mohr
Bildrechte: MDR/Manuel Mohr

Infektionsketten schnell erkennen, Kontaktpersonen vollständig nachverfolgen: Gesundheitsämter spielen beim Bekämpfen der Corona-Epidemie eine entscheidende Rolle. Welche Folgen der dortige Personalmangel hat, das und mehr im Corona-Daten-Update.

Wand-Graffiti eines Paares, das sich küsst.
Trotz Personalknappheit ist es den Gesundheitsämtern bislang gelungen, alle Corona-Kontaktpersonen nachzuverfolgen. Bildrechte: MDR/Unsplash/Crawford Jolly

Guten Abend zur aktuellen Ausgabe des Corona-Daten-Updates. Zu Beginn ein Blick auf die zurückliegende Woche: Die durchschnittlichen Neuinfektionen pro Tag in Sachsen-Anhalt, Sachsen und Thüringen bewegen sich allesamt auf niedrigem Niveau im einstelligen Bereich und geben momentan keinen Anlass zur Sorge. Anders ist dagegen bei der personellen Ausstattung der Gesundheitsämter in Sachsen-Anhalt. Diese erfüllen momentan nicht die bundesweiten Vorgaben bezüglich der Nachverfolgung von Corona-Kontaktpersonen.

Das geht aus einer bislang unveröffentlichten Antwort der Landesregierung auf eine Anfrage der Grünen hervor, die MDR SACHSEN-ANHALT vorliegt. Hintergrund: Bereits Ende März beschlossen Bund und Länder, dass die Gesundheitsämter pro 20.000 Einwohner ein Kontaktnachverfolgungsteam mit fünf Personen bereitstellen sollen. Bei einem lokalen Anstieg der Corona-Fälle sollen Infektionsketten so frühzeitig erkannt und unterbrochen werden, damit es nicht wieder zu einer unkontrollierten Ausbreitung des neuartigen Coronavirus komme.

Gesundheitsämter verfehlen personelle Vorgaben

Diese Vorgabe erfüllt laut Grünen-Anfrage mit dem Gesundheitsamt im Landkreis Wittenberg aktuell nur eines der 14 Ämter in Sachsen-Anhalt. Landesweit ist der Beschluss von Ende März noch nicht umgesetzt. Derzeit betreut ein fünfköpfiges Kontaktnachverfolgungsteam in Sachsen-Anhalt durchschnittlich etwa 50.000 Einwohnerinnen und Einwohner – das sind 2,5 Mal so viele Menschen wie im Beschluss festgelegt.

Nachverfolgung bislang dennoch gewährleistet

Bereits Anfang Mai hatten Recherchen der MDR-Wirtschaftsredaktion offen gelegt, dass die Gesundheitsämter in Sachsen-Anhalt, Sachsen und Thüringen aus personeller Sicht unzureichend auf mögliche neue Infektionswellen vorbereitet sind. Geändert hat sich seither wenig. Dennoch war es laut Landesregierung bislang möglich, alle Kontakte zu SARS-CoV-2-positiv getesteten Personen in Sachsen-Anhalt nachverfolgen zu können.

Um personelle Engpässe in den Gesundheitsämtern kurzfristig abzumildern, wurden zusätzlich Frauen und Männer aus dem Personalbestand des jeweiligen Landkreises oder der kreisfreien Stadt geschult. Zudem wurden die Gesundheitsämter durch Personal aus dem Medizinischen Dienst der Krankenversicherung und sogenannte Containment-Scouts – vorrangig Studierende – bei der Nachverfolgung unterstützt.

Unabhängig davon – so heißt in der Antwort der Landesregierung weiter – stünde in fast allen Gesundheitsämtern geschultes Personal auf Abruf zur Verfügung, sollte die Zahl der Neuinfektionen und die damit verbundenen Kontaktpersonen wieder ansteigen. Dr. Eike Hennig, Leiter des Magdeburger Gesundheitsamtes, hatte eine solche kurzfristige Aufstockung des Personals im Bedarfsfall bereits vor mehreren Wochen im Gespräch mit MDR SACHSEN-ANHALT bestätigt.

Grüne fordern Quote für Amtsärzte im Medizinstudium

Cornelia Lüddemann, Vorsitzende der Landtagsfraktion Bündnis 90/Die Grünen, hatte Mitte Mai die Anfrage an die Landesregierung gestellt. Sie fordert eine Reform der Gesundheitsämter:

Die schlechte Personalausstattung im Rahmen der Nachverfolgung ist Ausdruck einer generell prekären Lage der Gesundheitsämter. Sie sind bisher das Stiefkind der Gesundheitsversorgung. Die Pandemie hat die Gesundheitsämter endlich in den Fokus gerückt und ihre Schwachstellen schonungslos offengelegt: schlechte Bezahlung, unbesetzte Stellen, zu viele Aufgaben. Es braucht daher dringend eine grundlegende Reform der Gesundheitsämter. Bundesweit einheitliche Standards sind dabei notwendig.

