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Die Gesundheitsämter in Sachsen-Anhalt stoßen bei der Kontaktverfolgung an ihre Grenzen. (Symbolbild) Bildrechte: dpa

Kampf gegen die PandemieWarum die Corona-Kontaktverfolgung in Sachsen-Anhalt immer schwieriger wird

von MDR SACHSEN-ANHALT

Stand: 27. Januar 2022, 15:32 Uhr

Sachsen-Anhalt kommt bei der Corona-Kontaktverfolgung kaum noch hinterher. Das zeigt die Antwort auf eine Kleine Anfrage der Linken im Landtag. Deswegen sollen jetzt vor allem gefährdete Gruppen geschützt werden. Andere, vor allem in den Schulen, werden – mehr oder weniger – sich selbst überlassen. Bislang wichtige Zahlen werden dann kaum noch Aussagekraft haben.

Die Corona-Infektionszahlen gehen wegen der Omikron-Variante derzeit durch die Decke. Auch in Sachsen-Anhalt werden bald neue Rekordwerte erwartet. Doch die Kontaktnachverfolgung im Land wird derweil eingeschränkt. Denn die Gesundheitsämter sind aufgrund der hohen Fallzahlen teilweise überlastet. Das geht aus der Antwort des Gesundheitsministeriums auf eine Kleine Anfrage der Linkspartei hervor.

Gesundheitsämter schon im Herbst überlastet

Konkret heißt es da, dass bereits im November 2021 die Gesundheitsämter der Landkreise Börde, Mansfeld-Südharz und Salzlandkreis sowie von der Landeshauptstadt Magdeburg eine Überlastung angezeigt hätten. Damals lief gerade die vierte Corona-Welle mit "Delta" als vorherrschender Variante. Auch der Einsatz von Bundeswehrsoldaten, Landesbediensteten, Mitarbeiterinnen aus anderen Abteilungen der Kreise und zusätzlichem Personal – etwa sogenannten "Containment Scouts" – konnte die Überlastung nur bedingt abmildern.

Schutz vulnerabler Gruppen steht im Vordergrund

Deswegen wurde eine Entscheidung getroffen, die auch mit Blick auf die zu erwartenden extrem hohen Fallzahlen in den kommenden Tagen und Wochen von großer Bedeutung ist. Bei der Kontaktverfolgung sollen die Gesundheitsämter laut Gesundheitsministerium priorisieren. Geschützt –und deswegen überprüft – werden sollen vor allem vulnerable Personen und Risikobereiche. Dazu gehören insbesondere Pflege- und Behindertenheime sowie Krankenhäuser. Zudem können die Gesundheitsämter auf die Übermittlung zahlreicher Details zu den einzelnen Infektionen verzichten.

Einige Gesundheitsämter sind bereits im Herbst dazu übergegangen, nur noch positiv Getestete zu informieren und die Quarantäne anzuordnen. Teilweise wurden Betroffene gebeten, ihre Kontaktpersonen selbst zu informieren.

Positiv getesteter Schüler: Klassen müssen nicht mehr in Quarantäne

Bei vielen anderen wird dagegen auf die Kontaktverfolgung verzichtet. Das betrifft vor allem die Schulen. Bis Mitte November war es so: Wurde ein Kind positiv getestet, musste die ganze Klasse in Quarantäne. Seitdem geht nur noch das Kind selbst sowie Angehörige seines Haushalts in Quarantäne.

Alle anderen Schülerinnen und Schüler, genau wie das Lehrpersonal, sollen weiterhin am Präsenzunterricht teilnehmen. Zwar können die Städte und Landkreise auch andere Regelungen anordnen. Doch in der Regel wird wohl auf die Kontaktnachverfolgung weitgehend verzichtet.

Trüber Blick: Infektionsgeschehen bald nicht mehr nachvollziehbar

Auch bei den PCR-Tests soll wegen fehlender Laborkapazitäten demnächst eine Priorisierung vorgenommen werden. Das hatte die Bund-Länder-Runde mit Bundeskanzler Olaf Scholz vor Kurzem beschlossen. Details dazu werden gerade geklärt.

Ähnlich wie bei der Kontaktnachverfolgung sollen PCR-Tests für das Personal insbesondere in Krankenhäusern, in Praxen, in der Pflege, Einrichtungen der Eingliederungshilfe sowie Risikopatienten zur Verfügung stehen. Dadurch und wegen der eingeschränkten Kontaktverfolgung ist also zu erwarten, dass für weite Teile der Bevölkerung kein Überblick mehr besteht, wer eigentlich mit Corona infiziert ist.

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MDR (Oliver Leiste, Manuel Mohr)

Dieses Thema im Programm:MDR SACHSEN-ANHALT – Das Radio wie wir | 27. Januar 2022 | 06:00 Uhr