In Magdeburg und Halle Vergessen oder nicht abgesagt: Corona-Impftermine werden vermehrt nicht wahrgenommen

In den Impfzentren in Sachsen-Anhalt werden immer häufiger Termine zur Zweitimpfung nicht wahrgenommen. Sie werden vergessen oder nicht abgesagt. Das hat Folgen für andere Menschen, die sich impfen lassen möchten. Die Impfquote steigt dennoch weiter. Die Hälfte aller Menschen in Sachsen-Anhalt hat bereits mindestens eine Impfung erhalten.

Ein Schild, auf dem "Eingang Impfzentrum" steht.
Bildrechte: MDR/Luise Kotulla | Collage: Fabian Frenzel

In immer mehr Impfzentren in Sachsen-Anhalt werden Termine nicht gebucht oder nicht wahrgenommen. "Für uns ist das schwer nachvollziehbar", teilte ein Sprecher der Stadt Magdeburg MDR SACHSEN-ANHALT mit. Möglicherweise seien noch nicht geimpfte Personen impfunwillig oder sähen aufgrund des aktuellen Infektionsgeschehens keine Notwendigkeit zur Impfung.

Am Mittwoch hatte die Landeshauptstadt kurzfristig 300 Impftermine zur Verfügung gestellt, die Resonanz darauf sei jedoch gering gewesen. Jetzt denkt man in Magdeburg darüber nach, die Zeiten für die Impfungen zu ändern.

Magdeburgs OB mit Appell

Dr. Lutz Truemper
Appelliert an die Menschen, sich impfen zu lassen: Magdeburgs OB Lutz Trümper (Archivfoto) Bildrechte: imago images/Christian Schroedter

Magdeburgs Oberbürgermeister Lutz Trümper (SPD) appellierte an die Menschen in der Stadt, sich impfen zu lassen. "Natürlich freue ich mich wie alle anderen über die stabilen niedrigen Fallzahlen und Inzidenzen", sagte er einer Mitteilung vom Donnerstag zufolge. "Aber noch sind bei weitem nicht genügend Menschen gegen das Coronavirus geimpft, als dass wir aufatmen und auf umsichtiges Verhalten verzichten könnten." Wenn man keine vierte Krankheitswelle im Herbst erleben wolle, müssten viele Menschen geimpft sein. Und auch nur dann könne man die Lockerungen beibehalten und weitere Schritte hin zur Normalität gehen.

Der Impfstab der Landeshauptstadt wies in der Mitteilung außerdem darauf hin, dass es unumgänglich sei, auch den zweiten Impftermin wahrzunehmen. Erst nach dieser sei ein ausreichender Schutz gegeben. Zudem bittet das Impfzentrum, nicht wahrgenommene Termine abzusagen. Sollte eine Zweitimpfung in einer Haus- oder Facharztpraxis erfolgen, muss der bestehende Termin im Impfzentrum abgesagt werden.

Probleme auch in Halle und Mansfeld-Südharz

Probleme mit nicht wahrgenommenen Terminen für die Zweitimpfung meldet auch das Impfzentrum in Halle. Dort würden Termine entweder vergessen oder nicht abgesagt, wenn sich Impfwillige die zweite Spritze bei Hausärzten holen, schätzt der Leiter des Impfzentrums Halle, Daniel Schöppe. Nicht abgesagte Termine würden aber immer einen Erstimpftermin blockieren. So verfallen von den täglich 1.800 vergebenen Terminen etwa 100.

Auch im Kreis Mansfeld-Südharz sind solche Fälle bekannt. Bisher komme das vereinzelt vor, hieß es von einer Sprecherin auf Nachfrage von MDR SACHSEN-ANHALT. Inzwischen seien zwischen Hettstedt und Sangerhausen auch Erstimpftermine nicht mehr so gefragt.

Dem Sozialministerium Sachsen-Anhalt liegen zu abgesagten Terminen keine Statistiken vor. In einzelnen Landkreisen wurden bereits Sonderimpftage ohne vorherige Terminbuchungen angeboten.

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Die Hälfte hat schon eine Erstimpfung

Derweil geht es beim Impffortschritt voran. Nach Angaben des Robert Koch-Instituts (RKI) haben 50 Prozent der Sachsen-Anhalter oder Sachsen-Anhalterinnen mittlerweile mindestens die Erstimpfung gegen das Coronavirus erhalten. Knapp über 30 Prozent sind bereits vollständig geimpft. Deutschlandweit haben bisher 52,2 Prozent die erste Dosis bekommen.

In der folgenden Grafik können Sie ablesen, wie sich die Impfquote in Sachsen-Anhalt aktuell entwickelt:

Quelle: MDR/Dirk Jacobs, Fabian Frenzel

Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN-ANHALT HEUTE | 23. Juni 2021 | 19:00 Uhr

22 Kommentare

ElBuffo vor 4 Wochen

Die Hausärzte wissen eventuell gar nicht davon? Außerdem telefonieren die sich selbst jede Woche die Finger wund, weil auch bei denen die Rentner zum vereinbarten Termin nicht da sind.
Einfach jeden impfen, das will. Die sinnlose Priorisierung wurde immerhin schon aufgegeben. Dann eben auch die Terminvergabe sein lassen und einfach die ersten Tausend impfen, die da sind. Wenn ich mir da seit Wochen die Bilder anschaue, wo die Leute zu Hunderten anstehen, weil ohne Termin geimpft wird, frage ich mich sowieso, wie das mit dem Gejammer bestimmter Gruppen in Einklang zu bekommen ist, sie hätten noch keinen Termin bekommen. Da müssen doch schon seit Monaten Tausende von Termin nicht wahrgenommen worden sein.

DER Beobachter vor 4 Wochen

Mattotaupa: Ja, die Divergenz zwischen nun ja möglichen mehreren Angeboten ist ein zu lösendes Problem. Aber es ist (oder war?) wohl ein Problem, dass viele tatsächlich nicht mehr warum auch immer nicht zur Zweitimpfung kommen. Das wurde aus den USA schon so vor zwei Monaten auch berichtet, und dort liegt es durchaus auf der Hand, wenn man sich bei der Filiale der Drogeriekette seiner Wahl impfen lassen kann und eben dort zum Zweittermin nicht mehr erscheint. Und warum sollte Paule nicht auf den asozialen "Querdenker"-Schwachsinn in den sozialen Medien hinweisen, deren Nutzer dort (und Kommentatoren hier?) offenbar eh´nicht mehr auf Vernunft- und Faktenbasis erreichbar sind? Anni22, die ja durchaus bisher schon manchmal hier genau deren Unsinn (naiv im guten Glauben an nötige Kritik?) wiedergab, urteilte ja völlig richtig: "Was schauen Sie denn für wirres Zeug"...

DER Beobachter vor 4 Wochen

Das ist halt das Wirre der "Querdenker", Anni. Diesen Aufruf habe ich zwar noch nicht gelesen, aber anderes völlig Sinnfreies und Asoziales und völlig Sinnfreies und Asoziales mit handfesten straftrechtlichen Konsequenzen. Seit neuerer Zeit kursiert z.B. das Gerücht, es gäbe mehr Leute mit "so ´nem Chip am Arm. Die sind gechippt und kontrolliert". Mit der Folge, dass Quarkdenker das abrissen. Es waren Blutzuckermessgeräte von Diabeteskranken und genau darauf wiesen bereits in eben diesen Kanälen schon Leute mit Ahnung hin!

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