Cornelia Lüddemann, Vorsitzende der Landtagsfraktion Bündnis 90/Die Grünen

Lüddemann sagte MDR SACHSEN-ANHALT, die Antworten der Kleinen Anfrage zeigen, dass die Gesundheitsämter zu wenig Personal haben. Ihre Fraktion spricht sich daher dafür aus, eine Quote bei der Vergabe von Medizinstudienplätzen für Amtsärzte – ähnlich der Landarztquote – einzuführen. Zudem sollten die nicht-ärztlichen Gesundheitsberufe mehr Befugnisse bekommen, um die Amtsärzte zu entlasten. Man dürfe nichts unversucht lassen, um Personal für die Gesundheitsämter zu gewinnen, so Lüddemann weiter. Zudem sollten die Gesundheitsämter modernisiert und die Kommunikationswege mit digitaler Technik vereinfacht werden.

Dass die Situation in den bundesweit über 400 Gesundheitsämtern dringend verbessert werden muss, haben auch Bund und Länder realisiert. Mitte Juni wurde die Gesundheitsministerkonferenz daher beauftragt, bis Ende August einen Entwurf für einen "Pakt für den Öffentlichen Gesundheitsdienst" vorzulegen. Damit solle der Sektor technisch und finanziell besser ausgestattet und damit zukunftsfähiger gestaltet werden.

Einen Überblick über die aktuellen Corona-Fallzahlen finden Sie wie gewohnt in den folgenden Abschnitten.

Daten-Update Sachsen-Anhalt

• Aktuell Infizierte (Schätzung): 59
• Gesamtzahl (Schätzung) der genesenen Patienten: 1.820
• Genesene Patienten (Schätzung) seit gestern: +2

• Gesamtzahl der Infektionen: 1.941
• Neuinfektionen seit gestern: +3
• 7-Tage-Durchschnitt der täglichen Neuinfektionen: 6

• Todesfall-Gesamtzahl im COVID-19-Zusammenhang: 62
• Todesfälle im COVID-19-Zusammenhang seit gestern: +0

• COVID-19-Patienten auf Intensivstationen: 1
• COVID-19-Patienten, die beatmet werden müssen: 1

Datenquellen für Sachsen-Anhalt:

  • Infektionen, Genesene, Todesfälle: Sozialministerium Sachsen-Anhalt + eigene Berechnung
  • Intesivpatienten und -betten: DIVI Intensivregister

Daten-Update Sachsen

• Aktuell Infizierte (Schätzung): 34
• Gesamtzahl (Schätzung) der genesenen Patienten: 5.225
• Genesene Patienten (Schätzung) seit gestern: +0

• Gesamtzahl der Infektionen: 5.485
• Neuinfektionen seit gestern: +4
• 7-Tage-Durchschnitt der täglichen Neuinfektionen: 3

• Todesfall-Gesamtzahl im COVID-19-Zusammenhang: 226
• Todesfälle im COVID-19-Zusammenhang seit gestern: +0

• COVID-19-Patienten auf Intensivstationen: 29
• COVID-19-Patienten, die beatmet werden müssen: 5

Datenquellen für Sachsen:

  • Infektionen, Genesene, Todesfälle: MDR SACHSEN + eigene Berechnung
  • Intensivpatienten und -betten: DIVI Intensivregister

Daten-Update Thüringen

• Aktuell Infizierte (Schätzung): 68
• Genesene Patienten laut offiziellen Meldungen: 3.065
• Genesene Patienten seit gestern: +2

• Gesamtzahl der Infektionen: 3.327
• Neuinfektionen seit gestern: +4
• 7-Tage-Durchschnitt der täglichen Neuinfektionen: 5

• Todesfall-Gesamtzahl im COVID-19-Zusammenhang: 187
• Todesfälle im COVID-19-Zusammenhang seit gestern: +1

• COVID-19-Patienten auf Intensivstationen: 4
• COVID-19-Patienten, die beatmet werden müssen: 1

Datenquellen für Thüringen:

Daten-Update Deutschland

• Aktuell Infizierte (Schätzung): 4.782
• Gesamtzahl (Schätzung) der genesenen Patienten: 186.400
• Genesene Patienten (Schätzung) seit gestern: +400

• Gesamtzahl der Infektionen: 200.843
• Neuinfektionen seit gestern: +583
• 7-Tage-Durchschnitt der täglichen Neuinfektionen: 381

• Todesfall-Gesamtzahl im COVID-19-Zusammenhang: 9.082
• Todesfälle im COVID-19-Zusammenhang seit gestern: +4

• COVID-19-Patienten auf Intensivstationen: 249
• COVID-19-Patienten, die beatmet werden müssen: 116

Datenquellen für Deutschland:

  • Infektionen, Genesene, Todesfälle: Robert Koch-Institut + eigene Berechnung
  • Reproduktionszahl (Schätzung): Tägliche Situationsberichte des Robert Koch-Instituts
  • Intesivpatienten und -betten: DIVI Intensivregister

Generelle Einschätzung der Daten

Es handelt sich sowohl regional als auch international um eine sehr dynamische Datenlage. Beinahe stündlich liefern einzelnen Kommunen, Landesbehörden oder internationale Stellen neue Zahlen. Dazu kommt ein teils erheblicher Meldeverzug, weshalb sich Angaben verschiedener Quellen unterscheiden können. Grundsätzlich stellt eine Daten-Übersicht wie diese deshalb immer nur eine Momentaufnahme dar.

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Grafik: Der Corona-Daten-Update Newsletter
Bildrechte: MDR | Grafik Florian Leue/Martin Paul

Quelle: MDR/mm

Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN-ANHALT HEUTE | 17. Juli 2020 | 19:00 Uhr

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