Corona-Lage | 8. April 2021 Steigende Inzidenz und Sorge um Intensivstationen

Die Corona-Inzidenz in Sachsen-Anhalt ist am Donnerstag leicht gestiegen. Damit scheint die positive Entwicklung der vergangenen Tage beendet zu sein. Das bereitet vor allem den Intensivmedizinern Sorgen.

Ärztinnen auf der Covid-Station, einem Bereich der Operativen Intensivstation vom Universitätsklinikum Leipzig.
Die 7-Tage-Inzidenz in Sachsen-Anhalt ist wieder leicht gestiegen. Intensivmediziner machen sich auch deshalb Sorgen um die Auslastung der Intensivstationen. Bildrechte: dpa

Die Corona-7-Tage-Inzidenz in Sachsen-Anhalt ist leicht gestiegen. Am Donnerstag beträgt der Inzidenzwert laut Sozialministerium 148. Am Vortag lag die Inzidenz noch bei 146, nachdem sie über Ostern mehrere Tage in Folge kontinuierlich gesunken ist. Die Inzidenz gibt an, wie viele Menschen sich pro 100.000 Einwohnern innerhalb von sieben Tagen mit dem Coronavirus infiziert haben.

Das Robert Koch-Institut (RKI) geht aber weiter davon aus, dass rund um die Osterfeiertage weniger Menschen zum Arzt gegangen sind, weniger getestet und in den Laboren untersucht wurde. Von Seiten des RKI heißt es daher, dass man vor allem nach dem kommenden Wochenende wieder mit einer Inzidenz auf einem mit den Vorwochen vergleichbaren Niveau rechne.

Burgenlandkreis weiter mit der höchsten Inzidenz

Im Vergleich der Landkreise weist der Burgenlandkreis zwar weiter mit deutlichem Abstand die höchste Inzidenz auf. In den vergangenen Tagen ging der Wert hier aber auch am stärksten zurück. Lag die Inzidenz zu Ostern zum Teil noch über 300, so ist sie mittlerweile Stand Donnerstag auf 249 gefallen. Dahinter folgt der Landkreis Stendal mit einer Inzidenz von rund 208. Die niedrigste 7-Tage-Inzidenz hat weiterhin der Altmarkkreis Salzwedel mit etwa 71 - Tendenz steigend.

Schnelltestpflicht an Schulen im Burgenlandkreis

Wegen der noch immer sehr hohen Inzidenz sind im Burgenlandkreis seit Donnerstag Corona-Schnelltests an Schulen Pflicht. Landrat Götz Ulrich (CDU) sagte, ein negativer Selbsttest sei die Voraussetzung für Schülerinnen und Schüler, um am Präsenzunterricht teilnehmen zu dürfen.

Angewendet werden die sogenannten Lollitests, die Kinder auf der Zunge drehen. Am Mittwoch hätten sich schon 96 Prozent der anwesenden Kinder und Jugendlichen an den Tests beteiligt, sagte Landrat Ulrich. Es habe zwei positive Fälle gegeben. Die Schnelltests müssten noch mit einem genaueren PCR-Test bestätigt werden.

Aus dem Modellversuch im Burgenlandkreis wird ab kommender Woche eine landesweite Schnelltestpflicht an Schulen.

Ab Montag dürfen dann auch die Schülerinnen und Schüler in Halle wieder die Schulen besuchen. Die Einrichtungen waren in der Saale-Stadt seit Ende der Osterferien wegen hoher Corona-Inzidenzen ganz geschlossen. Statt Präsenzunterricht erhielten die halleschen Schülerinnen und Schüler Distanzunterricht. Das war laut Stadt nötig, weil die Corona-Inzidenzwerte bei Kindern und Jugendlichen zwischenzeitlich bei mehr als 300 lag.

Nadelöhr Intensivstation

Ähnlich wie die Inzidenzen in Sachsen-Anhalt ist auch die Zahl der von Covid-19-Patienten belegten Intensivbetten wieder leicht gestiegen. Sie wird vom Land nun mit 123 angegeben. Etwa die Hälfte dieser Patienten müssen demnach beatmet werden.

Vor allem auf den Intensivstationen im Burgenlandkreis ist die Situation bereits jetzt angespannt. Auch in den benachbarten Landkreisen gibt es keine Behandlungskapazitäten mehr auf den Intensivstationen. Erkrankte müssen deswegen in den Norden Sachsen-Anhalts gebracht werden.

Ein weiteres Problem ist, dass es für den Transport von Covid-Intensivpatientinnen und -patienten dafür speziell ausgerüstete Fahrzeuge braucht. Von denen gibt es in Deutschland laut Tagesspiegel allerdings nur einige Dutzend. Besonders im Osten Deutschlands fehlt es an Transportmitteln: In Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen gibt es nur insgesamt fünf Intensivtransportwagen, wie der Tagesspiegel in zwei Grafiken zeigt.

Zahlreiche Intensivmediziner warnen deshalb vor einer möglichen Überlastung der Intensivstationen. Der Leiter des Divi-Intensivregisters, Christian Karagiannidis, hat über den Kurznachrichtendienst Twitter daher erneut zu einem harten und konsequenten Lockdown wie im Frühjahr 2020 aufgerufen.

Danach könne man die Pandemie mit einer guten Test- und Impfstrategie unter Kontrolle halten und schneller wieder zur Normalität zurückkehren. "Je früher wir die Zahlen runterbringen, desto höher die Wahrscheinlichkeit, dass wir im Sommer wieder im Biergarten sitzen können" meint Karagiannidis.

Über 1.000 Impfdosen für Leuna

In den vergangenen 24 Stunden haben 10.227 Sachsen-Anhalter eine Erstimpfung bekommen. Damit haben fast 14 Prozent der Einwohner zumindest eine Erstimpfung erhalten – fast fünf Prozent der Bevölkerung haben auch die Zweite bekommen.

Nach der Einbeziehung der Hausarztpraxen ist laut RKI auch die Zahl der in Deutschland gespritzten Impfdosen sprunghaft angestiegen. Zwar haben am Mittwoch auch die Hausärzte in Sachsen-Anhalt mit der Corona-Impfkampagne begonnen. Der bundesweite Trend ist in Sachsen-Anhalt bislang aber noch nicht zu erkennen. Das könnte sich erst Ende April ändern. In der Woche vom 26. April sollen die Arztpraxen dann deutlich mehr Impfdosen erhalten als bislang.

Unterdessen hat das Land Sachsen-Anhalt 1.350 Impfdosen von Astrazeneca für Impfungen im Chemiestandort Leuna zur Verfügung gestellt. Für Wartungsarbeiten an der Raffinerie ist dort der Einsatz von mehreren 1.000 Beschäftigten geplant. Mit den zusätzlichen Impfungen sollen bereits im Vorfeld potentielle Infektionsherde verhindert werden

Sachsen-Anhalts Corona-Daten im Überblick

Alle Zahlen und Grafiken zur Corona-Entwicklung haben wir hier für Sie zusammengefasst:

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MDR/Thomas Tasler

Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN-ANHALT HEUTE | 08. April 2021 | 19:00 Uhr

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