Datenanalyse zur Coronavirus-Pandemie Wo die 7-Tage-Inzidenz jetzt schon unter dem neuen Corona-Grenzwert 35 liegt

Manuel Mohr
Bildrechte: MDR/Manuel Mohr

War bislang die 50 das Maß der Dinge, ist nun eine Corona-7-Tage-Inzidenz von weniger als 35 entscheidend für erste Lockerungen. Was es mit dem neuen Grenzwert auf sich hat und in welchen Regionen er bereits jetzt unterschritten wird: das und mehr im aktuellen Corona-Daten-Update.

Blick in die Innenstadt mit Fußgängerzone in Stendal
Laut Robert Koch-Institut lag die 7-Tage-Inzidenz im Landkreis Stendal am Freitag bei 24. Bildrechte: MDR/Michael Rosebrock/Manuel Mohr

Die aktuelle Lage

Guten Abend zur aktuellen Ausgabe des Corona-Daten-Updates. Der positive Trend der vergangenen Wochen hält weiter an. Die Zahl der täglich neu gemeldeten Corona-Fälle nimmt weiter ab. In den zurückliegenden sieben Tagen wurden in Sachsen-Anhalt durchschnittlich 268 neue Fälle pro Tag festgestellt. Zum Vergleich: Mitte Januar lag der Wert zwischenzeitlich bei über 900:

Die Sterbefälle in Zusammenhang mit Covid-19 sind erfreulicherweise ebenfalls rückläufig. Gleiches gilt für die Zahl der Menschen, die infolge einer Covid-19-Erkrankung auf einer Intensivstation behandelt werden müssen. Lag der Wert Anfang Januar noch bei 215, so sind es mittlerweile nur noch 132:

Durch den stetigen Rückgang der neuen Corona-Fälle sinkt auch die 7-Tage-Inzidenz, also die Zahl der Coronavirus-Neuinfektionen pro 100.000 Einwohner der vergangenen sieben Tage. Deutschlandweit wurde der Wert vom Robert Koch-Institut (RKI) am Freitag mit 62,2 angegeben. Sachsen-Anhalt, Sachsen und Thüringen liegen aktuell noch oberhalb dieses Durchschnittswerts:

35 ist die neue 50

Bislang war ein 7-Tage-Inzidentwert von 50 als Grenze definiert, die es für etwaige Lockerungen zu unterschreiten galt. Nach den Bund-Länder-Gesprächen am vergangenen Mittwoch, den 10. Februar 2021, haben sich die Ministerpräsidentinnen und -präsidenten der Länder gemeinsam mit Bundeskanzlerin Angela Merkel nun unter anderem darauf geeinigt, erste vorsichtige Lockerungen, etwa die Öffnung des Einzelhandels, erst ab einem Inzidenzwert von 35 zu ermöglichen.

Merkel sagte dabei: "Aus heutiger Perspektive, vor allem vor dem Hintergrund der Unsicherheit bezüglich der Verbreitung von Virusmutanten, kann der nächste Öffnungsschritt bei einer stabilen 7-Tage-Inzidenz von höchsten 35 Neuinfektionen pro 100.000 Einwohnerinnen und Einwohner durch die Länder erfolgen."

Inwiefern dieser Wert überhaupt gesetzeskonform ist, können Sie hier nachhören:

Diese Region liegen unterhalb des Grenzwerts

Mit Stand Freitag, 12. Februar 2021, unterschreiten nach RKI-Angaben 55 der 412 Landkreise (13 Prozent) und kreisfreien Städte in Deutschland den neuen Grenzwert. Aus den neuen Bundesländer sind dabei nur vier Regionen vertreten:

  • Stadt Rostock (Mecklenburg-Vorpommern): 18,17
  • Landkreis Stendal (Sachsen-Anhalt): 24,28
  • Frankfurt/Oder (Brandenburg): 25,97
  • Landkreis Vorpommern-Rügen: 27,59


Welche weiteren Regionen dazugehören, können Sie der folgenden Karte entnehmen. Für weitere Informationen zur jeweiligen Region einfach auf den entsprechenden Bereich in der Karte klicken:

Ab einer Inzidenz von 35 können weitere Öffnungsschritte erfolgen. Gilt das schon, wenn ein Landkreis darunter liegt – zugleich aber das Bundesland oder Deutschland insgesamt noch über dem Wert von 35 liegen? Diese und weitere Fragen hat mein Kollege Martin Paul in dieser Übersicht für sie zusammengetragen:

Mutationen geben Anlass zur Sorge

Inwiefern die Fallzahlen in den kommenden Wochen weiter sinken, hängt vor allem davon ab, wie sich die neuen Virus-Mutationen in Deutschland ausbreiten. Gesundheitsminister Jens Spahn (CDU) sagte am Freitag auf einer Pressekonferenz, dass der Winter hart sei – und alle wieder zur Normalität zurückkehren wollten. Dennoch sei das Infektionsgeschehen noch zu hoch und die neu aufgetretenen Virus-Mutationen zu gefährlich, um weitere Öffnungen zu gewähren.

