Corona Wie der Landkreis Börde zu seiner Rekord-Inzidenz kam

Die Sieben-Tage-Inzidenz im Landkreis Börde liegt derzeit beim Dreifachen des Bundesdurchschnitts. Doch die Rekordwerte sind nicht auf Massenausbrüche zurückzuführen. Stattdessen wirken mehrere statistische Effekte.

RKI Dashboard mit den bundesweiten 7-Tage-Inzidenzen und Covid-19-Fällen auf einem Laptop.
Bildrechte: IMAGO / Achille Abboud

Seit Tagen führt der Landkreis Börde die deutschlandweite Inzidenz-Statistik aller Landkreise an. Am Mittwoch wurde durch das Robert Koch-Institut (RKI) ein Wert von 3.277 gemeldet, nach 3.407 und 3.439 an den Vortagen. Zum Vergleich: Der Sachsen-Anhalt-Wert wird mit 1.693 angegeben. Auch das ist der deutschlandweite Spitzenwert laut RKI, was den Bundesdurchschnitt mit 1.171 angibt.

Meldungen hatten sich angestaut

Hintergrund der hohen Meldewerte aus dem Landkreis Börde ist eine Systemumstellung, wie der Landkreis dem MDR bestätigte. Dadurch mussten Mitarbeiter für Schulungen abgezogen werden, Fallmeldungen blieben liegen und stauten sich an. Fredericke Hecht vom Corona-Impfstab sagte MDR SACHSEN-ANHALT: "Und das hieß dann im Umkehrschluss, dass die Meldungen ans RKI nicht mehr zeitgemäß erfolgen konnten." In der Folge wurden besonders hohe Werte bei den Corona-Neuinfektionen gemeldet, die die Statistik verzerrt haben. Da bei der Inzidenz ein Sieben-Tage-Mittelwert angegeben wird, gebildet wird, zieht dies den Durchschnitt über Tage nach oben.

Während der Landkreis Börde zum 22. Februar noch 529 Neuinfektionen gemeldet hatte, schnellte der Wert in den Folgetagen auf 780, 999 und 1.654 nach oben. "Heute sind wir mit etwa 450 Neumeldungen hoffentlich auf einem besseren Wege", so Hecht. Sie erwartet, dass sich die Inzidenz des Landkreises in den nächsten Tagen wieder dem Deutschlandtrend anpasst. Angenommen, es bleibt sieben Tage lang bei je 450 Neuinfektionen im Landkreis Börde, ergäbe das rechnerisch eine Inzidenz von gut 1.800.

Inzidenz nur noch bedingt aussagefähig

Da die Sieben-Tage-Inzidenz weder die Schwere von Erkrankungen, noch die tatsächliche Belastung des Gesundheitssystems widerspiegelt, ist die Aussagekraft des Wertes für den Verlauf der Pandemie begrenzt. Hinzu kommt, dass Experten davon ausgehen, dass viele Erkrankungen nicht durch die RKI-Daten erfasst werden, da die Kapazitäten bei den Tests und bei den Gesundheitsämtern begrenzt sind. Infektionen ohne einen bestätigten PCR-Test fließen nicht in die offizielle Statistik ein.

MDR (Marila Zielke, André Plaul)

Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN-ANHALT | 02. März 2022 | 08:30 Uhr

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