Ausweitung Corona-Impfungen Ärzte skeptisch – Apotheker offen dafür, mitzuimpfen

Die Landesregierung in Sachsen-Anhalt will auch auf Apotheker und Zahnärzte setzen, um die Impfquote im Land zu steigern. Diese liegt aktuell mit 66,9 Prozent im Bundesvergleich noch hinter Spitzenländern beim Impfen zurück. Die Idee mit den Apotheken finden nicht alle gut.

Eine Frau zieht eine Spritze mit dem Impfstoff von Biontech auf
Apotheken sollen für Impfungen ins Boot geholt werden, auch Zahn- und Tierärzte. Bildrechte: dpa

Bis Weihnachten wollen Bund und Länder bis zu 30 Millionen Erst-, Zweit- und Auffrischungs-Impfungen möglich machen. Das geht aus den Bund-Länder-Beratungen zur Corona-Krise vom Dienstag hervor. Dafür sollen auch Zahnärzte, Tier-Mediziner und Apotheken Impfungen übernehmen.

Das ist eine Strategie, der sich Sachsen-Anhalt anschließen will. Die Apothekerkammer Sachsen-Anhalt zeigte sich dafür grundsätzlich offen. Kammer-Präsident Jens-Andreas Münch sagte der dpa: "Wenn es der ausdrückliche Wunsch der Politik ist, dann werden sich auch Apothekerinnen und Apotheker der Aufgabe stellen, Auffrischungsimpfungen gegen Covid-19 mit zu realisieren."

Impfungen bei Apotheken: Gesetzliche Grundlage fehlt noch

Bevor das losgehen könne, müsse es aber eine gesetzliche Regelung dafür geben. Allerdings seien viele Apotheken schon jetzt durch die Corona-Pandemie stark belastet, außerdem durch die alltäglichen Anforderungen der sicheren Medikamentenversorgung, sagte Münch.

Die Zahnärzte reagierten gelassen auf die Forderungen, sie für eine verstärkte Impfkampagne hinzuzuziehen. Sachsen-Anhalts Kammerpräsident Carsten Hünecke sagte, die Bereitschaft sei da. "Das ist unser Selbstverständnis als Heilberufler und Mediziner." Diese Aufgabe sei zu meistern, während die zahnärztliche Versorgung uneingeschränkt gewährleistet bleibe. Allerdings müsse jede Zahnarztpraxis im Hinblick auf logistische und organisatorische Belastung selbst entscheiden, ob und in welchem Umfang sie mitimpft.

Ärtzekammer: Impfstoff reicht ohnehin nicht aus

Nicht so überzeugt von dem Ansatz zeigt sich die Ärztekammer im Land. Sprecher Tobias Brehme gibt zu bedenken: "Die Impfzentren werden nicht geöffnet, aber geimpft wird beim Apotheker. Das ist für die Ärzte nicht nachvollziehbar." Immerhin handle es sich bei einer Impfung um einen ärztlichen Eingriff. Zudem sei es ein falsches Signal an Impfskeptiker. Aus seiner Sicht macht es aktuell ohnehin keinen Sinn, wenn auch noch Apotheken ins Impfen einsteigen, da nicht genügend Impfstoff zur Verfügung stehe.

Die Impfquote in Sachsen-Anhalt liegt laut dem Robert Koch-Institut bei 66,9 Prozent. Im bundesweiten Vergleich liegt das Land damit hinter anderen Ländern, teils weit, zurück. So liegt die Quote in Nordrhein-Westfalen den Daten nach zum Beispiel bei 75,2 Prozent.

Mehr zum Thema Corona in Sachsen-Anhalt

Petra Grimm-Benne (SPD) Ministerin für Arbeit, Soziales und Integration des Landes Sachsen-Anhalt und Reiner Haseloff (CDU), Ministerpräsident des Landes Sachsen-Anhalt, geben in der Staatskanzlei eine Pressekonferenz.
Petra Grimm-Benne und Reiner Haseloff haben am Dienstagabend über die Ergebnisse aus den Corona-Beratungen informiert. Bildrechte: dpa

Quelle: dpa, MDR (Mandy Ganske-Zapf)

Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN-ANHALT - Das Radio wie wir | 01. Dezember 2021 | 07:00 Uhr

Mehr aus Sachsen-Anhalt

Eine Collage aus Corona-Schnelltest, Polizist vor Islamischen Kulturzentrum Halle und ein Auto auf einer Autobahn. 1 min
Bildrechte: MDR/dpa/YouTube
1 min 24.01.2022 | 18:00 Uhr

Die drei wichtigsten Themen vom 24. Januar aus Sachsen-Anhalt erfahren Sie hier kurz und knapp in nur 60 Sekunden. Präsentiert von MDR-Redakteur Jan Schmieg.

MDR S-ANHALT Mo 24.01.2022 17:31Uhr 00:52 min

https://www.mdr.de/nachrichten/sachsen-anhalt/video-themen-des-tages-vierundzwanzigster-januar-100.html

Rechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Video