"Wenn wir jetzt öffnen, verspielen wir den bisherigen Erfolg", so Spahn. Besser sei es, jetzt noch eine Weile durchhalten, als die bisherigen Erfolge zu riskieren. Es gehe darum, das Gesundheitssystem weiter vor Überlastung zu schützen.

Der neue Inzidenz-Grenzwert, die Corona-Mutationen und das immer größere Ausmaß des Impfskandals in Sachsen-Anhalt sind auch Themen in der neuen Ausgabe des Podcasts "Was bleibt":

Impf-Spritzen, Grafiken auf einem Laptop 52 min
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MDR SACHSEN-ANHALT - Das Radio wie wir Fr 12.02.2021 14:44Uhr 52:27 min

Audio herunterladen [MP3 | 48 MB | 128 kbit/s] Audio herunterladen [MP4 | 95,7 MB | AAC | 256 kbit/s] https://www.mdr.de/mdr-sachsen-anhalt/podcast/was-bleibt/was-bleibt-impfskandal-sachsen-anhalt-corona-daten-update-102.html

Rechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

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Mehr Informationen zur Corona-Situation in Sachsen-Anhalt, Sachsen, Thüringen und Deutschland finden Sie hier:

Generelle Einschätzung der Daten

Es handelt sich sowohl regional als auch international um eine sehr dynamische Datenlage. Beinahe stündlich liefern einzelnen Kommunen, Landesbehörden oder internationale Stellen neue Zahlen. Dazu kommt ein teils erheblicher Meldeverzug, weshalb sich Angaben verschiedener Quellen unterscheiden können. Grundsätzlich stellt eine Daten-Übersicht wie diese deshalb immer nur eine Momentaufnahme dar.

Newsletter: Das Corona-Daten-Update

Zum Schluss empfehlen wir Ihnen noch unseren Newsletter zum Thema: In unserem Update zur Corona-Lage in Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen fassen wir für Sie zusammen, was am Tag wichtig war und was für Sie morgen wichtig wird – montags bis freitags um 20 Uhr per Mail in Ihr Postfach. Hier geht es zur Anmeldung.

Grafik: Der Corona-Daten-Update Newsletter
Bildrechte: MDR | Grafik Florian Leue/Martin Paul

Quelle: MDR/mm

Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN-ANHALT HEUTE | 12. Februar 2021 | 19:00 Uhr

7 Kommentare

jackblack vor 36 Wochen

Wer sich die Reden der Politiker anhört VERLIERT langsam den Glauben, Zahlen sinken aber der POPANZ Mutanten wird aufgeblasen und eine Lockerung ist NICHT in Sicht, Kretschmer erzählt von Ostern aber ich glaube, dass nicht einmal PFINGSTEN geöffnet wird !!!!

Mike.... vor 36 Wochen

Im ard ticket tauchen zwar aktuelle rki Daten auf, aber immer öfter fehlt der Vergleich von vor 1 woche. Daran sieht manvielnbesser wie weit der Wert gesunken ist. Wenn aktuell 6000 infiziert sind und der Wert von vor 1 woche bei 6000 lag. Dann ist es gleich geblieben. Also für mich auch der Inzidenz Wert.
Waren da 90, dann wäre er jetzt auch bei 90. Morgen sind die sonntagswerte eh niedriger, also die Inzidenz könnte unter 50 sinken, gehen am dienstag aber wieder auf 70. Weil der Wert jetzt bei bei 5000 infizierten liegt. Dann ändert man aber nicht die fehlenden 600. Also bleibt der Wert bei 5000 statt 5600. Dann wäre der Wert vom Dienstag vor einer Woche höher.... denke das Durcheinander hat man in der Politik erkannt und geht auf 35 runter. Auch weil eine Lockerung für alle Landkreise Dann ok ist, weil alle unter angestrebten 50 sind.

Der Lange vor 36 Wochen

Ob nun 50 als Grenzwert, wie uns monatelang gebetsmühlenartig erzählt wurde oder nun 35 (genau so eine willkürliche Zahl), oder ab nächste Woche vielleicht 27,76 (sieht auch sehr logisch aus), das sind alles nur Scheingefechte, die der Ablenkung dienen. Das einzige, was helfen könnte, wären Impfungen in ausreichender Zahl. Und das haben Bundesregierung und EU gründlich verpennt.

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